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HABICHTSWALDKLINIK
Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde
Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz
34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Entwässerungsmittel ©
Alle Substanzen, die die Ausscheidung steigern, sind eigentlich
Entwässerungsmittel, z.B. auch klares Wasser. Im engeren Sinne bezeichnen wir
als Entwässerungsmittel aber nur solche Stoffe, die in ihrer Wirkung direkt an der Niere
ansetzen.
Wie
wirken
Entwässerungsmittel?
Die
Nieren produzieren aus dem Blut an einem Tag etwa 200 l sogenannten Primärharn.
Durch einen komplexen Prozess gelingt es der Niere, diese riesige Menge auf die
normalen 1-3 l einzudicken. Die großartige Leistung der Niere besteht also nicht
darin, viel Urin zu produzieren, sondern im Gegenteil durch eine starke
Konzentration möglichst wenig Harn zu bilden. Die Entwässerungsmittel setzen nun an
verschiedenen Stellen dieses Rückresorptionsmechanismus an und führen so zur
vermehrten Ausscheidung von Elektrolyten (Blutsalzen wie Natrium, Kalium,
Magnesium und Chlorid) und von Wasser.
Wann
werden Entwässerungsmittel eingesetzt?
Die
wichtigsten Heilanzeigen für Entwässerungsmittel sind
Ödeme, also Wasseransammlungen im
Körper. Diese können ihre Ursache in Störungen der Herz-, Nieren- oder
Leberfunktion haben. Eine Heilung wird dabei aber nicht erzielt, es wird
vielmehr nur das Symptom behandelt. Da Entwässerungsmittel Wasser und Salz ausschwemmen,
entlasten sie das Herz-Kreislauf-System und werden daher bei fortgeschrittener
Herzschwäche eingesetzt. Als
Nebenwirkung führt die Wasser- und Salzausscheidung
zu einer Blutdruckabsenkung, die daher auch therapeutisch bei entsprechend
hohen
Blutdruckwerten genutzt werden kann. Auch bei Wasseransammlungen im Körper
infolge einer Leberstörung (z.B. Zirrhose) werden Entwässerungsmittel
eingesetzt.
Tab. 1
Anzeigen für Entwässerungsmittel
Ø
Bluthochdruck
Ø
Ödeme bei
Herz-, Leber-, Nierenschwäche
Tab. 2
Entwässerungsmittel in Deutschland (unvollständige Aufzählung)
|
Substanz |
Handelsname |
|
Hydrochlorothiazid |
z.B. Esidrix® |
|
Xipamid |
z.B. Aquaphor® |
|
Chlortalidon |
z.B. Hygroton® |
|
Furosemid |
z.B. Lasix® |
|
Torasemid |
z.B. Torem® |
|
Spironolacton |
z.B. Aldactone® |
|
Kombinationen, z.B. Thiazid/Triamteren |
z.B. Dytide H® |
Die
Rote-Liste 2001 enthält 117 verschiedene Entwässerungsmittel. Unter Berücksichtigung
verschiedener Dosierungen gibt es mehrere hundert verschiedene Präparate!
Tab. 3
Wichtige Gegenanzeigen für Entwässerungsmittel (vom Thiazidtyp)
Ø
Hochgradige
Niereninsuffizienz (dann kämen sogenannte Schleifendiuretika wie
Furosemid in
Frage)
Ø
Schwere
Leberfunktionsstörungen
Ø
Niedriges
Kalium oder Natrium im Blut
Ø
Flüssigkeitsmangel
Ø
Zu hohes
Kalzium im Blut
Ø
Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide
Ø
Schwangerschaft und Stillzeit (da die Substanz plazentagängig ist und in die
Muttermilch
übergeht)
Bei
einer leichten Niereninsuffizienz (Serum-Kreatinin bis 1,8 mg/dl) können
Thiazide unter guter ärztlicher Kontrolle noch eingesetzt werden.
Entwässerungsmittel können, müssen aber nicht, zahlreiche
Nebenwirkungen
entfalten. Aus
meiner Sicht ist besonders nachteilig, dass sie nicht stoffwechselneutral sind,
d.h. sie beeinflussen den Fett- und den Zuckerstoffwechsel ungünstig. Da
Patienten mit
hohen Blutdruck in diesen Bereichen nicht selten Probleme haben,
wird möglicherweise der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, denn was nützt
es, wenn der Blutdruck gut eingestellt ist, dafür aber Blutzucker und Fettwerte
verschlechtert werden. Auch die Harnsäure steigt meist an, was bei Menschen mit
Neigung zu erhöhter Harnsäure bis zu einem
Gichtanfall führen kann. Bestehen die
angesprochenen Stoffwechselprobleme bereits, so ist bei entsprechender
Indikation die Verschreibung eines anderen, stoffwechselneutralen
Blutdruckmittels vorzuziehen.
