Keine Angst vor
Nebenwirkungen ! „Zu den riesigen Nebenwirkungen fressen Sie die Packungsbeilage und schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ Dieser despektierliche Spruch verballhornt eine Aussage, die Sie aus jeder Werbung für Medikamente kennen. Aber was hat es denn nun mit den Nebenwirkungen auf sich: Brauchen wir uns keine Gedanken mehr zu machen, wenn wir beruhigende Worte des Arztes oder Apothekers zu Nebenwirkungen vernommen haben? Oder sollten wir überhaupt keine chemisch-synthetischen Arzneimittel mehr schlucken, weil sie alle gefährlich sind?
Chemische Mittel haben
Das wäre schön! Leider haben aber auch naturheilkundliche Mittel durchaus Nebenwirkungen. Bei Heilpflanzen können grundsätzlich Allergien auftreten. Wer z.B. gegen einen Korbblütler wie die Kamille allergisch ist, wird meist auch Ringelblume, Arnika oder den Sonnenhut nicht vertragen. Einige Heilpflanzen können auch die Leber oder andere Organe schädigen. Bei homöopathischen Mitteln kann es prinzipiell zu einer sogenannten Erstverschlechterung kommen. Der Homöopath gibt ja ein Mittel, welches die gleichen Symptome wie die eigentlich zu behandelnde Erkrankung verursachen kann. Auch wenn die Dosis sehr gering ist, können sich die Symptome verschlechtern. Tröstlich ist, dass diese Erstreaktion meist rasch verschwindet und prognostisch als gutes Zeichen gewertet. Auch
orthomolekulare
Nahrungsergänzungen sind keineswegs immer nebenwirkungsfrei. Wer
zuviel Magnesium nimmt, wird dies rasch am dann auftretenden
Dünnpfiff merken.
Wer einen empfindlichen Magen hat, dem wird dieser bei zuviel
Vitamin C
(=
Wir sehen also: Auch „natürliche“ Heilmittel sind nicht völlig unbedenklich. Einigkeit dürfte aber darüber herrschen, dass pflanzliche und homöopathische Arzneimittel sowie Nahrungsergänzungen in der Regel wesentlich weniger und harmlosere Nebenwirkungen entfalten als chemisch-synthetische Medikamenten.
Medikamente – Segen oder Fluch? Wägen Sie Risiko und Nutzen gegeneinander ab Neulich
war Frau Schuster (Name geändert) wegen ihrer familiären Hypercholesterinämie in
meiner Behandlung. Sie leidet unter einer vererbten Fettstoffwechselstörung mit
Mein
Ratschlag in diesem Fall: Sie soll alle naturheilkundlichen Maßnahmen zur
Senkung des
Ähnliche Ängste, die zwar begründet, aber im Einzelfall nicht angemessen sind, erlebe ich immer wieder. Beispiele hierfür sind akute Schübe einer rheumatischer Erkrankung, wo einige Patienten lieber ihre Gelenke vor die Hunde gehen lassen als ein „böses“ Antirheumatikum einzunehmen, oder mancher Asthmakranke, der im akuten Anfall lieber erstickt, als sich vom Notarzt eine „gefährliche“ Kortisonspritze geben zu lassen. Ich bin
sicherlich der Letzte, der leichtfertig zu schulmedizinischen
Medikamenten rät.
Aber wenn Lebensgefahr besteht oder schlimme Folgeerkrankungen drohen, muss auch
ein synthetisches
Medikament in Erwägung gezogen werden – besonders wenn
natürliche Behandlungsversuche erfolglos stattfanden. Egal ob ich ein
natürliches oder ein synthetisches
Medikament einsetze – ich muss immer Risiko
und Nutzen der Behandlung gegeneinander abwägen! Und was viele „Medikamentenphobiker“
übersehen: Ich muss auch das Risiko einer Nichtbehandlung in meine Überlegungen
mit einbeziehen. Was habe ich davon, wenn ich zwar keine Nebenwirkungen durch
Wie bedeutsam sind Nebenwirkungen tatsächlich? Es gibt
seriöse Schätzungen, die besagen, dass bei jungen Erwachsenen in den USA
Nebenwirkungen von
Medikamenten mittlerweile die vierthäufigste Todesursache
darstellen. Hochrechnungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr allein 1200
Menschen an Magenblutungen durch
Antirheumatika. Dabei wären viele Todesfälle
wirklich leicht zu verhindern: Wer schon einmal eine Magenschleimhautentzündung
oder gar ein Geschwür hatte, sollte mit
nicht-steroidale Antirheumatika (z.B.
