Hormone Ersatztherapie Teil 1 - Das böse Erwachen aus einem schönen Traum Viele
Millionen Frauen nehmen in den Wechseljahren Ersatzpräparate für Hormone ein -
teilweise weil sie unter starken Wechseljahrsbeschwerden leiden, teilweise weil
ihr Frauenarzt ihnen einen schützenden Effekt vor
Herzinfarkt,
Schlaganfall oder
Warum überhaupt
Irgendwann im Leben einer Frau - oft im Alter von etwa 45 bis 50 Jahren - beginnt die körpereigene Produktion der Hormone zu stocken, die sogenannten Wechseljahre setzen ein. Dies ist biologisch auch sinnvoll, da es offensichtlich in der Evolution keinen Vorteil bietet, wenn ältere Frauen noch Kinder gebären und aufziehen. Mit der versiegenden Produktion der Hormone setzen auch verschiedene biologische Veränderungen ein, die die Frauen subjektiv belasten und objektiv gefährden können. Während
bei Männern nach dem 35. Lebensjahr die Knochendichte kontinuierlich langsam
abnimmt, gibt es bei Frauen in den Wechseljahren geradezu einen Absturz der
Knochendichte. Dasselbe gilt für die Fettwerte: Das
Cholesterin und die
Der
konsequente Schritt war dann, Frauen im Klimakterium Hormone zu geben und die
Auswirkungen zu beobachten. Und tatsächlich nahm die Knochendichte langsamer ab,
das
Cholesterin und die
Hormone - Natürliche Therapie (?) Die eingesetzten Hormone kommen in unserem Körper natürlicherweise vor (oder sind den natürlichen sehr ähnlich). Wenn diese Hormone eingenommen werden, wird damit also „nur“ etwas Natürliches nachgeahmt. Was fehlt, wird ersetzt. Wenn wir wegen Wadenkrämpfen Magnesium einnehmen, substituieren wir ja auch etwas auf ganz natürliche Weise. Hinzu kommt noch, dass das erste, im Jahre 1942 in Amerika zugelassene Präparat der Hormone aus Stutenharn gewonnen worden war, also auch eine natürliche Herkunft aufwies. Auch heute gibt es noch Hormonersatzpräparate, die aus Pferdeurin gewonnen werden (die unter Tierschutzaspekten sehr bedenklichen Haltungsbedingungen von Stuten, die ständig einen Urinsammelbeutel tragen müssen, seien hier nur am Rande erwähnt). Für die Befürworter der Hormone rsatztherapie ist diese Behandlung gewissermaßen die reinste Naturheilkunde: Natürliche, biologische Abläufe werden nachgeahmt und unterstützt und das auch noch mit naturähnlichen Substanzen oder solchen natürlicher Herkunft. Hormone - Kritik seitens der Naturheilkundler Darum
ist es eigentlich unverständlich, warum gerade aus den Reihen der
Naturheilkundler so starke Kritik an der Ersatztherapie für Hormone laut wurde.
Die Argumentation von dieser Seite: Altern ist etwas Natürliches. Dieser
Prozess kann und sollte mit naturheilkundlichen Mitteln begleitet werden, wenn
dabei Beschwerden auftreten. Eine beispielsweise 70jährige Großmutter sollte
aber hormonell nicht künstlich auf dem Stand einer 30jährigen gehalten werden.