Eine
weitere ungünstige Wirkung ist die Ausscheidung der Elektrolyte. Beim Natrium
ist dies sogar erwünscht, nicht jedoch bei Kalium oder Magnesium, die leider
auch vermehrt ausgeschieden werden. Fatal ist dies deshalb, weil Kalium- oder
Magnesiummangel auch mit
Bluthochdruck vergesellschaftet sein können. Patienten
unter Entwässerungsmittel sollten also auf eine Ernährung achten, die reich an Kalium und
Magnesium ist und bei
nachgewiesenem Mangel diese Mineralstoffe großzügig
zuführen.
Auch
Menschen, die zu
Verstopfung
neigen, sollten möglichst andere Wege der
Blutdrucksenkung gehen. Entwässerungsmittel „trocknen“ den Körper etwas aus, wodurch auch
der Stuhl härter werden kann. Über die Kalium- und Magnesiumverluste sowie die
Beeinträchtigung der Darmmuskulatur wird die Verdauung dann weiter
beeinträchtigt.
Fazit
Entwässerungsmittel sind bei schwerer
Herzschwäche und (bestimmte Diuretika) bei
fortgeschrittener Niereninsuffizienz unverzichtbare
Medikamente. Der
Bluthochdruck sollte vorrangig mit naturheilkundlichen Maßnahmen reguliert
werden, bevor auf
Medikamente zurückgegriffen wird. Bei
Diabetes,
erhöhten
Fettwerten oder
erhöhter Harnsäure sind andere Mittel meist vorteilhafter. Oft
werden Entwässerungsmittel von Ärzten reflexartig bei „dicken Beinen“ eingesetzt. Hier ist
die Wirkung nur symptomatisch. Die Ursachen – meist eine Venenschwäche und/oder
deutliches Übergewicht – werden dabei nicht angegangen.
Entwässerungsmittel können oft
abgesetzt werden, wenn es gelingt, ein erhöhtes Gewicht zu normalisieren.
Tab. 4
Nebenwirkungen von Entwässerungsmittel (vom Thiazidtyp)
Ø
Mundtrockenheit, Durst (bei starker Entwässerung)
Ø
Zu
niedriger
Blutdruck
Ø
Verstopfung
Ø
Erhöhung der
Cholesterin- und
Triglyceridspiegel
Ø
Erhöhung der
Harnsäure (Gicht!), des Kreatinins und des Harnstoffes
Ø
Erhöhung des
Blutzuckers
Ø
Herzrhythmusstörungen (durch Elektrolytmangel)
Ø
Muskelschwäche
Ø
Müdigkeit,
Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche
Ø
Übelkeit,
Erbrechen, Oberbauchbeschwerden
Ø
Sehstörungen
(bei zu geringer Tränenflüssigkeit)
Ø
Juckreiz,
Überempfindlichkeit gegen Licht, Gelbsucht, Lupus
Ø
Potenzstörungen
Ø
Thrombose (bei
zu starker Blutkonzentration durch die Entwässerung)
Ø
In
Einzelfällen Störungen der Blutbildung,
Bauchspeicheldrüsenentzündung,
Nierenversagen
Tab. 5
Wechselwirkungen von Entwässerungsmittel (vom Thiazidtyp) mit anderen
Medikamenten
Ø
Blutdrucksenkende Medikamente (Wirkung verstärkt)
Ø
Antidepressiva
(blutdrucksenkende Wirkung verstärkt)
Ø
ACE-Hemmer
(überschießender Blutdruckabfall oder Verschlechterung der Nierenfunktion
möglich)
Ø
Antirheumatika
(NSAR) (entwässernde und blutdrucksenkende Wirkung vermindert)
Ø
Orale
Antidiabetika
(zuckersenkende Wirkung vermindert)
Ø
Harnsäuresenkende Mittel (harnsäuresenkende Wirkung vermindert)
Ø
Herzglykoside
(z.B. Digitalis) (Wirkungen und Nebenwirkungen von
Digitalis durch Kalium-
oder
Magnesiummangel verstärkt, Gefahr des Kammerflimmerns!)
Ø
Laxantien
(Abführmittel) (vermehrte Kaliumausscheidung)
Ø
Kortikoide
(vermehrte Kaliumausscheidung)
Ø
Lithium (herz-
und nervenschädigende Wirkung von Lithium verstärkt)
Ø
Zytostatika
und MTX (knochenmarksschädigende Wirkung verstärkt)
Aus Gründen der
Übersichtlichkeit und des mangelndes Platzes wurden nur die Gegenanzeigen,
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Thiazide, der am häufigsten verwendeten
Entwässerungsmittel wiedergegeben. Bei den anderen Klassen von
Entwässerungsmittel gibt es häufig
ähnliche Empfehlungen. Gegebenenfalls bestehende Abweichungen gehen aber aus den
Beipackzetteln der
Medikamente hervor. Aus Platzgründen sind die Tabellen auch
nicht vollständig.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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Aktualisiert: Juni
2010
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