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Entwässerungsmittel ©  


Alle Substanzen, die die Ausscheidung steigern, sind eigentlich Entwässerungsmittel, z.B. auch klares Wasser. Im engeren Sinne bezeichnen wir als Entwässerungsmittel aber nur solche Stoffe, die in ihrer Wirkung direkt an der Niere ansetzen. 

Wie wirken Entwässerungsmittel? 

Die Nieren produzieren aus dem Blut an einem Tag etwa 200 l sogenannten Primärharn. Durch einen komplexen Prozess gelingt es der Niere, diese riesige Menge auf die normalen 1-3 l einzudicken. Die großartige Leistung der Niere besteht also nicht darin, viel Urin zu produzieren, sondern im Gegenteil durch eine starke Konzentration möglichst wenig Harn zu bilden. Die Entwässerungsmittel setzen nun an verschiedenen Stellen dieses Rückresorptionsmechanismus an und führen so zur vermehrten Ausscheidung von Elektrolyten (Blutsalzen wie Natrium, Kalium, Magnesium und Chlorid) und von Wasser. 

Wann werden Entwässerungsmittel eingesetzt? 

Die wichtigsten Heilanzeigen für Entwässerungsmittel sind Ödeme, also Wasseransammlungen im Körper. Diese können ihre Ursache in Störungen der Herz-, Nieren- oder Leberfunktion haben. Eine Heilung wird dabei aber nicht erzielt, es wird vielmehr nur das Symptom behandelt. Da Entwässerungsmittel Wasser und Salz ausschwemmen, entlasten sie das Herz-Kreislauf-System und werden daher bei fortgeschrittener Herzschwäche eingesetzt. Als Nebenwirkung führt die Wasser- und Salzausscheidung zu einer Blutdruckabsenkung, die daher auch therapeutisch bei entsprechend hohen Blutdruckwerten genutzt werden kann. Auch bei Wasseransammlungen im Körper infolge einer Leberstörung (z.B. Zirrhose) werden Entwässerungsmittel eingesetzt. 

Tab. 1   Anzeigen für Entwässerungsmittel

Ø      Bluthochdruck

Ø      Ödeme bei Herz-, Leber-, Nierenschwäche 

Tab. 2   Entwässerungsmittel in Deutschland (unvollständige Aufzählung)

Substanz Handelsname
Hydrochlorothiazid z.B. Esidrix®
Xipamid z.B. Aquaphor®
Chlortalidon    z.B. Hygroton®
Furosemid  z.B. Lasix®
Torasemid  z.B. Torem®
Spironolacton  z.B. Aldactone®
Kombinationen, z.B. Thiazid/Triamteren z.B. Dytide H®

Die Rote-Liste 2001 enthält 117 verschiedene Entwässerungsmittel. Unter Berücksichtigung verschiedener Dosierungen gibt es mehrere hundert verschiedene Präparate! 

Tab. 3   Wichtige Gegenanzeigen für Entwässerungsmittel (vom Thiazidtyp) 

      Ø      Hochgradige Niereninsuffizienz (dann kämen sogenannte Schleifendiuretika wie
         Furosemid in Frage)
Ø      Schwere Leberfunktionsstörungen
Ø      Niedriges Kalium oder Natrium im Blut
Ø      Flüssigkeitsmangel
Ø      Zu hohes Kalzium im Blut
Ø      Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide
Ø      Schwangerschaft und Stillzeit (da die Substanz plazentagängig ist und in die Muttermilch
         übergeht) 

Bei einer leichten Niereninsuffizienz (Serum-Kreatinin bis 1,8 mg/dl) können Thiazide unter guter ärztlicher Kontrolle noch eingesetzt werden. 

Zahlreiche Nebenwirkungen sind möglich 

Entwässerungsmittel können, müssen aber nicht, zahlreiche Nebenwirkungen entfalten. Aus meiner Sicht ist besonders nachteilig, dass sie nicht stoffwechselneutral sind, d.h. sie beeinflussen den Fett- und den Zuckerstoffwechsel ungünstig. Da Patienten mit hohen Blutdruck in diesen Bereichen nicht selten Probleme haben, wird möglicherweise der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, denn was nützt es, wenn der Blutdruck gut eingestellt ist, dafür aber Blutzucker und Fettwerte verschlechtert werden. Auch die Harnsäure steigt meist an, was bei Menschen mit Neigung zu erhöhter Harnsäure bis zu einem Gichtanfall führen kann. Bestehen die angesprochenen Stoffwechselprobleme bereits, so ist bei entsprechender Indikation die Verschreibung eines anderen, stoffwechselneutralen Blutdruckmittels vorzuziehen. 