Diclofenac, Ibuprofen) besonders vorsichtig sein. Wer gar ein solches Mittel in
Verbindung mit einem Kortisonpräparat einnimmt, muss mit einem Magenschutzmittel
behandelt werden. Auf Warnzeichen wie Magenschmerzen,
Sie
können sich sicherlich alle noch daran erinnern, wie viel Fernsehwerbung wegen
AIDS gemacht wurde. Sicherlich ist das eine furchtbare Erkrankung, aber selbst
zu den schlimmsten Zeiten sind in Deutschland „nur“ etwa 600 Menschen pro Jahr
gestorben – heute sind es wegen neuer, sehr teurer (aber auch
nebenwirkungsreicher)
Medikamente weit weniger. Natürlich ist es richtig, dass
etwas gegen AIDS unternommen wird. Aber hier stimmt einfach die
Verhältnismäßigkeit nicht. Die Gefahren durch bestimmte Krankheiten werden in
Deutschland überschätzt, andere Gefahren (z.B. durch Rauchen,
Was bedeuten die Häufigkeitsangaben in den Beipackzetteln Auf den Beipackzetteln finden Sie manchmal den Hinweis, dass eine der Nebenwirkungen „häufig“ oder aber „sehr selten“ auftrete. Was bedeutet das eigentlich? Dies sind nicht einfach ungefähre Angaben, sondern geben Hinweise auf statistische Wahrscheinlichkeiten, wie Sie in Studien oder durch langjährige Anwendungspraxis herausgefunden wurden:
Die Pharmafirmen sind heute aus rechtlichen Gründen dazu verpflichtet, auch auf selten und sehr selten auftretende Nebenwirkungen hinzuweisen – besonders wenn diese gravierend sind. Wenn der Hersteller von solchen Nebenwirkungen nämlich wusste und hat nicht darauf hingewiesen, so hat er im Zweifelsfall den Schadensersatzprozess gegen einen klagenden Patienten, bei dem diese Nebenwirkungen eintraten, verloren. Und das kann richtig teuer werden – besonders wenn der Patient nach amerikanischem Recht klagen kann. Darum schreiben die Pharmazeuten aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus auch jede noch so kleine und noch so seltene der Nebenwirkungen auf den Beipackzettel. Dies lässt die Liste natürlich immens anschwellen und das Medikament oft recht gefährlich aussehen. So wird dann Angst auch vor Nebenwirkungen geschürt, die bei Patienten in der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinnes (5 Richtige mit Zusatzzahl oder gar 6 Richtige) auftreten. Auch hier gilt wieder: Risiko und Nutzen gegeneinander abwägen und die Relationen im Auge behalten. Bedenken Sie bitte: Hier werden Wahrscheinlichkeiten angegeben. Im Einzelfall ist es gut möglich, dass trotz einer ellenlangen List von beschriebenen Nebenwirkungen keine einzige jemals auftritt. Nebenwirkungen sind nicht gleich Nebenwirkungen Einen großen Fehler machen wir, wenn wir alle Nebenwirkungen undifferenziert in einen Topf werfen. Hier muss vielmehr nach der Art der Nebenwirkungen unterschieden werden:
o
Harmlose Nebenwirkungen: Diese können manchmal sehr unangenehm sein, sind aber
trotzdem harmlos. Beispiel: Auf
o
Erwünschte Nebenwirkungen: Erstaunlich, aber wahr, manche Nebenwirkungen können
sogar gewollt und vorteilhaft sein. Beispiel:
o
Reversible Nebenwirkungen: Die meisten Nebenwirkungen, die eintreten, sind
wieder umkehrbar, sobald das Mittel wieder abgesetzt wird. Kommt es unter
Fettsenkern,
Antirheumatika oder Psychopharmaka zu einer Erhöhung der
Leberenzyme, normalisieren sich diese meist wieder sehr rasch, wenn das Mittel
nicht mehr benötigt wird. Bei
o Irreversible Nebenwirkungen: Diese sind zum Glück sehr selten. Das Antibiotikum Streptomycin kann in Einzelfällen zu Hörschäden führen, die auch nach Absetzen des Medikamentes bestehen bleiben. Die Langzeiteinnahme von Schmerzmitteln in hoher Dosierung kann zu Nierenschäden führen, die auch nicht mehr umkehrbar sind.
