Kortison
Bei richtigem Einsatz ein Segen für Patienten – aber differenzierte Betrachtung ist nötig Es gibt
kaum ein Medikament, an dem sich die Geister so scheiden wie beim
Zunächst einmal sei erwähnt, was aus Platzgründen nicht Thema dieser Übersicht
sein soll. Wir reden hier nicht über die Schwäche der Nebenniere (Morbus Addison),
bei der der Körper nicht genügend eigenes Kortison produzieren kann, welches
dann unbedingt von außen zugeführt werden muss. Hier handelt es sich um eine
Mangelkrankheit, wobei ein lebenswichtiger natürlicher Stoff, eben das Kortison,
substituiert werden muss. Eine Therapie einer Nebennierenschwäche mit Kortison
ähnelt also eher der Verdauungsenzymgabe bei einer
Auch
die äußerliche Behandlung mit kortisonhaltigen Sprays bei Asthma oder
Auch die Notfallbehandlung mit hoch dosierten Kortisonspritzen bzw. –infusionen soll nicht Gegenstand dieses Artikels sein. Eine solche Therapie ist ohnehin ausschließlich dem darin erfahrenen Arzt vorbehalten. Sie kann beispielsweise notwendig werden im akuten Schub einer Multiplen Sklerose, bei einem akuten Asthmaanfall, der mit Sprays nicht mehr beherrscht werden kann, oder bei einem anaphylaktischen Schock (lebensgefährliche allergische Reaktion). In diesen Fällen führt oft kein Weg an einer solchen Notfalltherapie vorbei, da naturheilkundliche Verfahren nicht mit genügend großer Sicherheit wirken oder deren Wirkung zu langsam eintreten würde. Die Angst mancher Patienten vor einem solchen „Kortisonhammer“, bei dem mehrere hundert Milligramm auf einmal verabreicht werden, ist weitgehend unberechtigt, da eine kurze Kortisontherapie mit hohen Dosen keinesfalls zu den Nebenwirkungen führt, wie wir dies bei einer Langzeittherapie mit viel geringeren Dosen oft beobachten.
Was ist Kortison denn überhaupt? In der
Nebennierenrinde wird aus dem
Cortisol, die „Urform aller Kortisone“ Mit etwas
Wohlwollen könnte man eine Therapie mit Kortison sogar als naturheilkundliches
Verfahren bezeichnen, da schließlich eine natürliche Substanz bzw. nur gering
veränderte Abkömmlinge mit prinzipiell den gleichen Wirkungen eingesetzt werden.
Was berechtigt uns eigentlich, eine Therapie mit dem natürlichen Kortison als
schädliche Kunsttherapie zu brandmarken, hingegen eine
Das
Geheimnis ist die Regulation. Während naturheilkundliche Verfahren wie etwa die
Die
Hauptwirkungen von Kortison, weswegen es auch meistens eingesetzt wird, sind
daher seine antiinflammatorischen (entzündungshemmenden) und immunsupressiven
(das
Daneben
entfaltet Kortison aber auch noch so genannte glukokortikoide Wirkungen, d.h. es
wirkt auf den Kohlenhydratstoffwechsel, indem es die Freisetzung von
Kortisonphysiologie – unterstützen Sie den natürlichen Rhythmus und setzen Sie es niemals rasch ab Der Stoffwechsel von Kortison wird sehr komplex reguliert. Im Hypothalamus wird CRH (Corticotropin Releasing Hormone) freigesetzt, welches die Hypophyse dazu anregt, ACTH (AdrenoCorticoTropes Hormon) ins Blut abzugeben. Dieses veranlasst wiederum die Nebennierenrinde dazu, Kortison zu produzieren bzw. ins Blut auszuschütten. Die natürliche Kortisonproduktion unterliegt dabei einem strengen circadianen (etwa einen Tag langen) Rhythmus. Ganz früh am Morgen (ca. 3 bis 6 Uhr) weist unser Blut die höchsten Kortisonspiegel auf. Daher ist es auch sinnvoll, Kortison direkt beim Aufstehen (und nicht etwa erst nach dem Frühstück) einzunehmen. Wenn ein mit Kortison therapierter Patient regelmäßig morgens etwa um 3 oder 4 Uhr aufwacht (um z.B. zur Toilette zur gehen), wäre es aus physiologischen Gründen sehr sinnvoll, dann bereits die Kortisontablette einzunehmen, um den natürlichen Rhythmus wenigstens annähernd nachzuahmen. Leider wird den Patienten dies nur selten von ihren Ärzten mitgeteilt. Mit einem solchen Procedere wirkt Kortison sehr viel stärker, ohne mehr Nebenwirkungen zu entfalten. Eine
weitere Besonderheit der Kortisontherapie ist die Gefahr der Abhängigkeit. Diese
ist allerdings nicht mit der
Abhängigkeit zu vergleichen, die etwa bei längerer Einnahme von
Alkohol oder
Daher gilt: Wenn Sie nach längerer Einnahme von Kortison dieses (nach ärztlicher Rücksprache!) absetzen möchten, dann müssen Sie dies ganz langsam tun, um durch das Absetzen keine neuen Gefahren heraufzubeschwören.
