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HABICHTSWALDKLINIK
Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde
Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz
34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Kalziumantagonisten ©
Wie
wirken
Kalziumantagonisten?
Der
Name ist eigentlich irreführend: Kalziumantagonisten sind genau genommen keine
Gegenspieler des Kalziums. Sie hemmen weder die Aufnahme in den Körper, noch
erniedrigen Sie dessen Blutspiegel. Sie hemmen allerdings den Einstrom von
Kalzium in die Muskelzelle – ein modernerer und besserer Name lautet daher:
Kalziumkanalblocker. Bei jeder Zusammenziehung eines Muskels gelangt Kalzium in
dessen Zellen. Weniger Kalziumeinstrom bedeutet auch weniger
Muskelzusammenziehung. Da die Kalziumantagonisten hauptsächlich an der glatten
Muskulatur der Gefäße (und praktisch nicht an der quergestreiften
Skelettmuskulatur wirken), können sich die Gefäße nicht so gut verengen, sondern
erweitern sich eher. Weitere Gefäße bedingen aber einen niedrigeren Blutdruck.
Wann
werden Kalziumantagonisten eingesetzt?
Die
wichtigsten Heilanzeigen für Kalziumantagonisten sind aufgrund der erweiternden
Wirkung Erkrankungen der Gefäße. An erster Stelle steht hier der
Bluthochdruck.
Aber auch die Erweiterung der Herzkranzgefäße oder der Fingergefäße (Morbus Raynaud) kann ausgenutzt werden.
Tab. 1
Anzeigen für Kalziumantagonisten
Ø
Bluthochdruck
Ø
Chronisch
stabile Angina pectoris (Herzenge bei koronarer Gefäßerkrankung)
Ø
Einige
Präparate sind auch für das Raynaud-Syndrom (Verengungen der
Extremitätengefäße
bei Kälte) zugelassen
Ø
Einige
Präparate sind auch für die Bluthochdruckkrise zugelassen
Es gibt
mittlerweile verschiedene Untergruppierungen der Kalziumantagonisten. Diese
unterscheiden sich in ihrer Wirkung prinzipiell nicht. Wohl gibt es aber
einzelne Nuancen in Bezug auf die Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder
Gegenanzeigen. So wirkt das Nifedipin eher herzfrequenzsteigernd, das Diltiazem
verlangsamt eher den Herzschlag, was unter Umständen auch therapeutisch genutzt
werden kann. Einige Mittel sind auch für die Behandlung bestimmter
Herzrhythmusstörungen zugelassen (z.B. Verapamil bei
Vorhofflimmern). Aus
Gründen der Übersichtlichkeit möchte ich hier nur Eigenschaften des „ältesten“
Kalziumantagonisten, nämlich des Nifedipin, vorstellen. Bei allen anderen
Kalziumantagonisten schaut es ähnlich aus, aber eben nicht exakt identisch.
Tab. 2
Kalziumantagonisten in Deutschland (unvollständige Aufzählung)
|
Substanz |
Handelsname |
|
Nifedipin |
z.B. Adalat® |
|
Nicardipin |
z.B. Antagonil® |
|
Nisoldipin |
z.B. Baymycard® |
|
Amlodipin
|
z.B. Norvasc® |
|
Verapamil
|
z.B. Isoptin® |
|
Gallopamil
|
z.B. Procorum® |
|
Diltiazem |
z.B. Dilzem® |
Die
Rote-Liste 2004 enthält 82 verschiedene Kalziumantagonisten. Unter
Berücksichtigung verschiedener Dosierungen gibt es mehrere hundert verschiedene
Präparate!
Tab. 3
Wichtige Gegenanzeigen für Kalziumantagonisten
Ø
Herz-Kreislauf-Schock
Ø
Instabile
Angina pectoris
Ø
Akuter
Herzinfarkt (erste 4 Wochen)
Ø
Höhergradige
Aortenklappenverengungen
Ø
Anwendung von
Rifampicin (ein bestimmtes Antibiotikum)
Ø
Schwangerschaft
Ø
Stillzeit
Kalziumantagonisten können, müssen aber nicht, zahlreiche
Nebenwirkungen
entfalten. Am auffälligsten und am unangenehmsten ist der sogenannte „Flush“.
