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Kortison ©

 ...Wundermittel oder Teufelszeug?

Bei richtigem Einsatz ein Segen für Patienten – aber differenzierte Betrachtung ist nötig 

Es gibt kaum ein Medikament, an dem sich die Geister so scheiden wie beim Kortison. Für die Einen ist es ein segensreiches Wundermittel mit dem sie ihr Rheuma in Schach halten oder den Schub einer Darmentzündung rasch und zuverlässig beenden können. Für die Anderen ist es reines Teufelszeug, welches nur die körpereigenen Regulationskräfte unterdrückt. Mancher Asthmatiker würde lieber ersticken als zu Kortisonspray zu greifen oder im Asthmaanfall die Kortisonspritze vom Notarzt zu erlauben. Solche Todesfälle sind denn auch tatsächlich schon vorgekommen. Wir wollen uns dem emotional stark belasteten Thema „Kortison“ rational, also vernünftig, nähern und uns fragen: Was ist Kortison eigentlich? Wie wirkt Kortison überhaupt? Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen müssen wir bei Kortison bedenken? Und bei welchen Krankheiten sollte man an den Einsatz von Kortison denken?

Zunächst einmal sei erwähnt, was aus Platzgründen nicht Thema dieser Übersicht sein soll. Wir reden hier nicht über die Schwäche der Nebenniere (Morbus Addison), bei der der Körper nicht genügend eigenes Kortison produzieren kann, welches dann unbedingt von außen zugeführt werden muss. Hier handelt es sich um eine Mangelkrankheit, wobei ein lebenswichtiger natürlicher Stoff, eben das Kortison, substituiert werden muss. Eine Therapie einer Nebennierenschwäche mit Kortison ähnelt also eher der Verdauungsenzymgabe bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche oder der Schilddrüsenhormoneinnahme bei einer Schilddrüsenunterfunkion als der entzündungshemmenden Kortisontherapie von Krankheiten wie Rheuma oder Darmentzündung. Wir weisen deshalb so ausführlich darauf hin, weil Substitution und Entzündungshemmung überhaupt nichts miteinander gemein haben, dem Betroffenen mit Nebennierenschwäche dieser Unterschied aber oft nicht klar ist und er deswegen unberechtigte Vorbehalte gegenüber dem für ihn wichtigen Kortison hat. 

Auch die äußerliche Behandlung mit kortisonhaltigen Sprays bei Asthma oder Allergien sowie Hautsalben bei Neurodermitis soll hier nicht diskutiert werden. Die regulatorischen Aspekte der Behandlung (und aus diesem Grunde auch die Vorbehalte gegenüber einer Dauerbehandlung) sind zwar identisch zur systemischen (den ganzen Körper betreffenden) Kortisontherapie. Die Nebenwirkungen auf den Gesamtorganismus sind jedoch vernachlässigbar gering, da nur mit geringen Dosen gearbeitet wird, die dann auch kaum Nebenwirkungen im Körper entfalten. Die lokalen Nebenwirkungen, z.B. Atrophie (Gewebeschwund) von behandelter Haut bzw. Schleimhaut, kommen allerdings hinzu. 

Auch die Notfallbehandlung mit hoch dosierten Kortisonspritzen bzw. –infusionen soll nicht Gegenstand dieses Artikels sein. Eine solche Therapie ist ohnehin ausschließlich dem darin erfahrenen Arzt vorbehalten. Sie kann beispielsweise notwendig werden im akuten Schub einer Multiplen Sklerose, bei einem akuten Asthmaanfall, der mit Sprays nicht mehr beherrscht werden kann, oder bei einem anaphylaktischen Schock (lebensgefährliche allergische Reaktion). In diesen Fällen führt oft kein Weg an einer solchen Notfalltherapie vorbei, da naturheilkundliche Verfahren nicht mit genügend großer Sicherheit wirken oder deren Wirkung zu langsam eintreten würde. Die Angst mancher Patienten vor einem solchen „Kortisonhammer“, bei dem mehrere hundert Milligramm auf einmal verabreicht werden, ist weitgehend unberechtigt, da eine kurze Kortisontherapie mit hohen Dosen keinesfalls zu den Nebenwirkungen führt, wie wir dies bei einer Langzeittherapie mit viel geringeren Dosen oft beobachten.