o
Tödliche Nebenwirkungen: Diese kommen immer wieder einmal vor. Sie sind oft
vermeidbar, wenn Arzt und Patient die Risiken kennt und auf Nebenwirkungen
achtet (siehe: Magenbluten bei
Rheumamitteln). Manchmal lassen sich die Risiken
aber auch nicht vermeiden und sind mitunter sogar in Kauf zu nehmen, weil die zu
behandelnde Grunderkrankung eben auch sehr gefährlich ist. Beispiel:
Herzrhythmusstörungen können tödlich sein. Deswegen werden bei bestimmten
Herzrhythmusstörungen sogenannte
Tragen Sie Ihre Bedenken vor Wie bei allen Fragen zu Nebenwirkungen sollten sie ihre Bedenken und möglichen Einwände mit dem verordnenden Arzt besprechen, bei großen Unsicherheiten sollten Sie unter Umständen auch eine Zweitmeinung einholen. Der Apotheker kann Sie dann gut beraten, wenn es beispielsweise um pharmakologische Fragen geht: Wie wirkt das Medikament im Körper? Wie wird es verstoffwechselt? Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nährstoffen oder Lebensmitteln sind zu bedenken? Ansonsten ist der Arzt zuständig. Nur er kennt die Art und Schwere ihrer zu behandelnden Erkrankung und kann mit Ihnen gemeinsam eine Risiko-Nutzen-Abwägung vornehmen. Wenn Sie Bedenken vor der Einnahme eines Medikamentes haben, dann besprechen Sie das mit Ihrem Arzt, bevor Sie es einnehmen. Wie viele Millionen Patientenpackungen vergammeln unangebrochen in den Arzneischränken der Patienten, weil diese vor Angst vor Nebenwirkungen das Präparat nicht eingenommen haben und vor Angst vor dem Arzt ihre Bedenken nicht geäußert haben. Das kann fatal für die Gesundheit sein, mit Sicherheit ist es aber schädlich für unsere Umwelt (die Medikamente müssen ja als Sondermüll entsorgt werden) und auch unsere fast leeren Sozialkassen könnten deutlich entlastet werden, wenn die Medikamente, die verschrieben werden, auch eingenommen werden, und wenn die Medikamente, die vom Patienten abgelehnt werden, auch nicht zu Lasten der Krankenkasse aus der Apotheke abgeholt und dann in den Schrank gestellt werden. Zum Schluss noch eine kleine Anekdote zum Thema: Ein Patient erzählt: „Neulich war ich beim Arzt wegen meiner Krankheit. Er hat mir dann ein Rezept verschrieben. Nun ja, er will ja auch leben. Der Apotheker hat mir das Medikament verkauft. Nun ja, er will ja auch leben. Dann habe ich mir den Beipackzettel durchgelesen und das Medikament weggestellt. Nun ja, ich will ja auch leben.“ Denken Sie positiv So lustig diese kleine Geschichte sein mag, eigentlich sollte es nicht so ablaufen. Großen Respekt sollten wir vor den Nebenwirkungen von Medikamenten schon haben, aber keine übersteigerten Ängste. Gehen Sie mit Ihren Bedenken kritisch, differenziert und rational um. Holen Sie sich die Informationen, die Sie brauchen, um gemeinsam mit Ihrem Arzt zu entscheiden, ob das Medikament das Richtige für Sie ist. Und wenn Sie sich dafür entschieden haben, dann nehmen Sie das Medikament auch voller Vertrauen ein. Wir wissen heute, was unser Denken alles bewirkt. Wenn wir ein Medikament voller Unbehagen und Angst vor Nebenwirkungen einnehmen, so werden diese auch mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Betrachten wir nach der Entscheidung für das Arzneimittel dieses als unseren Freund und reden uns bei jeder Einnahme ein, dass die Krankheit jetzt wieder ein Stückchen besser wird. Dann wird es auch zuverlässiger und mit weniger Nebenwirkungen wirken. Wir können allein durch unsere Einstellung mit entscheiden, wie gut die Medizin wirkt und mit wie viel Nebenwirkungen. Nutzen wir unser positives Denken! Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Sagen Sie uns ruhig
mal Ihre Meinung!
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