Die Ersatztherapie für Hormone wurde nämlich nicht nur dafür eingesetzt, die
vorübergehenden Wechseljahrsbeschwerden (eben auch nur vorübergehend für
beispielsweise fünf Jahre) zu lindern, sondern immer mehr wurde dazu
übergegangen, eine lebenslange Dauertherapie zu etablieren. Das
Hormone - Der Schuster blieb nicht bei seinen Leisten So überschritten Gynäkologen nach und nach ihr ureigenes Fachgebiet und beschränkten sich keineswegs auf die Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden, sondern wurden „bessere“ Orthopäden und Kardiologen. Böse Zungen behaupten, dass die Gynäkologen dabei nicht nur von uneigennützigen Motiven bewegt waren. Eine Frau unter einer Ersatztherapie für Hormone bedarf nämlich einer engmaschigeren gynäkologischen Überwachung als eine Frau ohne. Die Untersuchungsfrequenz und damit auch die Einnahmen konnten also zunehmen. Ich glaube persönlich nicht, dass dieses der Haupt- und alleinige Beweggrund für die Forderung der Gynäkologen nach flächendeckender Ersatztherapie für Hormone war. Ich bin überzeugt, dass die meisten Gynäkologen voller Überzeugung, den betreuten Frauen etwas Gutes zu tun und Risiken vermieden zu helfen, zu dieser Behandlung geraten haben. Dass dabei noch ein vermehrter Umsatz als „Nebenwirkung“ eintrat hieß doch nichts anderes als das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden... Hormone - Polarisierung statt differenzierter Betrachtung Die
Polarität zwischen Pro und Contra Ersatztherapie für Hormone wurde immer
stärker, die Argumentation immer einseitiger, die Auseinandersetzung immer
giftiger: „Jede Frau in und nach den Wechseljahren muss Hormone bekommen!“ stand
gegen die Aussage „Keine Frau sollte Hormone einnehmen, da sie unnatürliches
Teufelszeug darstellen!“. Leider gab es wenig differenzierte Stellungnahmen. Von
einem Endokrinologen (Facharzt für die Funktion von Drüsen und Hormone
n) hörte ich - noch
vor den aktuellen Studienergebnissen - sinngemäß folgendes Statement: „Ein
Drittel aller Frauen in den Wechseljahren benötigt überhaupt keinen Hormone
rsatz, da keinerlei
Beschwerden oder Risiken vorliegen. Ein Drittel aller Frauen sollte auf jeden
Fall Hormone erhalten, da beispielsweise eine therapieresistente
Depression oder
eine Häufung starker
Über die genannten Zahlen konnte man sich damals schon streiten, heute wird dieser Endokrinologe unter dem Druck der neuen Erkenntnisse diese vielleicht selbst revidiert haben, vorbildhaft in der Diskussion finde ich jedoch das gute Abwägen der Argumente und die Betonung des Patienten im Mittelpunkt. Hormone - Was sagt eigentlich die Wissenschaft? Wir
leben heute in einem Zeitalter der Wissenschaft, welche die evidenzbasierte
Medizin auf ihre Fahnen geschrieben hat. Evidenz bedeutet dabei nicht
„offensichtlich“, wie es vielleicht aus der deutschen Bedeutung des Wortes
„evident“ naheliegt („Es ist offensichtlich, dass Hormone den Fettstoffwechsel
verbessern. Da
erhöhte Fettwerte das
Herzinfarktrisiko steigern, müssen Hormone
zwangsläufig das Risiko senken.“). Evidenz lehnt sich dabei an das englische „evidence“
für „Beweis“ an. Es sollten also möglichst nur solche Therapien durchgeführt
werden, die den Nachweis ihrer Wirksamkeit erbracht haben. Unter Wirksamkeit im
engeren Sinne wird dabei aber nicht verstanden, sogenannte Surrogatparameter wie
Cholesterin oder
Obwohl Hormone seit Jahrzehnten eingesetzt worden waren, war ein solcher Nachweis nämlich niemals erbracht worden! Am mangelnden Geld kann es nicht gelegen haben (allein das US-Unternehmen Wyeth machte mit Hormone - Präparaten im letzten Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz). An der Bereitschaft von Wissenschaftlern, sich dieser Fragestellung anzunehmen, kann es auch nicht gefehlt haben. So erschien vor einiger Zeit im Deutschen Ärzteblatt ein Bericht über eine sehr sorgfältig, geplante, große Studie an mehreren zehntausend Frauen in mehreren Ländern Europas. Sie sollte endgültigen Aufschluss darüber geben, welchen Nutzen und welche Risiken mit einer Ersatztherapie für Hormone zu erwarten sind. Alles sollte gut dokumentiert, objektiv und unabhängig beurteilt werden. Das Studiendesign hatte sämtliche Prüfungen durch verschiedene Ethikkomissionen glänzend bestanden. Die Ergebnisse sollten endgültig dem oft ideologisch verbrämten Streit der unversöhnlichen Gegner in der Diskussion um Hormone ein wissenschaftliches Ende bereiten. Das Ende vom Lied: Die Studie kam nicht zustande, weil die Pharmaindustrie nicht mitspielte Hormone - Die entscheidende Studie In Amerika war man schon weiter: 1992 wurde eine große Studie mit dem Ziel geplant, den Nutzen einer Ersatztherapie für Hormone bei postmenopausalen (nach den Wechseljahren) Frauen wissenschaftlich zu untermauern. 