Die Nebenniere sitzt wie ein Hut auf der Niere

Was ist Kortison denn überhaupt?

In der Nebennierenrinde wird aus dem Cholesterin in mehreren Schritten, u.a. über das Geschlechtshormon Progesteron, das 11β-Hydroxycortison synthetisiert, welches wir auch als Cortisol bezeichnen. Nach der Nebennierenrinde hat es auch seinen Namen (cortex = lat. die Rinde). Wenn von „dem Kortison“ die Rede ist, dann meinen wir allerdings meist synthetische Derivate (Abkömmlinge) des Cortisols wie Prednisolon oder Dexamethason. Diese chemisch leicht veränderten Substanzen werden zur Entzündungshemmung eingesetzt.

Cortisol, die „Urform aller Kortisone“

Mit etwas Wohlwollen könnte man eine Therapie mit Kortison sogar als naturheilkundliches Verfahren bezeichnen, da schließlich eine natürliche Substanz bzw. nur gering veränderte Abkömmlinge mit prinzipiell den gleichen Wirkungen eingesetzt werden. Was berechtigt uns eigentlich, eine Therapie mit dem natürlichen Kortison als schädliche Kunsttherapie zu brandmarken, hingegen eine Neuraltherapie mit dem chemisch voll synthetischen Procain oder Lidocain als nützliche Naturheilkunde zu lobpreisen?

Das Geheimnis ist die Regulation. Während naturheilkundliche Verfahren wie etwa die Neuraltherapie, selbst wenn sie sich synthetischer Substanzen bedienen sollten, die körpereigenen Regulationsfähigkeiten (z.B. durch Lösen von „Blockaden“) wieder in Gang zu bringen versuchen, stellt die Kortisontherapie (nach schulmedizinischer Diktion) eine Modulation bzw. (aus naturheilkundlicher Sicht) eine „Unterdrückung“ des Immunsystems und von Entzündungen dar.

Die Hauptwirkungen von Kortison, weswegen es auch meistens eingesetzt wird, sind daher seine antiinflammatorischen (entzündungshemmenden) und immunsupressiven (das Immunsystem herunter regulierenden) Effekte.

Daneben entfaltet Kortison aber auch noch so genannte glukokortikoide Wirkungen, d.h. es wirkt auf den Kohlenhydratstoffwechsel, indem es die Freisetzung von Zucker (und auch Fettsäuren) fördert. Dies ist ein wichtiger Bestandteil seiner „natürlichen Stresshormonwirkung“. Bei Bedrohungen schüttet die Nebenniere vermehrt Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und eben auch Kortison aus, die u.a. dazu dienen, dem Körper die notwendige Energie für die erwarteten Belastungen („fight or flight“ = Kampf oder Flucht) in Form von Zucker und Fett zur Verfügung zu stellen. Bei einem „Dauerstress“, wie es eine Langzeitwirkung mit Kortison darstellt, erklären sich daraus also Nebenwirkungen wie Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie und Übergewicht. Gleichzeitig wird die Eiweißsynthese eingeschränkt (bei akuter Kampfreaktion benötigen wir kein Muskelwachstum). Dies erklärt die katobolen (abbauenden) Wirkungen wie Muskelschwund oder Osteoporose bei Dauertherapie.

Daneben weist Kortison auch so genannte mineralokortikoide Wirkungen auf, d.h. es wirkt auf die Zusammensetzung unserer Elektrolyte (Blutsalze) ein. Kortison fördert in der Niere die Ausscheidung von Kalium und Magnesium sowie die Wiederaufnahme von Natrium aus dem Harn. Kortison kann also zu Kalium- und Magnesiummangel beitragen und zu Ödemen (Wasseransammlungen) im Gewebe führen, besonders in den Beinen führen.
 

