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Paracetamol ©


Paracetamol ist eines der ältesten und am meisten verschriebenen Schmerz- und Fiebermittel. Es wurde zwar schon 1873 erstmals synthetisiert, seine schmerzstillende Wirkung wurde aber erst nach dem zweiten Weltkrieg bekannt. Das bekannteste Präparat firmiert unter dem Handelsnamen Ben-u-ron
®. Praktisch jeder hat dieses – meist als Fieberzäpfchen – in seiner Kindheit kennen gelernt. Paracetamol hat seine Bezeichnung vom Strukturnamen Para-Acetylamino-Phenol. Es gehört neben Acetylsalicylsäure (ASS) und den nicht-Steroidalen Antirheumatika (NSAR) Diclofenac und Ibuprofen zu den wichtigsten Schmerzmitteln, hat im Gegensatz zu diesen aber praktisch keine antiphlogistische (anti-entzündliche Wirkung).


Vielfältige Wirkweise von
Paracetamol

Es ist noch nicht exakt geklärt, auf welche Weise Paracetamol seine schmerz- und fiebersenkende Wirkung entfaltet. Vermutlich ergänzen sich mehrere Effekte synergistisch. Einerseits wird das Enzym Cyclooxygenase im Rückenmark gehemmt. Dieses Enzym bildet Prostaglandine, die an der Schmerzweiterleitung zum Gehirn beteiligt sind. Außerdem beeinflusst Paracetamol Serotonin-, Cannabinoid- und Glutamat-Rezeptoren, die bei der Schmerzweiterleitung und –verarbeitung eine wichtige Rolle spielen. Da die Hemmung der Cyclooxygenase im zentralen Nervenzentrum (Gehirn und Rückenmark) geschieht und nicht in der Peripherie wie bei ASS (z.B. Aspirin®) und den NSAR (z.B. Voltaren®, Ibuprofen), bewirkt Paracetamol keine Entzündungshemmung, aber führt auch nicht zu Magengeschwüren.

Nebenwirkungen von Paracetamol – Vorsicht bei Kindern, Nieren- und Leberschädigung, Alkohol und Morbus Meulengracht!

Paracetamol ist aufgrund seiner geringen Nebenwirkungen (bei bestimmungsgemäßem Gebrauch) nicht rezeptpflichtig und wird daher häufig in der Selbstmedikation bei einfachen Schmerzzuständen wie beispielsweise Kopfschmerzen, leichter Migräne, Zahnschmerzen oder prämenstruellen Beschwerden eingenommen.

Neben reinen Monopräparaten existieren zahlreiche Kombinationsmittel auf dem Markt, wobei besonders die Kombinationen mit:

Coffein z.B. Azur® comp., Dolomo® TN, Dolopyrin AL, Grippostad® C, Melabon® K, Neuralgin®,Octadon®, Quadronal® comp.
Codein z.B. Azur® comp., Dolomo® TN, Nedolon® P, Optipyrin®, Paracetamol AL comp., Paracetamol comp. Stada®, Talvosilen®


wegen ihres Abhängigkeitspotentiales von einigen Pharmakologen als kritisch angesehen werden. Die häufigsten Anwendungsformen sind Tabletten, Kapseln oder (für Kinder) Sirup und Zäpfchen (das berühmte Fieberzäpfchen). Die Dosierungen liegen meist bei 500 oder 1000 mg (bei Kindern 125 oder 250 mg).

Problematisch ist dabei, dass es bereits bei einer Dosis von über 150 mg/kg Körpergewicht zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen kann. Bei einem 10 kg schweren Kind ist diese Dosis bereits bei 1500 mg, also drei handelsüblichen Erwachsenentabletten erreicht. Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass sie bereits mit dieser Dosis bei ihrem Kind eine irreversible Leberschädigung auslösen können. Sogar tödliche Ausgänge sind schon beschrieben worden. Mit einer kleinen Packung von 10 Paracetamol je 500 mg kann man also ohne weiteres drei Kinder auf die Intensivstation oder sogar auf den Friedhof bringen! Für einen Erwachsenen können 10 g (also 20 Tabletten Paracetamol 500) tödlich sein. Wenn Lebervorschädigungen vorhanden sind, was nicht selten der Fall, aber oft nicht bekannt ist, dann reichen auch geringere Dosen völlig aus, um schwerwiegende Schäden zu erzeugen.

Damit soll keine unnötige Angst geschürt, aber das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass auch rezeptfreie, „harmlose“ Schmerzmittel, die in nahezu jedem Haushalt zu finden sind, ein nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotential aufweisen. Daher sollte man sich peinlich genau an die Dosierungsrichtlinien des Herstellers halten. Erwachsene sollten maximal 4 g Paracetamol verteilt auf einen Tag einnehmen.