16.000 Frauen erhielten dabei eine Östrogen-Gestagen-Kombination oder ein Placebo (Scheinmedikament). Man erwartete, dass in der Gruppe der „richtig“ behandelten Frauen weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle, Knochenbrüche und andere Erkrankungen aufträten, die sonst im Alter gehäuft vorkommen. Aufgrund einer Zwischenprüfung wurde diese bislang weltweit größte Studie zur Hormonthematik vom NIH (Nationales Gesundheitsinstitut der USA) vorzeitig bereits nach fünf anstelle der geplanten neun Jahre abgebrochen, da die eine Gruppe der Patientinnen statistisch signifikante Nachteile aufwies. Der Abbruchgrund war aber ein anderer als von den Wissenschaftlern und den Pharmavertretern erwartet worden war: Die Studie wurde beendet, weil die mit Hormone n behandelte Gruppe mehr Brustkrebs und Herzinfarkte aufwies als die mit Placebo behandelten Frauen! Die Ergebnisse im Einzelnen: Von 10.000 Frauen unter Placebo waren pro Jahr 30 an Brustkrebs erkrankt, in der Hormone - Gruppe waren es jedoch ganze 38, also acht Brustkrebsfälle mehr pro Jahr pro 10.000 Frauen unter der verwendeten Östrogen-Progesteron-Kombination! Dies entspricht einer relativen Zunahme von mehr als einem Viertel. Darüber hinaus müssen von diesen 10.000 Frauen immerhin sieben mit einem zusätzlichen Herzinfarkt, acht mit einem Schlaganfall und achtzehn mit einer Thrombose rechnen. Der Nutzen von sechs vermiedenen Darmkrebsfällen und fünf Oberschenkelhalsfrakturen weniger sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, aber entscheidend ist, „dass die Nachteile die Vorteile an Häufigkeit übertreffen“, so Jacques Rossouw vom National Heart, Lung, and Blood Institute. Nutzen Sie keine Hormone zur Vorbeugung! Insgesamt sind die Risiken als nicht sehr hoch zu bezeichnen, jedoch muss eine von 100 Frauen unter Ersatztherapie für Hormone mit einer schweren Nebenwirkung innerhalb von fünf Jahren Behandlung rechnen. „Nutzen Sie daher keine Östrogen-Gestagen-Präparate, um einer chronischen Erkrankung vorzubeugen!“ fordern daher Suzanne Fletcher und Grahma Colditz von der Harvard Universität in einem Kommentar im JAMA, dem amerikanischen Ärzteblatt. Man darf sich gar nicht ausmalen, wie viele Frauen in den letzten Jahrzehnten unnötigerweise mit einer Ersatztherapie für Hormone behandelt worden sind, um bestimmten Erkrankungen vermeintlich vorzubeugen, um dann genau diese und andere noch dazu vermehrt zu erleiden! Im prozessfreudigen Amerika wittern Anwälte wieder einmal fette Beute und bereiten gerade Sammelklagen mit Milliardenforderungen vor. Während gynäkologische Fachgesellschaften noch vor zwei Jahren vehement den Einsatz von Hormone n als Herzschutz forderten, müssen sie nun kleinlaut eingestehen: „Für eine langfristige Anwendung als Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Ersatztherapie für Hormone nicht geeignet.“ Hormone - Was sagt denn das BfArM? Das
Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) soll die deutsche
Bevölkerung u.a. vor
Medikamenten schützen, deren Nutzen-Risiko-Verhältnis
ungünstig ist. Beim
Bei der
Ersatztherapie für Hormone, von der bereits heute behauptet werden darf, dass
sie überflüssigerweise mehrere hundert, wenn nicht tausend
Krebse,
Herzinfarkte,
Thrombosen und Todesfälle zu verantworten hat, ist das BfArM erstaunlich zahm:
„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint die Anwendung der Hormone - Präparate bei
ausgeprägten Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und
Stimmungsschwankungen für einen überschaubaren Zeitraum nach wie vor vertretbar.