Dabei kommt es kurz nach Einnahme zu einem heißen, roten Kopf. Im Prinzip zeigt
diese
Nebenwirkung
nur an, dass das Mittel besonders gut wirkt, die Gefäße
werden nämlich erweitert. Ähnlich ist der
Kopfschmerz
zu bewerten, der durch die
Gefäßerweiterung des Mittels zustande kommt. Tröstlich ist, dass diese
Nebenwirkung
im Laufe der Zeit nachlässt. Wenn sie auftritt, so sollten Sie (in
Absprache mit dem Arzt) die Dosierung reduzieren und schrittweise ganz langsam
steigern. Die nächst höhere Dosis sollten Sie erst dann nehmen, wenn die zur
Zeit eingenommene Dosis gut vertragen wird. Wer zu Beinschwellungen neigt, kann
mit Kalziumantagonisten eine Verstärkung dieser Beschwerden erleben. Wenn der
Puls ohnehin schon zu schnell ist, würde man keinen Kalziumantagonisten vom Typ
des Nifedipin, sondern eher Verapamil oder Diltiazem geben.
Wechselwirkungen mit anderen Mitteln
Wenn
Sie andere Blutdruckmittel einnehmen, so verstärkt sich natürlich die
blutdrucksenkende Wirkung der eingesetzten
Medikamente. Aber auch
Antidepressiva
können zu einer Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung führen.
Kalziumantagonisten können die Herzleistung etwas vermindern. Dies macht sich in
der Regel nicht bemerkbar, wohl aber wenn andere
Medikamente eingenommen werden,
die auch die Herzleistung schwächen können (z.B.
Betablocker
und manche
Antiarrhythmika). Bei gleichzeitiger Einnahme wird der Wirkspiegel von Digoxin
(einem Herzstärkungsmittel) erhöht, was sogar zu Überdosierungen führen kann.
Auch Theophyllin (ein Asthmamittel) wird durch einen höheren Wirkspiegel
verstärkt. Cephalosporine (bestimmte Antibiotika) werden plötzlich wirksamer,
aber auch „nebenwirksamer“. Ein Stoff verstärkt hingegen die Wirkung der
Kalziumantagonisten, nämlich der Grapefruitsaft. Er enthält Substanzen, die den
Abbau verzögern. Bei Einnahme von Nifedipin sollten Sie daher keine größeren
Mengen von Grapefruitsaft trinken – oder regelmäßig exakt die gleiche Menge und
dann aber unter Blutdruckkontrolle eine geringere Dosis von Nifedipin (bei den
meisten anderen Kalziumantagonisten gibt es diese Wechselwirkung nicht).
Fazit
Kalziumantagonisten sind bewährte Blutdruckmittel, die trotz der Entwicklung
neuerer Substanzklassen immer noch ihre Bedeutung behalten haben. Der
Bluthochdruck sollte aber vorrangig mit naturheilkundlichen Maßnahmen reguliert
werden, bevor auf
Medikamente zurückgegriffen wird.
Tab. 4
Nebenwirkungen von Kalziumantagonisten
Ø
Flush
(Hautrötung, häufig)
Ø
Juckreiz,
Hautausschlag (selten)
Ø
Muskelschmerz,
-zittern (Einzelfälle)
Ø
Kopfschmerzen
(häufig)
Ø
Übelkeit,
Völlegefühl,
Durchfall (selten)
Ø
Tachykardie
(schnelles Herzschlagen, gelegentlich)
Ø
Herzinfarkt
(Einzelfälle)
Ø
Beinödeme
(gelegentlich)
Ø
Blutbildveränderungen (selten)
Tab. 5
Wechselwirkungen von Kalziumantagonisten mit anderen
Medikamenten
Ø
Blutdrucksenkende
Medikamente
(Wirkung verstärkt)
Ø
Trizyklische
Antidepressiva (blutdrucksenkende Wirkung verstärkt)
Ø
Nitrate
(blutdrucksenkende Wirkung verstärkt, Herzfrequenz erhöht)
Ø
Betablocker
(blutdrucksenkende Wirkung verstärkt, gelegentlich
Herzschwäche)
Ø
Herzrhythmusmittel wie Amiodaron, Chinidin (Herzschwäche)
Ø
Digoxin
(erhöhter Digoxinspiegel)
Ø
Theophyllin
(erhöhter Theophyllinspiegel)
Ø
Cephalosporin
(erhöhter Cephalosporinspiegel)
Ø
Grapefruitsaft
(verminderter Abbau des Kalziumantagonisten)
Aus
Gründen der Übersichtlichkeit und des mangelndes Platzes wurden nur die
Gegenanzeigen,
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Kalziumantagonisten, der
am häufigsten verwendeten Mittel wiedergegeben. Bei den anderen Klassen von
Kalziumantagonisten gibt es häufig ähnliche Empfehlungen. Gegebenenfalls
bestehende Abweichungen gehen aber aus den Beipackzetteln der
Medikamente
hervor. Aus Platzgründen sind die Tabellen auch nicht vollständig.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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Aktualisiert: Juni
2010
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