Geschichte

In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erstmals von den Arbeitsgruppen um Kendall und Reichstein beschrieben wurde es 1948 erstmals in Form einer Spritze durch den Arzt Hench bei einer Patientin mit schwerem Rheuma, die dadurch rasch schmerzfrei wurde, therapeutisch eingesetzt. Bereits zwei Jahre später, was aus wissenschaftshistorischer Sicht gerade einmal einen Wimpernschlag bedeutet, erhielten die Forscher für ihre Entdeckungen den Nobelpreis. Nachdem Anfang der 50er Jahre die Totalsynthese von Kortisonderivaten gelungen war und Prednison die Zulassung der FDA (Amerikanische Zulassungsbehörde für Arzneimittel) erhalten hatte, begann der Siegeszug eines der potentesten Medikamente überhaupt. Schwere Entzündungen, denen Ärzte bis dahin hilflos gegenübergestanden und Patienten ohnmächtig ausgeliefert waren, wurden nun plötzlich innerhalb kürzester Zeit behandelbar. Erst Jahre später zeigten sich dann die Auswirkungen einer Langzeittherapie genügend hoher Dosen von Kortison. Damit begannen dann die kontroverse Diskussion über Kortison und der oft sehr emotional geführte Kampf von Kortisonbefürwortern und –gegnern.

Kortisonphysiologie – unterstützen Sie den natürlichen Rhythmus und setzen Sie es niemals rasch ab 

Der Stoffwechsel von Kortison wird sehr komplex reguliert. Im Hypothalamus wird CRH (Corticotropin Releasing Hormone) freigesetzt, welches die Hypophyse dazu anregt, ACTH (AdrenoCorticoTropes Hormon) ins Blut abzugeben. Dieses veranlasst wiederum die Nebennierenrinde dazu, Kortison zu produzieren bzw. ins Blut auszuschütten. Die natürliche Kortisonproduktion unterliegt dabei einem strengen circadianen (etwa einen Tag langen) Rhythmus. Ganz früh am Morgen (ca. 3 bis 6 Uhr) weist unser Blut die höchsten Kortisonspiegel auf. Daher ist es auch sinnvoll, Kortison direkt beim Aufstehen (und nicht etwa erst nach dem Frühstück) einzunehmen. Wenn ein mit Kortison therapierter Patient regelmäßig morgens etwa um 3 oder 4 Uhr aufwacht (um z.B. zur Toilette zur gehen), wäre es aus physiologischen Gründen sehr sinnvoll, dann bereits die Kortisontablette einzunehmen, um den natürlichen Rhythmus wenigstens annähernd nachzuahmen. Leider wird den Patienten dies nur selten von ihren Ärzten mitgeteilt. Mit einem solchen Procedere wirkt Kortison sehr viel stärker, ohne mehr Nebenwirkungen zu entfalten. 

Eine weitere Besonderheit der Kortisontherapie ist die Gefahr der Abhängigkeit. Diese ist allerdings nicht mit der Abhängigkeit zu vergleichen, die etwa bei längerer Einnahme von Alkohol oder Tranquilizern (Beruhigungsmitteln) entsteht. Vielmehr stellt die Nebennierenrinde ihre Kortisonproduktion nach und nach ein, wenn dem Körper für länger als sieben Tage von außen genauso viel oder sogar mehr Kortison zugeführt wird als er eigentlich benötigt. Wenn diese äußere Zufuhr dann abrupt unterbrochen wird, so kommt die körpereigene Kortisonproduktion nicht schnell genug wieder in Gang und es entsteht ein akuter Kortisonmangel, der sogar lebensgefährlich sein kann. Eine andere Gefahr bei zu schneller Reduktion der bisher eingenommenen Kortisondosis ist das so genannte Rebound-Phänomen. Dabei tritt genau das Gegenteil dessen auf, was man eigentlich behandeln wollte. Beispiele: Wenn Neurodermitispatienten ihre langfristig aufgetragene kortisonhaltige Hautsalbe ganz plötzlich weglassen, wird die Haut oftmals sehr rasch sehr viel entzündeter. Wenn der Patient mit einer Darmentzündung sein für den akuten Schub gegebenes Kortison zu rasch reduziert, besteht eine erhöhte Gefahr für einen weiteren entzündlichen Schub. 

Daher gilt: Wenn Sie nach längerer Einnahme von Kortison dieses (nach ärztlicher Rücksprache!) absetzen möchten, dann müssen Sie dies ganz langsam tun, um durch das Absetzen keine neuen Gefahren heraufzubeschwören.

