Tamiflu®
– was ist das? ©
Während
es seit einigen Jahrzehnten gut wirksame Antibiotika (Arzneimittel gegen
Bakterien) gibt, mit denen bakterielle Infektionen von eitrigen Halsentzündung
bis zur Beulenpest erfolgreich behandelt werden können, ist es ungleich
schwieriger, Medikamente gegen Viren zu entwickeln. Dies liegt u.a. daran, dass
Viren praktisch über keinen eigenen Stoffwechsel verfügen und sich auch nicht
selbst vermehren. Wenn sie in eine Wirtszelle eindringen, dann lösen sie sich
auf. Die Erbsubstanz der Viren veranlasst dann die Wirtszelle, neue Viren in
großer Zahl herzustellen. Dabei geht diese oft zugrunde.
Erst
vor wenigen Jahren wurden Wirkstoffe entwickelt, die die Vermehrung bzw. die
Ausbreitung der Viren verhindern. Eine dieser Substanzen ist das Oseltamivir,
welches als Tamiflu®
im Handel und seit 2002 in der Europäischen Union zugelassen ist. Oseltamivir
wird aus der gentechnologisch hergestellten Shimikisäure synthetisiert. Es
handelt sich dabei um einen Neuraminidasehemmer. Wenn eine von einem Virus
befallene Wirtszelle veranlasst worden ist, das Virus zu vermehren, so müssen
die gebildeten Viren durch die Zellgrenzschicht nach außen gelangen, um weitere
Zellen zu befallen. Damit sie die Zellgrenzschicht durchdringen können,
benötigen sie das Enzym Neuraminidase. Tamiflu®
wirkt also nicht direkt gegen die Viren selbst (ist daher also nicht viruzid),
sondern behindert die Verbreitung neu gebildeter Tochterviren (und wirkt daher
virustatisch).
Es ist
bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr ausschließlich zur Behandlung der
Influenzagrippe zugelassen. Es sollte bei den ersten Anzeichen einer „echten
Grippe“ (nicht jedoch bei einem „banalen grippalen Infekt“) eingesetzt werden.
Auch bei einer so genannten Postexpositionsprophylaxe ist es wirksam. Wenn also
jemand Kontakt mit einem Grippepatienten hatte, kann die rechtzeitige Einnahme
von Tamiflu®
den Ausbruch der Grippe verhindern.
Tamiflu®
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Wissenschaftliche
Studienlage „magerer“ als die Werbung es verheißt
Nachgewiesen sind folgende Effekte von Tamiflu®:
S
Die
Krankheitsdauer wird signifikant verkürzt (in vielen Veröffentlichungen wird
allerdings nicht
erwähnt, dass diese Verkürzung nur einen Tag
beträgt – nicht mehr und nicht weniger)
S
Die Krankheitssymptome
werden vermindert (was bei der echten Virusgrippe mit ihren starken
Allgemeinsymptomen für das subjektive Befinden
des Patienten durchaus bedeutsam sein kann)
S
Es wird angenommen, dass
Komplikationen wie etwa gefährliche Lungenentzündungen
möglicherweise seltener auftreten
S
Eine Verringerung der
Sterblichkeit durch die Grippe unter Tamiflu®
wird ebenfalls angenommen
(konnte bisher aber noch nicht bewiesen werden)
S
Tamiflu®
wirkt umso besser, je früher es eingenommen wird, am besten innerhalb des ersten
Tages nach Beginn der Symptomatik. Später als
zwei Tage nach den ersten Symptomen ist es
sehr zweifelhaft, ob noch große Effekte erzielt
werden.
Tamiflu®
ist also keinesfalls das Wundermittel, als das es mitunter angepriesen wird. Es
ist allerdings der einzige Pfeil, den die konventionelle Medizin bei einer
Virusgrippe überhaupt im Köcher hat. Da es ein sehr „junges“ Medikament ist,
steht es noch unter Patentschutz und der Hersteller kann daher einen für ihn
sehr profitablen Preis fordern. Allein im Jahre 2006 betrug der Umsatz durch
Tamiflu®
weit mehr als eine
Milliarde Euro.
Bei der
letzten
Vogelgrippe-Hysterie
(Sie erinnern sich noch, als im Fernsehen zu sehen war, wie vermummte
Bundeswehrsdaten tote Schwäne so vorsichtig wie radioaktiven Abfall
abtransportierten und Wissenschaftler vor der nächsten Grippepandemie mit
mehreren Millionen Toten warnte) schnellten die Verkaufszahlen in die Höhe. Ob
Tamiflu®
die Sterblichkeit bei einer
Vogelgrippe
überhaupt beeinflusst hätte, ist dabei mehr als fraglich. Die Gefahr einer
möglichen Virusgruppe soll von mir gar nicht verharmlost werden. Alle paar
Jahrzehnte kommt es zu einer Mutation des Influenzavirus, der zu einer Variante
führt, die viele Todesopfer fordert und sich weltweit verbreitet. Die Frage ist
nicht ob, sondern wann die nächste Pandemie (weltweite Epidemie) kommen wird.