Sie sollte aber nur nach Ausschluss von
Hormone - Rückzugsgefechte der Pharma-Industrie Wie reagiert die Pharma-Industrie und ein Teil der gynäkologischen Ärzteschaft angesichts der nicht nur für Frauen, sondern auch für die eigenen Umsätze bedrohlichen Erkenntnisse? Bevor sämtliche Felle weg zu schwimmen drohen, versucht man zu retten, was zu retten ist. So veröffentlicht der Berufsverband der Frauenärzte, „dass der Studienabbruch auf die Effekte der Östrogen-Gestagen-Medikation zurückzuführen“ ist, sei äußerst zweifelhaft. „Die vorgelegten Daten besitzen nur höchst eingeschränkte Relevanz für deutsche Verhältnisse.“ Und aus der deutschen Menopause-Gesellschaft ist zu vernehmen: „Die Ergebnisse der WHI-Studie lassen sich - zumindest hinsichtlich der koronaren Herzkrankheit - nicht auf die möglichen Wirkungen anderer Hormonsubstitutionspräparate übertragen.“ Mit anderen Worten: Das in Amerika verwendete Präparat mag zwar tatsächlich gefährlich sein, aber wir haben doch ganz andere Mittel und die sind ungefährlich. Für diese optimistische Annahme gibt es jedoch überhaupt keine Beweise. Hormone - Umkehr der Beweislast Alle bisher durchgeführten Studien, die kontrolliert, randomisiert (Zufallsverteilung auf „richtige“ und Placebo-Therapie) und doppelblind - also nach den Goldstandards der medizinischen Wissenschaft - durchgeführt worden sind, sprechen gegen einen Nutzen bei der Prävention chronischer Erkrankungen. Wer behauptet, dass für „seine“ Präparate etwas anderes gilt, der muss nunmehr auch den harten Beweis dafür antreten. Hormone zur Therapie Wenn also die Vorbeugung von chronischen Krankheiten nicht zu gelingen scheint, können Hormone dann noch zur Therapie von Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt werden? Prinzipiell ja. Es sollte dabei aber eine sehr sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden. Nur wenn starke, mit anderen Maßnahmen nicht beeinflussbare klimakterische Beschwerden vorliegen, kann eine Anzeige für eine Ersatztherapie für Hormone gegeben sein. Sollten
sich Arzt und Patient nach reiflicher Überlegung für die Ersatztherapie für
Hormone entschieden haben, so sollte diese so kurz wie möglich sein, da die
Risiken z.B. für
Brustkrebs mit der Dauer der Anwendung kontinuierlich
anwachsen. Was Sie auf keinen Fall tun sollten: Ihr Hormonpräparat eigenmächtig
absetzen! Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Gynäkologen und fragen Sie danach,
welche Konsequenzen er aus den neuen Studien zieht und warum eine Weitergabe bei
Ihnen zwingend erforderlich sein sollte. Wenn Sie den Eindruck haben, dass er
die neuen Studien gar nicht zur Kenntnis nimmt oder nehmen will und er so weiter
verordnen will, weil wir „es schon immer so gemacht haben, und er noch nie eine
Wann sind Hormone erforderlich und wann nicht: Ø Bei starken Wechseljahrsbeschwerden, die auf andere Mittel nicht ansprechen, kann eine wohlüberlegte, zeitlich beschränkte Ersatztherapie für Hormone sinnvoll sein. Ø Bei Osteoporose streiten sich die Gelehrten noch. Auch hier gibt es mittlerweile aber wirksame naturheilkundliche und schulmedizinische Alternativen. Ø Zur Vorbeugung von Herzinfarkt oder Schlaganfall hat die Ersatztherapie für Hormone bis auf Weiteres ausgedient. Hormone die nur zu diesem Zweck eingesetzt worden sind, sollten in Absprache mit dem Arzt umgehend abgesetzt werden. Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de Siehe auch Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Wechseljahrsbeschwerden, Kap. Osteoporose.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz. Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
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