Patienten mit Lebererkrankungen und eingeschränkter Nierenfunktion müssen mit Paracetamol besonders vorsichtig umgehen (Einnahme und Dosierung nur nach ärztlicher Anweisung), da Paracetamol in der Leber inaktiviert und dann über die Niere ausgeschieden wird. Ebenso sollten Patienten mit Morbus Meulengracht andere Schmerzmittel bevorzugen oder nur geringe Mengen an Paracetamol einnehmen.

Sie kennen den Morbus Meulengracht nicht? Dabei ist dieser eine der häufigsten Stoffwechselstörungen der Leber. Da immerhin jeder 20. Deutsche betroffen ist, könnten auch Sie dabei sein. Schauen Sie einmal in ihren Laborzettel hinein. Wenn der Wert „Bilirubin“ (ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffes Hämoglobin) über die Norm erhöht ist, dann ist der Morbus Meulengracht bei Ihnen recht wahrscheinlich. Dieser bereitet in der Regel keine Probleme und hat keinen Krankheitswert, jedoch müssen Sie dann bei der Einnahme bestimmter Medikamente, eben auch beim Paracetamol, sehr zurückhaltend sein. Da Paracetamol über die Leber abgebaut wird, sollte es auf keinen Fall zusammen mit Alkohol eingenommen werden.


Schmerzmittel können Schmerzen erzeugen
 

Wenn keine Gegenanzeigen bestehen und keine Überdosierung erfolgt, sind Nebenwirkungen eher selten. Die häufigsten sind dabei noch Übelkeit, Hautausschlag und Blutdruckabfall. Sehr selten sind Störungen der Blutbildung, z.B. Thrombozytopenie (Verminderung der Blutplättchen) und Leukopenie (Verminderung der weißen Blutkörperchen). Wie bei allen Schmerzmitteln besteht bei häufiger Einnahme die Gefahr der Entstehung eines schmerzmittelbedingten Kopfschmerzes. Wenn Sie also mehr als zehnmal pro Monat Schmerzmittel wegen Kopfschmerzen benötigen, dann hilft das Mittel zwar kurzfristig, kann aber langfristig zum Auftreten des nächsten Schmerzanfalles beitragen!

Anwendung von Paracetamol

Fieber, leichte bis mittelstarke Schmerzen (z.B. Zahnschmerzen, Regelschmerzen).

Anwendungsbeschränkungen von Paracetamol 

      a)      Leberfunktionsstörungen (z. B. durch chron. Alkoholmissbrauch, Leberentzündungen)
b)     
Vorgeschädigte Niere
c)      Morbus Meulengracht
d)      Langzeitanwendung von Paracetamol bei gleichzeitiger Therapie mit oralen
      Antikoagulanzien  (z.B.
Marcumar®

Schwangerschaft 

Strenge Indikationsstellung.

Paracetamol ist plazentagängig. Aus Untersuchungen an zahlreichen Mutter-Kind-Paaren haben sich keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Paracetamol während der ersten drei bis vier Monate der Schwangerschaft und dem Auftreten von Fehlbildungen ergeben. 

Stillzeit 

Strenge Indikationsstellung.

Paracetamol geht in die Muttermilch über. Es sind bisher keine nachteiligen Folgen für den Säugling bekannt geworden. 

Nebenwirkungen 

Haut:

      a)      Hautrötungen (selten)
b)      allergische Reaktionen mit Hautausschlag (sehr selten)
c)      Quincke-Ödem (Schwellung im Hals, Einzelfälle) 

Muskel und Skelett:

Muskelschmerzen (bei abruptem Absetzen nach längerem hoch dosiertem, nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch) 

Nervensystem und Psyche:

      a)      Kopfschmerzen (bei längerer oder häufiger Anwendung)
b)      Kopfschmerzen, Müdigkeit, Nervosität und vegetative Symptome (bei abruptem Absetzen
      nach längerem hoch dosiertem nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch)
c)      Schweißausbruch (Einzelfälle) 

Gastrointestinaltrakt:

Übelkeit (Einzelfälle) 

Atemwege:

Atemnot, Bronchospasmus bei prädisponierten Patienten (Analgetika-Asthma) (Einzelfälle) 

Blut:

      a)      Blutdruckabfall bis hin zum Schock (Einzelfälle)
b)      Allergische Thrombozytopenie oder Leukopenie (äußerst selten)
c)      Agranulozytose oder Panzytopenie (Einzelfälle) 

Urogenitaltrakt:

Dauerhafte Nierenschädigung mit dem Risiko des Nierenversagens (Analgetika-Nephropathie) bei gewohnheitsmäßiger Einnahme und insbesondere bei Kombination mehrer schmerzstillender Wirkstoffe 

Immunsystem:

      a)      Überempfindlichkeitsreaktionen wie allergische Reaktionen mit Hautausschlag (sehr selten)
b)      Quincke-Ödem, Atemnot, Schweißausbruch, Übelkeit, Blutdruckabfall bis hin zum Schock
      (Einzelfälle)
c)      Allergische Thrombozytopenie oder Leukopenie (äußerst selten)
d)      Agranulozytose oder Panzytopenie (Einzelfälle)
e)      Bronchospasmus bei prädisponierten Patienten (Analgetika-Asthma) (Einzelfälle) 