Dann wird sich die Behandlung von infizierten Patienten oder die Vorbeugung z.B.
von Mitarbeitern des Gesundheitswesens mit Mitteln wie Tamiflu®
vermutlich als sehr segensreich erweisen.
Bis
dahin sollten wir allerdings dafür sorgen, dass diese Waffe auch scharf bleibt.
Ein häufiger und unkritischer Einsatz von Antibiotika führt zur Entwicklung von
Resistenzen, d.h. die Bakterien haben Abwehrstrategien gegen die Antibiotika
entwickelt und werden durch diese nicht mehr an der Vermehrung gehindert. Bei
Virustatika geschieht dies aufgrund der Vermehrungsfähigkeit und genetischen
Wandlungsfähigkeit der Viren noch viel schneller. Obwohl Tamiflu®
erst seit wenigen Jahren auf dem Markt ist, sind bereits etwa 10-20 % der
Influenzavirusstämme resistent geworden. Wenn Mittel wie Tamiflu®
unkritisch beim geringsten Verdacht auf eine Grippe und bei Menschen eingesetzt
werden, die eine Grippe eigentlich gefahrlos überstehen könnten, dann besteht
die Gefahr, dass die Rate der Resistenzen weiter in die Höhe schnellt und das
gefürchtete Killer-Virus eventuell irgendwann einmal aus einer solchen
resistenten Virusvariante entstehen wird.
Tamiflu®
30/45/75 mg Hartkps.
Tamiflu®
12 mg/ml Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen
Zusammensetzung:
Oseltamivirphosphat ~ 30/45/75 mg Oseltamivir bzw. 12 mg/ml Oseltamivir als
Suspension
Tamiflu®
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Anwendung:
S Behandlung
der Influenzagrippe bei Erwachsenen und Kindern ab 1 Jahr mit influenzatypischen
Symptomen und/oder Vorbeugung einer Virusgrippe bei Erwachsenen und Kinder ab 1
Jahr nach Kontrakt mit einem klinisch diagnostizierten Influenzafall, wenn der
Influenzavirus in der Bevölkerung auftritt.
S In
Ausnahmesituationen kann eine saisonale Prophylaxe mit Tamiflu®
bei Erwachsenen und Kindern ab 1 Jahr erwogen werden.
Tamiflu®
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Anwendungsbeschränkungen:
Niereninsuffizienz: Dosisanpassung bei Pat. mit deutlich eingeschränkter
Nierenfunktion und dialysepflichtige Patienten.
Schwangerschaft/Stillzeit:
Kontraindikation
Tamiflu®
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Nebenwirkungen:
S Erwachsene
und Jugendliche ab 13 Jahre:
Übelkeit, Erbrechen, Magen- bzw. Bauchschmerzen (Einnahme nach dem Essen mildert
diese Beschwerden)
Durchfall,
(akute) Bronchitis, Schwindel, Benommenheit, Abgeschlagenheit,
Kopfschmerzen,
Schlaflosigkeit
Bei der Prophylaxe außerdem Schmerzen, Husten, Schnupfen,
Verdauungsbeschwerden
und Infekte der oberen Atemwege
S Kinder
1-12 Jahre:
Erbrechen, Bauchschmerzen, Nasenbluten, Erkrankungen des Ohrs und
Bindehautentzündung,
Durchfall,
Otitis media, Verschlechterung bestehenden Asthmas und Asthma, Pneumonie,
Sinusitis, Dermatitis, Lymphadenopathie und Erkrankungen des Trommelfells.
S Nach
Markteinführung beobachtete Nebenwirkungen: Dermatitis, Ausschlag, Ekzem,
Urtikaria, angioneurotisches Ödem, Überempfindlichkeitsreaktionen einschl.
anaphylaktischer Reaktionen sowie sehr selten Berichte über schwere
Hautreaktionen. Sehr selten
Hepatitis,
erhöhte Leberenzyme bei Pat. mit influenzaähnlichen Erkrankungen. Tödlich
verlaufende fulminante
Hepatitis/Leberversagen.
Krampfanfälle und psychiatrische Ereignisse wie Bewusstseinstrübung, abnormales
Verhalten, Halluzinationen und Delirium, wurden während der Anwendung von
Tamiflu®
gemeldet. In seltenen Fällen führte das Delirium zu Verletzungen durch Unfälle.
Diese Symptome wurden hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen berichtet.
Krampfanfälle und psychiatrische Symptome wurden auch bei Pat. mit Influenza
gemeldet, die kein Tamiflu®
eingenommen hatten. Selten gastrointestinale Blutungen und hämorrhagische
Colitis (Darmentzündung mit Blutungen).