 

Dr. Harvey Williams Cushing beschrieb die Nebenwirkungen von Kortison 

Nebenwirkungen – das Cushing-Syndrom 

Harvey Williams Cushing (1869-1939) war der Arzt, der erstmals die Auswirkungen einer Überproduktion von Kortison beschrieb. Bei einem gutartigen Tumor der Nebennierenrinde, der Kortison im Übermaß bildet (Morbus Cushing), treten alle typischen Kortisonnebenwirkungen auf, wie wir diese auch bei einer Langzeittherapie mit Kortison beobachten. Dabei muss allerdings die so genannte Cushing-Schwelle überschritten werden. Diese liegt etwa bei 7,5 mg Prednison (oder der äquivalenten Dosis eines anderen Kortisonderivates, siehe Tabelle). Erst wenn Kortison über längere Zeit (Wochen bis Monate) oberhalb dieser Schwelle eingenommen wird, ist mit relevanten Langzeitnebenwirkungen zu rechnen.

Die wichtigsten Symptome des Cushing-Syndromes sind:

Ø      Muskelschwäche und –schwund
Ø
     
Osteoporose
Ø      Verzögerte Wundheilung
Ø      Striae (Dehnungsstreifen am Bauch)
Ø      Vollmondgesicht, Stammfettsucht und Stiernacken
Ø      Akne
Ø      Glaukom und Katarakt (grüner und grauer Star)
Ø     
Diabetes mellitus
Ø      Blutbildveränderungen und Immunschwäche
Ø      Hirsutismus (übermäßiges Haarwachstum)
 

Dehnungsstreifen und Stammfettsucht – typische Kortisonnebenwirkungen 

Beispiele für sinnvolle Kortisontherapie 

„Wer heilt, hat Recht“ ist ein Motto, welches von Naturheilkundlern gern zur Rechtfertigung ihrer wissenschaftlich teilweise noch nicht erklärbaren Verfahren angeführt wird. Dieser Spruch sollte fairerweise dann aber auch für die Schulmedizin gelten. Wenn Erkrankungen mit natürlichen Verfahren, die meiner Meinung meist Vorrang haben sollten, nicht befriedigend zu behandeln sind, mit konventionellen Methoden aber schon, dann sollten Patienten und Therapeuten aus lauter naturheilkundlicher Verbissenheit auch nicht zu lange auf dem naturheilkundlichen Holzweg verweilen.

Beispiel: Entzündliche Darmerkrankung 

Einem akuten Schub mit mehr als zehn teilweise blutigen Stühlen ist mit Naturheilkunde nur in den seltensten Fällen erfolgreich beizukommen. Ich habe Patienten erlebt, die bis aufs Skelett abgemagert sind und dem Tode näher als dem Leben standen, aber auf keinen Fall das „böse Kortison“ einnehmen wollten. Wenn solche Patienten, die oftmals noch von dogmatischen Heilpraktikern oder Naturheilkundeärzten in ihrer abwegigen und gefährlichen Haltung neurotisch fixiert werden, dann zu mir kommen, dann erkläre ich ihnen gern, dass ich die Flamme der Entzündung mit einer Kortison-Kurzzeittherapie lösche, die noch schwelende Glut kann ich dann mit naturheilkundlichen Mitteln, die aber für die lodernde Flamme oft zu schwach sind, gut in Schach halten. Nochmals: „Wer heilt, hat Recht“ – wem es gelingt, mit naturheilkundlichen Mitteln einen akuten Schub in den Griff zu bekommen, nichts dagegen. Dies habe ich bisher aber nur äußerst selten erlebt.

