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HABICHTSWALDKLINIK
Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde
Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz
34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Loperamid ©
Was ist
Loperamid, wie wirkt es?
Loperamid ist ein Arzneistoff, der chemisch dem Morphium sehr nahe steht und
daher zu den Opioiden gehört. Keine Angst: Loperamid macht weder high noch
süchtig! Es wirkt nämlich hauptsächlich lokal an der Darmschleimhaut. Bei
therapeutischer Dosierung sind überhaupt keine gravierenden
Nebenwirkungen
auf
das Nervensystem zu erwarten – es wirkt also weder schmerzlindernd noch
beruhigend. Mit dem Morphium hat Loperamid aber gemeinsam, dass es gewissermaßen
stopfend wirkt (bei höherer Dosierung bekommen alle Patienten unter Opiaten eine
Verstopfung).
Loperamid ist das am
stärksten wirksame und meistverkaufte nicht rezeptpflichtige Mittel gegen
Durchfall
auf dem deutschen Markt. Das bekannteste Loperamidpräparat Imodium®
akut wurde laut Angaben des Herstellers bereits über eine Milliarde Mal
verkauft. Neben Imodium®
gibt es außerdem zahlreiche
Generika
(Nachahmer mit demselben Wirkstoff).
Formel: C29H33ClN2O2
Loperamid wirkt durch
eine Ruhigstellung der durch die
Durchfallerkrankung (über)erregten
Darmmuskulatur. Außerdem behindert es den Einstrom von Wasser aus der
Schleimhaut in den Darm, wie wir ihn bei Darminfekten häufig finden. Beide
Wirkprinzipien führen zu einer verminderten Frequenz von Stühlen und zu einem
geringeren Wassergehalt der Stühle, was sich auf
Durchfälle mit breiigen bis
wässrigen Stühlen symptomatisch sehr günstig auswirkt. Symptomatisch bedeutet
dabei, dass an der Ursache nichts geändert wird. Sind bakterielle oder virale
Darminfekte die Ursache der
Durchfälle, so wird die Ausscheidung dieser Erreger
sogar verzögert und die Krankheit kann länger andauern. Sie sollten also nicht
zu großzügig bei jedem dünnen Stuhl zu Loperamid greifen. Wenn soviel Wasser
verloren geht, dass es sogar zu deutlichen Gewichtsabnahmen kommt, kann es sehr
hilfreich sein. Wenn sich im Stuhl Eiter- oder Blutbeimengungen finden, Fieber
besteht oder der
Durchfall trotz Therapie mehr als zwei Tage anhält, sollte auf
jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.
Tab. 1
- Anzeigen für Loperamid
Symptomatische Behandlung von
Diarrhoen,
sofern keine kausale Therapie zur Verfügung steht. Bei langfristiger Anwendung
ärztliche Verlaufsbeobachtung
Tab. 2 - Loperamid in Deutschland
(unvollständige Aufzählung)
Handelsname
|
Duralopid®
2mg Hartkaps. |
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IMODIUM®,
Kapseln, lingual
Plättchen, Lösung |
|
Lopalind®
akut Tabletten,
Tabletten |
|
Lopedium®
Hartkapseln, akut Hartkapseln, |
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Lopedium®
ISO Brausetabl., akut ISO Brausetbl. |
|
Lopedium®
Lösung, akut Tabl.,
Tabl. |
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Loperamid - 1 A Pharma, Hartkaps., akut Hartkaps.
|
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Loperamid 1 Heumann Lösung, akut Heumann |
|
Loperamid AL 2, AL akut
|
|
Loperamid-CT 2 mg Hartkapseln
|
|
LOPERAMID-PUREN®
Kaps. |
|
Loperamid-ratiopharm®
akut Filmtbl., Filmtabl., Lösg. |
|
Loperamid Sandoz®
2mg Hartkaps., akut Hartkaps. |
|
Loperamid STADA®
akut, Hartkaps., Tr. |
|
Loperhoe®,
Tbl. |
Tab. 3
- Gegenanzeigen:
r
Kinder unter 2 Jahren
-
Kps./Tbl./Filmtbl.:
Kinder zwischen 2 und 8 Jahren (aufgrund des hohen Wirkstoffgehaltes)
r
Zustände, bei denen eine Verlangsamung der Darmtätigkeit zu vermeiden ist wie
aufgetriebener Leib,
Obstipation,
Ileus)
r
Durchfälle, die mit Fieber und/oder blutigem Stuhl einhergehen
r
Durchfälle, die während oder nach der Einnahme von Antibiotika auftreten (pseudomembranöse
Kolitis)
r
Colitis
ulcerosa
im akuten Schub
Besondere
Vorsicht ist gegeben bei:
r
Kinder zwischen 2 und 12 Jahren (nur nach ärztlicher Verordnung)
Hinweis: Bei Kindern zwischen 2 und 8 Jahren muss die Dosis nach dem KG
berechnet werden. (Darreichungsform Lösung einsetzen)
r
Chronischen Durchfallerkrankungen
r
Bestehende oder durchgemachte Lebererkrankungen (Loperamidabbau möglicherweise
verzögert)
Schwangerschaft:
Strenge
Indikationsstellung, es liegen keine Erfahrungen über die Anwendung beim
Menschen vor.