Dr. Harvey Williams Cushing beschrieb die Nebenwirkungen von Kortison Nebenwirkungen – das Cushing-Syndrom Harvey Williams Cushing (1869-1939) war der Arzt, der erstmals die Auswirkungen einer Überproduktion von Kortison beschrieb. Bei einem gutartigen Tumor der Nebennierenrinde, der Kortison im Übermaß bildet (Morbus Cushing), treten alle typischen Kortisonnebenwirkungen auf, wie wir diese auch bei einer Langzeittherapie mit Kortison beobachten. Dabei muss allerdings die so genannte Cushing-Schwelle überschritten werden. Diese liegt etwa bei 7,5 mg Prednison (oder der äquivalenten Dosis eines anderen Kortisonderivates, siehe Tabelle). Erst wenn Kortison über längere Zeit (Wochen bis Monate) oberhalb dieser Schwelle eingenommen wird, ist mit relevanten Langzeitnebenwirkungen zu rechnen. Die wichtigsten Symptome des Cushing-Syndromes sind:
Beispiele für sinnvolle Kortisontherapie „Wer heilt, hat Recht“ ist ein Motto, welches von Naturheilkundlern gern zur Rechtfertigung ihrer wissenschaftlich teilweise noch nicht erklärbaren Verfahren angeführt wird. Dieser Spruch sollte fairerweise dann aber auch für die Schulmedizin gelten. Wenn Erkrankungen mit natürlichen Verfahren, die meiner Meinung meist Vorrang haben sollten, nicht befriedigend zu behandeln sind, mit konventionellen Methoden aber schon, dann sollten Patienten und Therapeuten aus lauter naturheilkundlicher Verbissenheit auch nicht zu lange auf dem naturheilkundlichen Holzweg verweilen.Beispiel: Entzündliche Darmerkrankung Einem akuten Schub mit mehr als zehn teilweise blutigen Stühlen ist mit Naturheilkunde nur in den seltensten Fällen erfolgreich beizukommen. Ich habe Patienten erlebt, die bis aufs Skelett abgemagert sind und dem Tode näher als dem Leben standen, aber auf keinen Fall das „böse Kortison“ einnehmen wollten. Wenn solche Patienten, die oftmals noch von dogmatischen Heilpraktikern oder Naturheilkundeärzten in ihrer abwegigen und gefährlichen Haltung neurotisch fixiert werden, dann zu mir kommen, dann erkläre ich ihnen gern, dass ich die Flamme der Entzündung mit einer Kortison-Kurzzeittherapie lösche, die noch schwelende Glut kann ich dann mit naturheilkundlichen Mitteln, die aber für die lodernde Flamme oft zu schwach sind, gut in Schach halten. Nochmals: „Wer heilt, hat Recht“ – wem es gelingt, mit naturheilkundlichen Mitteln einen akuten Schub in den Griff zu bekommen, nichts dagegen. Dies habe ich bisher aber nur äußerst selten erlebt.