Beispiel: Rheuma 

Ich habe Rheumatiker erlebt, deren Rheuma erst drei Jahre lang bestand und die in dieser Zeit beispielsweise ausschließlich klassisch homöopathisch behandelt wurden. Nichts gegen Homöopathie (ich bin selber Homöopath und darüber hinaus sogar weiterbildungsberechtigt für die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“) – aber ich habe bisher auch nicht erlebt, dass ein Rheumaschub allein mit Homöopathie beendet wurde – jedenfalls nicht öfter, als dies auch bei einer spontanen Remission des Schubes möglich wäre. Zurück zu unserem Rheumatiker: Wenn dieser nach einem „nur“ dreijährigen Rheuma bereits mit irreversiblen (!) Gelenkdeformitäten und einer Blutsenkung von 40/80 mm (normal sind 10/20), also quasi im akuten Schub, zu mir kommt, dann wurde etwas falsch gemacht. Diese Entzündung hätte man früher in den Griff bekommen müssen – wenn nicht mit Naturheilkunde (was wünschenswert gewesen wäre), dann zur Not auch mit der „bösen Chemie“. Bei bestimmten chronischen rheumatischen Erkrankungen, etwa der Polymyalgia rheumatica, benötigt man oft eine Mini-Dosis von drei bis fünf Milligramm Kortison, damit die Entzündung eingedämmt bleibt. Diese Dosis liegt oft deutlich unter der Cushing-Schwelle, ab der mit gravierenden Nebenwirkungen zu rechnen ist. 

Es kann doch nicht angehen, dass wir vor möglichen, aber nicht zwingend eintretenden Nebenwirkungen mehr Angst haben als vor den realen Gefahren von Komplikationen durch die Krankheit selbst, die dann oft genug auch schon vorliegen (siehe lebensgefährliche Abmagerung bei der Darmentzündung oder Gelenkzerstörung beim Rheuma). Ein rationales Vorgehen kann beispielsweise darin bestehen, dass Patient und Therapeut gewissermaßen einen Vertrag abschließen: „Wir verfolgen unsere naturheilkundliche Behandlungsstrategie sehr konsequent. Wenn das Körpergewicht bei der Darmentzündung aber unter z.B. 50 kg sinkt oder die Blutsenkung beim Rheuma innerhalb von sechs Wochen nicht unter 20/40 mm sinkt, dann müssen wir auch andere Behandlungsmöglichkeiten, etwa das Kortison, mit in unsere Optionen aufnehmen.“

Beispiel für nicht sinnvolle Kortisontherapie 

Bei Wirbelsäulen- oder anderen Gelenkbeschwerden greift der Orthopäde gern zur Spritze. Die Beschwerden verschwinden damit oft sehr rasch. Wenn ich den Patienten dann frage, was denn gespritzt worden sei, wissen diese es nicht, weil der Orthopäde es ihnen nicht verraten hat (sie haben allerdings auch nicht danach gefragt). In meinem Patientenklientel habe ich allerdings viele kritische und naturheilkundlich orientierte Patienten, die berechtigterweise schon wissen wollen, welche Substanzen in ihren Körper gelangen. Nicht selten wird diesen Patienten dann versichert, es werde kein Kortison gespritzt. Wenn ich dann doch einmal herausbekomme, was verabreicht wurde, dann stelle ich nicht selten fest, dass es sich um eine Dexamethason- oder Triamcinolon-Injektion handelte. Dies ist im strengen chemischen Sinne kein Kortison, hat aber als Kortisonabkömmling dieselben Wirkungen (und Nebenwirkungen). Urteilen Sie selbst, ob Sie eine solche „Notlüge“ des Orthopäden für vertretbar halten oder nicht. Ich selbst lehne die Kortisonspritze (und ich zähle auch Dexamethason und andere Derivate dazu) bei orthopädischen in 99 % der Fälle strikt ab. Erst wenn alle anderen Maßnahmen nichts fruchten, ist für mich das Kortison hier gerechtfertigt. Mit Krankengymnastik, pflanzlichen Mitteln, Massagen, Wärme/Kältebehandlungen, Homöopathie, Akupunktur und Neuraltherapie haben wir hier ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten.  

Der Spaß hört für mich aber gänzlich auf, wenn ich erfahre, dass der Orthopäde den Patienten über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen seiner Spritze überhaupt nicht aufgeklärt hat. Beispiel: Ein Diabetiker hat nach einer solchen Kortisonspritze (mit Depotwirkung!) für mehrere Wochen einen völlig durcheinander geratenen Blutzucker. 

Geheimtipp: Fragen Sie immer danach, was gespritzt werden soll (natürlich immer auch nach den Medikamenten, die geschluckt werden sollen). Wenn Sie eine Substanz genannt bekommen, von der Sie nicht genau wissen, was es ist, dann achten Sie auf die Endsilbe. Wenn die Substanz mit „-on“ endet, dann ist es fast sicher ein Kortisonderivat! 