Paracetamol - Wechselwirkungen

a) Leberenzyme induzierende Arzneimittel, z. B. bestimmte Schlafmittel und Antiepileptika (u.a. Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin) sowie Rifampicin Leberschäden durch sonst unschädliche Dosen von Paracetamol
b) Alkohol wie a)
c) Arzneimittel, die zu einer Verlangsamung der   
Magenentleerung führen, z. B. Propanthelin 
Aufnahme und Wirkungseintritt von Paracetamol verzögert
d) Arzneimittel, die zu einer Beschleunigung der  
Magenentleerung führen, z. B. Metoclopramid
Aufnahme und Wirkungseintritt von Paracetamol beschleunigt
e) Chloramphenicol Ausscheidung von Chloramphenicol verlangsamt
f) Zidovudin (AZT, ein antivirales Mittel)  Neigung zur Ausbildung einer Neutropenie verstärkt

Paracetamol - Intoxikationen

Eine Einnahme überhöhter Dosen von Paracetamol kann zu Intoxikationserscheinungen mit einer Latenz von 24-28 Uhr führen. Es können sich Leberfunktionsstörungen durch Leberzellnekrosen bis hin zum Leberkoma – auch mit tödlichem Ausgang – entwickeln. Unabhängig davon sind auch Nierenschädigungen durch Nekrosen der Tubuli beschrieben worden.

Als Symptome einer Paracetamol-Intoxikation können

in der 1. Phase (1. Tag) Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Somnolenz und allgemeines Krankheitsgefühl

in der 2. Phase (2. Tag) Besserung des subjektiven Befundes, jedoch leichte Leibschmerzen, Lebervergrößerung, Transaminasen- und Bilirubinanstieg, verlängerte Thromboplastinzeit, Rückgang der Urinausscheidung

in der 3. Phase (3. Tag) hohe Transaminasenwerte, Ikterus, Gerinnungsstörungen, Hypoglykämie, Übergang in Leberkoma auftreten. 

Paracetamol - Präparate

Ben-u-ron Kps., Saft, Tbl., Supp. alles in verschiedenen Dosierungen
Captin Tbl., Sirup, Supp. alles in verschiedenen Dosierungen
Contac Erkältungs-Trunk  
Enelfa Saft, Tbl., Supp. teilweise in verschiedenen Dosierungen
Fensum Tbl., Supp. teilweise in verschiedenen Dosierungen
Mono Praecimed Tbl. , Supp. teilweise in verschiedenen Dosierungen
Paedialgon Tbl., Saft, Supp. teilweise in verschiedenen Dosierungen
Paracetamol 1 A Pharma Tbl., Saft, Supp. teilweise in verschiedenen Dosierungen
Paracetamol Hexal idem
Paracetamol AL idem
Paracetamol BC idem
Paracetamol-CT idem
Paracetamol STADA idem
Paracetamol Lichtenstein idem
Paracetamol Sandoz idem
Paracetamol-saar Supp. in verschiedenen Dosierungen
Paracetamol ratiopharm Brausetbl., Lösung, Tbl., Supp. teilweise in verschiedenen Dosierungen
Parapaed Kindersaft  
PCM-Hemopharm Brausetbl.  
Perfalgan Infusionslsg.  
Sinpro N Tbl.  
Togal Paracetamol Supp.  

Quelle für Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Präparate: Rote Liste 2007 

Paracetamol - Fazit 

Bei Paracetamol handelt es sich um ein „altes“, bewährtes Mittel gegen Fieber und bei leichten bis mäßigen Schmerzzuständen. Die Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind überschaubar und seit langem bekannt. Wenn diese beachtet werden, dann ist Paracetamol ein relativ harmloses Medikament, welches insbesondere dann in Frage kommt, wenn ASS und NSAR wegen eines empfindlichen Magens problematisch sind.

Trotzdem ist wie bei jedem anderen Medikament auch eine sorgsame Nutzen-Risiko-Analyse im Einzelfall durchzuführen. Muss jedes Kind mit einer Temperatur von 39° C aber subjektivem Wohlbefinden sein Fieber mit einem Arzneimittel „heruntergeprügelt“ bekommen oder sollte man es erst einmal mit Wadenwickel, Homöopathika und pflanzlichen Heilmitteln probieren? Bei einem banalen Kopfschmerz dürfen Sie auch einmal eine Paracetamol einwerfen, wenn natürliche Mittel nicht geholfen haben und Sie sich den Kopfschmerz gerade nicht leisten können. Problematisch wird es aber, wenn Sie sehr häufig Paracetamol (oder andere Schmerzmittel) benötigen (die Grenze liegt bei etwa zehnmal im Monat). 

Wenig Schmerzen und mehr Gesundheit wünscht Ihnen

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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