Stillzeit:
Strenge
Indikationsstellung. Substanz geht in die Milch über.
Tab. 4
- Nebenwirkungen:
4Hautausschlag,
Urtikaria, angioneurotische Ödeme
4Bullöse
(blasige) Hautreaktionen einschl. toxische epidermale Nekrolyse (sehr selten)
4Kopfschmerzen
(häufig)
4Müdigkeit,
Schwindelgefühl (gelegentlich)
4Bauchkrämpfe,
Übelkeit, Mundtrockenheit (gelegentlich)
4Ileus
(Darmverschluss), Förderung der Ausbildung eines toxischen Megakolons (sehr
selten)
4Harnverhalt
(selten)
4Anaphylaktischer
Schock (sehr selten)
Tab. 5
- Wechselwirkungen von Loperamid mit anderen
Medikamenten:
4Chinidin,
Verapamil, Ketoconazol – Auslösung von Anzeichen einer Atemdepression
4Ritonavir
(AIDS-Mittel) – Wechselwirkung möglich
Nebenwirkungen sind bei korrekter Einnahme von Loperamid eher selten. Wenn bei
einer akuten
Durchfallerkrankung zuviel eingenommen wird, kann das Pendel nach
der anderen Seite ausschlagen und es kann eine
Verstopfung
resultieren. Weitere Symptome einer Überdosierung von Loperamid können
Auswirkungen auf das Nervensystem sein (z.B. Krämpfe, Apathie, Somnolenz
(Benommenheit),
Atemdepression). Diese zentralnervösen Nebenwirkungen sind dann zu erwarten,
wenn gleichzeitig eines der
Medikamente eingenommen wird, welches zu einer
Wirkungsverstärkung führt
(siehe Tab. 5).
Seit
einiger Zeit ist Loperamid rezeptfrei erhältlich. Es ist eine merkwürdige
Tendenz auf dem Arzneimittelmarkt, dass durchaus stark wirksame
chemisch-synthetische
Medikamente zunehmend aus der Rezeptpflicht entlassen
werden (z.B. Loperamid, das
Rheumamittel
Diclofenac oder auch kortisonhaltige Salben), während es bei bewährten
pflanzlichen Heilmitteln immer mehr Einschränkungen, ja sogar Verbote gibt, die
wissenschaftlich manchmal kaum nachvollziehbar sind (z.B.
Kava-Kava).
Bei unsachgemäßem Gebrauch können teilweise gravierende
Nebenwirkungen bei diesen rezeptfreien Mitteln resultieren.
Es
kommt auch immer mehr vor, dass solche Mittel dann missbräuchlich verwendet
werden. So nehmen heroinabhängige Drogensüchtige gern Loperamid, welches allein
keine opiumähnliche Wirkung auf das Nervensystem hat, zusammen mit
wirkungsverstärkenden
Medikamenten, so dass sie damit dann Heroin einsparen
können. Das Nebenwirkungsrisiko potenziert sich dabei durch Anwendung der
verschiedenen Präparate jedoch enorm. Durch die Rezeptfreiheit ist diesem
Missbrauch Tür und Tor geöffnet.
Fazit
Die
kurzzeitige Einnahme von Loperamid bei einem
Durchfall mit starken
Wasserverlusten kann durchaus angezeigt sein – wenn keine der Gegenanzeigen
besteht. Bei länger andauernden
Durchfällen und bei den oben erwähnten Symptomen
ist ein Arzt zu konsultieren. Loperamid sollte ein Reservemittel bei
Durchfall
darstellen, wenn naturheilkundliche Therapien (z.B. trockene Heidelbeeren oder
mikrobiologische Präparate wie Perenterol®,
Yomogi®)
nicht ausreichen. Die Therapie mit Loperamid ersetzt auch nicht die bewährte
Nahrungskarenz mit Teepause bei einem
Durchfall, sondern ergänzt diese.
Dieser Artikel
erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für
die freundliche Genehmigung zum Abdruck.
www.naturarzt-access.de
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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