Kortison - Fazit 

Kortison als stark wirksames Medikament, welches allerdings auch ein erhebliches Nebenwirkungsprofil aufweist, sollte weder aus Bequemlichkeit zu großzügig noch aus ideologischer Verbohrtheit völlig abgelehnt werden. In der Hand des damit kritisch umgehenden Arztes ist es ein unverzichtbarer Bestandteil des medizinischen Repertoires geworden, dessen Einsatz sowohl in bestimmten medizinischen Notfällen als auch in der Behandlung schwerer chronischer Entzündungen, wenn ihnen mit naturheilkundlichen Verfahren nicht beizukommen ist, gerechtfertigt ist. Wenn die akute Entzündung (wenn nötig auch mit Kortison) eingedämmt wurde, dann kann man mit Verfahren wie Ernährung, Pflanzenheilkunde, Orthomolekulare Therapie und Homöopathie der milden, chronischen Entzündung oft erstaunlich gut beikommen.

Kortisonpräparate (unvollständige Auswahl)

Substanz  Handelsname (Beispiel)
Dexamethason (meist als Injektionslösung) Fortecortin®
Methylprednisolon  Urbason®
Prednisolon Decortin® H
Prednison  Decortin®
Triamcinolon Volon®

Anwendungen mit Kortison (unvollständige Auswahl) 

      ►  Generell entzündliche Systemerkrankungen
►  Besonders Rheumatische Erkrankungen, Asthma bronchiale,
►  Aktive Phasen von Kollagenosen: systemischer Lupus erythematodes, Panarteriitis nodosa
      und andere Vaskulitiden,
Polymyositis/Dermatomyositis soweit nicht direkt erregerbedingt,
      Mischkollagenosen
►  Erkrankungen der oberen Luftwege: zur kurzfristigen systemischen Behandlung von
      schweren Verlaufsformen von allergischen Rhinitiden bei Erwachsenen nach Versagen von
      deren Therapiealternativen
►  Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen mit entzündlicher Komponente: zur
      systemischen Langzeitbehandlung und Behandlung von akuten Exazerbationen bei
      Erwachsenen im Rahmen der gültigen Stufenplanrichtlinien
►  Orale Anfangsbehandlung ausgedehnter akuter schwerer Hautkrankheiten wie allergische
      Dermatosen (schwere akute Urtikaria), Kontaktdermatitiden, schwere Arzneimittel-
      Exantheme, atopische Dermatitis (akute Exazerbationen bzw. großflächige nässende
      Ekzeme)
►  Nephrologie: minimal-change-Glomerulonephritis; membranöse Glomerulonephritis
►  Erkrankungen des Blutes und lymphatischen Gewebes: Thrombozytopenische Purpura,
      hämolytische Anämie,
Lymphatische Leukämie, Lymphogranulomatose (M. Hodgkin)
      und Lymphosarkom

Kortison - Gegenanzeigen (unvollständige Auswahl):

      -         Magen-Darm-Geschwüre
-         Schwere
Osteoporose
-         Psychiatrische Anamnese
-         Virusinfektionen mit Herpes simplex, Herpes zoster oder Varizellen
-         Ca. 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen
-         Amöbeninfektion
-         Systemische Infektion mit Pilzen
-        
Poliomyelitis (Kinderlähmung) mit Ausnahme der bulbärenzephalitischen Form
-         Lymphadenitis nach BCG-Impfung 

Kortison - Anwendungsbeschränkungen (unvollständige Auswahl)

      -         Tuberkulose in der Anamnese (Reaktivierung möglich!)
-         Anwendung bei schweren Infekten nur in Kombination mit kausaler Therapie
-        
Magen-Darm-Geschwüre in der Vergangenheit
-         Schwere
Muskelerkrankungen
-         Neigung zu Thrombosen und Embolien, Thrombophlebitis
-         Niereninsuffizienz
-        
Hypertonie
-         Exanthem
-         Cushing-Syndrom
-         Antibiotikaresistente Infekte
-         Anfallsleiden
-         Metastasierende Karzinome
-         Diabetes mellitus
-         Akute Glomerulonephritis, chronische Nephritis
-         Schwere
Colitis ulcerosa, Divertikulitis, Enteroanastomosen (unmittelbar postoperativ)
-         Kinder und ältere Patienten