Eine weitere ungünstige Wirkung ist die Ausscheidung der Elektrolyte. Beim Natrium ist dies sogar erwünscht, nicht jedoch bei Kalium oder Magnesium, die leider auch vermehrt ausgeschieden werden. Fatal ist dies deshalb, weil Kalium- oder Magnesiummangel auch mit Bluthochdruck vergesellschaftet sein können. Patienten unter Entwässerungsmittel sollten also auf eine Ernährung achten, die reich an Kalium und Magnesium ist und bei nachgewiesenem Mangel diese Mineralstoffe großzügig zuführen. 

Auch Menschen, die zu Verstopfung neigen, sollten möglichst andere Wege der Blutdrucksenkung gehen. Entwässerungsmittel „trocknen“ den Körper etwas aus, wodurch auch der Stuhl härter werden kann. Über die Kalium- und Magnesiumverluste sowie die Beeinträchtigung der Darmmuskulatur wird die Verdauung dann weiter beeinträchtigt. 

Fazit

Entwässerungsmittel sind bei schwerer Herzschwäche und (bestimmte Diuretika) bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz unverzichtbare Medikamente. Der Bluthochdruck sollte vorrangig mit naturheilkundlichen Maßnahmen reguliert werden, bevor auf Medikamente zurückgegriffen wird. Bei Diabetes, erhöhten Fettwerten oder erhöhter Harnsäure sind andere Mittel meist vorteilhafter. Oft werden Entwässerungsmittel von Ärzten reflexartig bei „dicken Beinen“ eingesetzt. Hier ist die Wirkung nur symptomatisch. Die Ursachen – meist eine Venenschwäche und/oder deutliches Übergewicht – werden dabei nicht angegangen. Entwässerungsmittel können oft abgesetzt werden, wenn es gelingt, ein erhöhtes Gewicht zu normalisieren. 

Tab. 4   Nebenwirkungen von Entwässerungsmittel (vom Thiazidtyp)

      Ø      Mundtrockenheit, Durst (bei starker Entwässerung)
Ø      Zu
niedriger Blutdruck
Ø      Verstopfung
Ø      Erhöhung der Cholesterin- und Triglyceridspiegel
Ø      Erhöhung der Harnsäure (Gicht!), des Kreatinins und des Harnstoffes
Ø      Erhöhung des Blutzuckers
Ø     
Herzrhythmusstörungen (durch Elektrolytmangel)
Ø      Muskelschwäche
Ø      Müdigkeit,
Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche
Ø      Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden
Ø      Sehstörungen (bei zu geringer Tränenflüssigkeit)
Ø     
Juckreiz, Überempfindlichkeit gegen Licht, Gelbsucht, Lupus
Ø      Potenzstörungen
Ø     
Thrombose (bei zu starker Blutkonzentration durch die Entwässerung)
Ø      In Einzelfällen Störungen der Blutbildung, Bauchspeicheldrüsenentzündung,
         Nierenversagen 

Tab. 5    Wechselwirkungen von Entwässerungsmittel (vom Thiazidtyp) mit anderen Medikamenten

      Ø      Blutdrucksenkende Medikamente (Wirkung verstärkt)
Ø     
Antidepressiva (blutdrucksenkende Wirkung verstärkt)
Ø     
ACE-Hemmer (überschießender Blutdruckabfall oder Verschlechterung der Nierenfunktion
         möglich)
Ø      Antirheumatika (
NSAR) (entwässernde und blutdrucksenkende Wirkung vermindert)
Ø      Orale
Antidiabetika (zuckersenkende Wirkung vermindert)
Ø      Harnsäuresenkende Mittel (harnsäuresenkende Wirkung vermindert)
Ø      Herzglykoside (z.B. Digitalis) (Wirkungen und Nebenwirkungen von Digitalis durch Kalium-
         oder Magnesiummangel verstärkt, Gefahr des Kammerflimmerns!)
Ø      Laxantien (Abführmittel) (vermehrte Kaliumausscheidung)
Ø      Kortikoide (vermehrte Kaliumausscheidung)
Ø      Lithium (herz- und nervenschädigende Wirkung von Lithium verstärkt)
Ø      Zytostatika und MTX (knochenmarksschädigende Wirkung verstärkt) 

Aus Gründen der Übersichtlichkeit und des mangelndes Platzes wurden nur die Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Thiazide, der am häufigsten verwendeten Entwässerungsmittel wiedergegeben. Bei den anderen Klassen von Entwässerungsmittel gibt es häufig ähnliche Empfehlungen. Gegebenenfalls bestehende Abweichungen gehen aber aus den Beipackzetteln der Medikamente hervor. Aus Platzgründen sind die Tabellen auch nicht vollständig.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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