Hinweis:
S Tamiflu®
ist kein Ersatz für eine Grippeschutzimpfung. Die Anwendung von Tamiflu®
darf die individuelle Erwägung einer jährlichen Grippeschutzimpfung nicht
beeinflussen. Der Schutz gegen Influenza dauert nur so lange wie Tamiflu®
angewendet wird. Es darf nur dann zur Therapie und Prophylaxe angewendet werden,
wenn verlässliche epidemiologische Daten darauf hindeuten, dass das
Influenzavirus in der Bevölkerung auftritt.
Tamiflu®
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Nebenwirkung des
Medikamentes wie bei der Grippe selbst
Bei den
gar nicht so seltenen
Nebenwirkungen
ist erstaunlich, dass einige Nebenwirkungen auftreten, die ansonsten als
Komplikationen der Grippe auftreten können. Diese Nebenwirkungen konnten nur im
Doppel-Blind-Versuch erfasst werden, da niemand damit rechnen würde, dass akute
Bronchitis,
Kopfschmerzen,
Abgeschlagenheit, Mittelohrentzündung, Asthma oder Lungenentzündung unter
Umständen auf das Grippemittel und nicht auf die Erkrankung selbst
zurückzuführen sein könnten. Diese Nebenwirkungen treten aber seltener als bei
der eigentlichen Erkrankung auf. Die Tatsache, dass das Medikament nahezu
dieselben Nebenwirkungen entfaltet wie die Krankheit selbst Symptome verursacht,
erinnert an das
homöopathische Prinzip „similia similibus
curentur“ (Das Ähnliche werde durch das Ähnliche geheilt). Dieses Prinzip finden
wir gar nicht so selten nicht nur in der
Homöopathie, sondern auch in der
konventionellen Medizin, etwa bei den Mitteln gegen
Herzrhythmusstörungen,
wo jedes
Antiarrhythmikum in der Lage ist, nicht nur
Rhythmusstörungen zu verhindern, sondern diese auch zu erzeugen. Wenn dieses
unbestrittene Phänomen mehr beachtet und daraus die richtigen Schlüsse gezogen
werden könnten, würden nicht nur
Homöopathie
und Schulmedizin einen Weg zueinander finden, sondern es könnten womöglich auch
wirksamere und nebenwirkungsärmere
Medikamente entwickelt werden können.
Tamiflu®
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Strenge
Indikationsstellung
Nach
den derzeit bekannten Informationen hat Tamiflu®
durchaus seinen Stellenwert. Beispielsweise bei körperlich sehr reduzierten oder
abwehrgeschwächten Menschen mit Verdacht auf eine echte Grippe
ist Tamiflu®
durchaus indiziert. Auch bei Auftreten einer Grippeepidemie etwa in einem
Altersheim kann eine Prophylaxe der Bewohner erwogen werden. Und bei der
nächsten wirklich gefährlichen Grippeepidemie oder gar –pandemie kann Tamiflu®
das Medikament werden, für welches wir alle noch einmal dankbar sein werden.
Einem großzügigen Einsatz steht jedoch nicht nur der relativ hohe Preis (22 bis
34 €), sondern vor allem die Gefahr der Resistenzentwicklung entgegen. Bei
anderen Infekten
als der echten Virusgrippe ist Tamiflu®
ohnehin gar nicht zugelassen.
Nicht
vergessen sollten wir auch, dass nicht nur das Virus gefährlich ist, sondern es
entscheidend auch auf den Boden ankommt, auf den dieses fällt. Auch bei den
Grippeepidemien, die Millionen Todesopfer forderten gab es viele Menschen, die
überhaupt nicht oder nur sehr leicht erkrankten. Wir alle haben es mit unserer
Lebensweise in der Hand, unser
Immunsystem so zu stärken, dass es im Ernstfall auch mit einer
Virusbelastung einigermaßen zurechtkommt und es nicht zu einem Ausbruch der
Erkrankung oder nur zu relativ geringen Symptomen kommt.
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Historisches
Von Claude
Bernard (1813-1878) stammt der Ausspruch: « Le microbe n´est rien,
le terrain c´est tout. »
(Die Mikrobe ist
nichts, der Nährboden ist alles) und lieferte sich einen
lebenslangen Streit mit dem berühmten Forscher Louis Pasteur
(1822-1895), der seinen Forschungsschwerpunkt auf die Bekämpfung der
Mikroben legte. Von ihm stammt z.B. das Verfahren der
Pasteurisierung. Auf seinem Totenbett soll Pasteur angeblich Bernard
posthum Recht gegeben haben.
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Selbst wenn das
Kind doch in den Brunnen gefallen sein sollte und es einmal zu einem
symptomatischen Virusinfekt kommt, so hat die
Naturheilkunde
mit pflanzlichen,
homöopathischen
und
orthomolekularen Heilmitteln
sowie
physikalischen Maßnahmen wie etwa der Kneippschen Hydro- und
Thermotherapie zahlreiche Möglichkeiten, um einen
Infekt
schneller überwinden zu helfen oder die Beschwerden erträglicher
werden zu lassen.
Ein
gutes Abwehrsystem wünscht Ihnen
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte
- von Abnehmen bis Zöliakie -
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