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Loperamid ©


Was ist
Loperamid, wie wirkt es? 

Loperamid ist ein Arzneistoff, der chemisch dem Morphium sehr nahe steht und daher zu den Opioiden gehört. Keine Angst: Loperamid macht weder high noch süchtig! Es wirkt nämlich hauptsächlich lokal an der Darmschleimhaut. Bei therapeutischer Dosierung sind überhaupt keine gravierenden Nebenwirkungen auf das Nervensystem zu erwarten – es wirkt also weder schmerzlindernd noch beruhigend. Mit dem Morphium hat Loperamid aber gemeinsam, dass es gewissermaßen stopfend wirkt (bei höherer Dosierung bekommen alle Patienten unter Opiaten eine Verstopfung).

Loperamid ist das am stärksten wirksame und meistverkaufte nicht rezeptpflichtige Mittel gegen Durchfall auf dem deutschen Markt. Das bekannteste Loperamidpräparat Imodium® akut wurde laut Angaben des Herstellers bereits über eine Milliarde Mal verkauft. Neben Imodium® gibt es außerdem zahlreiche Generika (Nachahmer mit demselben Wirkstoff).

Bild:Loperamid.gif Formel: C29H33ClN2O2

Loperamid wirkt durch eine Ruhigstellung der durch die Durchfallerkrankung (über)erregten Darmmuskulatur. Außerdem behindert es den Einstrom von Wasser aus der Schleimhaut in den Darm, wie wir ihn bei Darminfekten häufig finden. Beide Wirkprinzipien führen zu einer verminderten Frequenz von Stühlen und zu einem geringeren Wassergehalt der Stühle, was sich auf Durchfälle mit breiigen bis wässrigen Stühlen symptomatisch sehr günstig auswirkt. Symptomatisch bedeutet dabei, dass an der Ursache nichts geändert wird. Sind bakterielle oder virale Darminfekte die Ursache der Durchfälle, so wird die Ausscheidung dieser Erreger sogar verzögert und die Krankheit kann länger andauern. Sie sollten also nicht zu großzügig bei jedem dünnen Stuhl zu Loperamid greifen. Wenn soviel Wasser verloren geht, dass es sogar zu deutlichen Gewichtsabnahmen kommt, kann es sehr hilfreich sein. Wenn sich im Stuhl Eiter- oder Blutbeimengungen finden, Fieber besteht oder der Durchfall trotz Therapie mehr als zwei Tage anhält, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. 

Tab. 1  -  Anzeigen für Loperamid 

Symptomatische Behandlung von Diarrhoen, sofern keine kausale Therapie zur Verfügung steht. Bei langfristiger Anwendung ärztliche Verlaufsbeobachtung 

Tab. 2  -  Loperamid in Deutschland (unvollständige Aufzählung)

        Handelsname                                                     

Tab. 3  -  Gegenanzeigen:

r  Kinder unter 2 Jahren
-          Kps./Tbl./Filmtbl.: Kinder zwischen 2 und 8 Jahren (aufgrund des hohen Wirkstoffgehaltes)

r  Zustände, bei denen eine Verlangsamung der Darmtätigkeit zu vermeiden ist wie aufgetriebener Leib, Obstipation, Ileus)

r  Durchfälle, die mit Fieber und/oder blutigem Stuhl einhergehen

r  Durchfälle, die während oder nach der Einnahme von Antibiotika auftreten (pseudomembranöse Kolitis)

r  Colitis ulcerosa im akuten Schub

Besondere Vorsicht ist gegeben bei:

r  Kinder zwischen 2 und 12 Jahren (nur nach ärztlicher Verordnung)   
Hinweis:    Bei Kindern zwischen 2 und 8 Jahren muss die Dosis nach dem KG berechnet werden. (Darreichungsform Lösung einsetzen)

r  Chronischen Durchfallerkrankungen

r  Bestehende oder durchgemachte Lebererkrankungen (Loperamidabbau möglicherweise verzögert) 

Schwangerschaft:

Strenge Indikationsstellung, es liegen keine Erfahrungen über die Anwendung beim Menschen vor. 