Schwangerschaft und Stillzeit: strenge Indikationsstellung 

Kortison - Nebenwirkungen (unvollständige Auswahl)

      -         Striae rubrae (Dehnungsstreifen)
-         Steroidakne
-         Verzögerte Wundheilung
-         Muskelschwäche
-        
Osteoporose
-         Aseptische Knochennekrosen (Absterben von Knochengewebe)
-         Glaukom (grüner Star)
-         Katarakt (grauer Star)
-        
Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Stimmungsschwankungen
-         Schlaflosigkeit
-         Verstärkung bestehender psychischer Erkrankungen
-        
Kopfschmerz, Schwindel
-         Magenbeschwerden,
Magengeschwür
-         Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
-         Vollmondgesicht, Stammfettsucht
-         Verminderte Glukosetoleranz, Diabetes mellitus
-         Natriumretention mit Ödembildung
-         Vermehrte Kalium- und Magnesiumausscheidung
-         Inaktivität bzw. Atrophie der Nebennierenrinde
-         Wachstumsverzögerung bei Kindern
-         Störungen der Sexualhormonsekretion (z. B. Amenorrhoe, Hirsutismus, Impotenz)
-        
Hypertonie (Bluthochdruck)
-         Erhöhtes Thromboserisiko
-         Vaskulitis (Gefäßentzündung, Entzugssyndrom nach Langzeittherapie)
-         Mäßige Leukozytose, Lymphopenie, Eosinopenie, Polyglobulie (bestimmte Veränderungen
          des Blutbildes)
-         Appetitsteigerung
-         Erhöhung des Arterioskleroserisikos 

Kortison - Wechselwirkungen (unvollständige Auswahl)

      -         Herzglykoside – Digitaliswirkung durch Kaliummangel verstärkt;
-         Saluretika, Schleifen
diuretika (Entwässerungsmittel) - zusätzliche Kaliumausscheidung in
          Abhängigkeit von der jeweiligen Mineralcorticoidwirkung
-        
Antidiabetika  – Blutzuckersenkung vermindert
-         Orale Antikoagulanzien (z.B.
Marcumar®) – Antikoagulanzienwirkung abgeschwächt
-         Nichtsteroidale Antiphlogistika/Antirheumatika – erhöhte Gefahr von

          Magen-Darm-Geschwüren und -blutungen
-        
ACE-Hemmer – erhöhtes Risiko des Auftretens von Herzmuskelerkrankungen
-         Chloroquin, Hydroxychloroquin, Mefloquin (Malaria- und Rheumamittel) – erhöhtes Risiko
          des Auftretens von Herzmuskelerkrankungen
-         Laxanzien (Abführmittel) – verstärkter Kalium- und Magnesiumverlust
-         Salicylate (z.B.
ASS wie Aspirin®) – Gefahr von Magen-Darm-Blutungen erhöht
-         Östrogenhaltige Kontrazeptiva – Corticoidwirkung verstärkt
-         Ciclosporin – erhöhte Gefahr zerebraler Krampfanfälle durch Erhöhung der Ciclosporin-
          Blutspiegel
 

Wirkungsstärken verschiedener „Kortisone“

  Glukokortikoidwirkung Mineralokortikoidwirkung Cushing-Schwelle
Cortisol 1 30 mg
Prednison 4 0,6  7,5 mg
Prednisolon 4 0,6  7,5 mg
Triamcinolon 5 6 mg
Dexamethason 30 0 1,5 mg
Betamethason 30 0 1 mg

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Naturarzt“ www.naturarzt-access.de abgedruckt.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Leitfaden Naturheilkunde

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Methoden, Konzepte und praktische Anwendung

Schmiedel, Volker (Hrsg.); Augustin, Matthias (Hrsg.)


ISBN: 978-3-437-55132-1
5. Aufl. 2007
1.184 Seiten, 87 farb. Abb., Kst./PVC
Buch

 

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