Beispiel:
Ich habe
Rheumatiker erlebt, deren
Es kann
doch nicht angehen, dass wir vor möglichen, aber nicht zwingend eintretenden
Nebenwirkungen mehr Angst haben als vor den realen Gefahren von Komplikationen
durch die Krankheit selbst, die dann oft genug auch schon vorliegen (siehe
lebensgefährliche Abmagerung bei der
Beispiel für nicht sinnvolle Kortisontherapie Bei
Wirbelsäulen- oder anderen Gelenkbeschwerden greift der Orthopäde gern zur
Spritze. Die Beschwerden verschwinden damit oft sehr rasch. Wenn ich den
Patienten dann frage, was denn gespritzt worden sei, wissen diese es nicht, weil
der Orthopäde es ihnen nicht verraten hat (sie haben allerdings auch nicht
danach gefragt). In meinem Patientenklientel habe ich allerdings viele kritische
und naturheilkundlich orientierte Patienten, die berechtigterweise schon wissen
wollen, welche Substanzen in ihren Körper gelangen. Nicht selten wird diesen
Patienten dann versichert, es werde kein Kortison gespritzt. Wenn ich dann doch
einmal herausbekomme, was verabreicht wurde, dann stelle ich nicht selten fest,
dass es sich um eine Dexamethason- oder Triamcinolon-Injektion handelte. Dies
ist im strengen chemischen Sinne kein Kortison, hat aber als Kortisonabkömmling
dieselben Wirkungen (und Nebenwirkungen). Urteilen Sie selbst, ob Sie eine
solche „Notlüge“ des Orthopäden für vertretbar halten oder nicht. Ich selbst
lehne die Kortisonspritze (und ich zähle auch Dexamethason und andere Derivate
dazu) bei orthopädischen in 99 % der Fälle strikt ab. Erst wenn alle anderen
Maßnahmen nichts fruchten, ist für mich das Kortison hier gerechtfertigt. Mit
Krankengymnastik, pflanzlichen Mitteln, Massagen, Wärme/Kältebehandlungen,
Der Spaß hört für mich aber gänzlich auf, wenn ich erfahre, dass der Orthopäde den Patienten über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen seiner Spritze überhaupt nicht aufgeklärt hat. Beispiel: Ein Diabetiker hat nach einer solchen Kortisonspritze (mit Depotwirkung!) für mehrere Wochen einen völlig durcheinander geratenen Blutzucker. Geheimtipp: Fragen Sie immer danach, was gespritzt werden soll (natürlich immer auch nach den Medikamenten, die geschluckt werden sollen). Wenn Sie eine Substanz genannt bekommen, von der Sie nicht genau wissen, was es ist, dann achten Sie auf die Endsilbe. Wenn die Substanz mit „-on“ endet, dann ist es fast sicher ein Kortisonderivat!
Kortison
als stark wirksames Medikament, welches allerdings auch ein erhebliches
Nebenwirkungsprofil aufweist, sollte weder aus Bequemlichkeit zu großzügig noch
aus ideologischer Verbohrtheit völlig abgelehnt werden. In der Hand des damit
kritisch umgehenden Arztes ist es ein unverzichtbarer Bestandteil des
medizinischen Repertoires geworden, dessen Einsatz sowohl in bestimmten
medizinischen Notfällen als auch in der Behandlung schwerer chronischer
Entzündungen, wenn ihnen mit naturheilkundlichen Verfahren nicht beizukommen
ist, gerechtfertigt ist. Wenn die akute Entzündung (wenn nötig auch mit
Kortison) eingedämmt wurde, dann kann man mit Verfahren wie
Kortisonpräparate (unvollständige Auswahl)
Anwendungen mit Kortison (unvollständige Auswahl)
► Generell entzündliche Systemerkrankungen Kortison - Gegenanzeigen (unvollständige Auswahl):
-
Magen-Darm-Geschwüre Kortison - Anwendungsbeschränkungen (unvollständige Auswahl)
- Tuberkulose in der Anamnese (Reaktivierung möglich!) Schwangerschaft und Stillzeit: strenge Indikationsstellung Kortison - Nebenwirkungen (unvollständige Auswahl)
- Striae
rubrae (Dehnungsstreifen) Kortison - Wechselwirkungen (unvollständige Auswahl)
-
Herzglykoside –
Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Naturarzt“ www.naturarzt-access.de abgedruckt.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
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