Stillzeit:

Strenge Indikationsstellung. Substanz geht in die Milch über. 

Tab. 4  -  Nebenwirkungen: 

4Hautausschlag, Urtikaria, angioneurotische Ödeme
4Bullöse (blasige) Hautreaktionen einschl. toxische epidermale Nekrolyse (sehr selten)
4Kopfschmerzen (häufig)
4Müdigkeit, Schwindelgefühl (gelegentlich)
4Bauchkrämpfe, Übelkeit, Mundtrockenheit (gelegentlich)
4Ileus (Darmverschluss), Förderung der Ausbildung eines toxischen Megakolons (sehr selten)
4Harnverhalt (selten)
4Anaphylaktischer Schock (sehr selten) 

Tab. 5  -  Wechselwirkungen von Loperamid mit anderen Medikamenten: 

4Chinidin, Verapamil, Ketoconazol – Auslösung von Anzeichen einer Atemdepression

4Ritonavir (AIDS-Mittel) – Wechselwirkung möglich 

Nebenwirkungen sind bei korrekter Einnahme von Loperamid eher selten. Wenn bei einer akuten Durchfallerkrankung zuviel eingenommen wird, kann das Pendel nach der anderen Seite ausschlagen und es kann eine Verstopfung resultieren. Weitere Symptome einer Überdosierung von Loperamid können Auswirkungen auf das Nervensystem sein (z.B. Krämpfe, Apathie, Somnolenz (Benommenheit), Atemdepression). Diese zentralnervösen Nebenwirkungen sind dann zu erwarten, wenn gleichzeitig eines der Medikamente eingenommen wird, welches zu einer Wirkungsverstärkung führt (siehe Tab. 5). 

Seit einiger Zeit ist Loperamid rezeptfrei erhältlich. Es ist eine merkwürdige Tendenz auf dem Arzneimittelmarkt, dass durchaus stark wirksame chemisch-synthetische Medikamente zunehmend aus der Rezeptpflicht entlassen werden (z.B. Loperamid, das Rheumamittel Diclofenac oder auch kortisonhaltige Salben), während es bei bewährten pflanzlichen Heilmitteln immer mehr Einschränkungen, ja sogar Verbote gibt, die wissenschaftlich manchmal kaum nachvollziehbar sind (z.B. Kava-Kava). Bei unsachgemäßem Gebrauch können teilweise gravierende Nebenwirkungen bei diesen rezeptfreien Mitteln resultieren.  

Es kommt auch immer mehr vor, dass solche Mittel dann missbräuchlich verwendet werden. So nehmen heroinabhängige Drogensüchtige gern Loperamid, welches allein keine opiumähnliche Wirkung auf das Nervensystem hat, zusammen mit wirkungsverstärkenden Medikamenten, so dass sie damit dann Heroin einsparen können. Das Nebenwirkungsrisiko potenziert sich dabei durch Anwendung der verschiedenen Präparate jedoch enorm. Durch die Rezeptfreiheit ist diesem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. 

Fazit 

Die kurzzeitige Einnahme von Loperamid bei einem Durchfall mit starken Wasserverlusten kann durchaus angezeigt sein – wenn keine der Gegenanzeigen besteht. Bei länger andauernden Durchfällen und bei den oben erwähnten Symptomen ist ein Arzt zu konsultieren. Loperamid sollte ein Reservemittel bei Durchfall darstellen, wenn naturheilkundliche Therapien (z.B. trockene Heidelbeeren oder mikrobiologische Präparate wie Perenterol®, Yomogi®) nicht ausreichen. Die Therapie mit Loperamid ersetzt auch nicht die bewährte Nahrungskarenz mit Teepause bei einem Durchfall, sondern ergänzt diese.

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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