Clopidogrel ©
Gerinnungshemmung mit Iscover©
oder Plavix©
Clopidogrel ist ein so genannter Thrombozytenaggregationshemmer. Es handelt sich
dabei nicht um einen
Blutverdünner,
wie dies gern behauptet wird, sondern um eine bestimmte Form der
Gerinnungshemmung. Bei einer Blutung klumpen sich die Thrombozyten
(Blutplättchen) zusammen, um die Blutung zu stoppen. Unter bestimmten
Bedingungen geschieht dies aber auch im Blutgefäß, etwa bei Rauigkeiten der
Gefäßwand durch
arteriosklerotische Gefäßveränderungen. Kommt
es hier zu einem Gerinnsel, so haben wir es mit einem Gefäßverschluss zu tun –
im Herz wäre das ein
Infarkt, im Gehirn ein
Schlaganfall.
Thrombozytenaggregationshemmer verhindern also nicht das Fortschreiten einer
Arteriosklerose, sondern das Risiko für die Entstehung eines
Gefäßverschlusses durch ein Gerinnsel bei bereits vorhandener
Arteriosklerose.
Die Risikominderung bewegt sich dabei im Vergleich zu unbehandelnden
Kontrollgruppen im einstelligen Prozentbereich – nicht mehr und nicht weniger.
Risikopatienten profitieren wissenschaftlich nachgewiesen von einer
Thrombozytenaggregationshemmung – wenn keine Gegenanzeigen gegen die
medikamentöse Therapie vorliegen.

Strukturformel von Clopidogrel
Wann
ASS,
wann
Clopidogrel, wann beides?
Alle
bisherigen Ausführungen gelten gleichermaßen für
ASS
(=Acetylsalicylsäure,
z.B. Aspirin®.
Ist Clopidogrel nun das bessere
ASS?
Ist Clopidogrel gar das
ASS
für Privatpatienten? Und wann sollte man vielleicht das Eine tun, ohne das
Andere zu lassen?
Es gibt
Hinweise darauf, dass Clopidogrel bei einer symptomatischen pAVK wirksamer ist
als
ASS.
Dabei handelt es sich um eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (auf
Deutsch: Raucherbein), die auch zu Beschwerden führt. Der Betroffene muss nach
einer bestimmten Wegstrecke, beim Bergaufgehen früher, eine Pause einlegen, da
die Gefäßverengungen zu Sauerstoffmangel im arbeitenden Muskel und damit zu
Schmerzen führen. Der Patient „rettet“ sich quasi von Schaufenster zu
Schaufenster, daher auch der pittoreske Begriff „Schaufensterkrankheit“.
Für
andere Indikationen ist keine Überlegenheit der Monotherapie (es wird nur ein
Medikament
gegeben) mit Clopidogrel gegenüber
ASS
bewiesen. Im Gegenteil: Bei
Schlaganfall
werden sogar mit
ASS
bessere Langzeitergebnisse gesehen (mit Clopidgrel wurden hier vermehrte schwere
Hirnblutungen
gesehen). Clopidogrel ist – entgegen immer wieder gehörter Äußerungen –auch
nicht weniger magenschleimhautschädlich als das hierfür bekannte
ASS.
Bei
bestimmten Risikokonstellationen setzen die Ärzte mittlerweile auf die doppelte
Thrombozytenaggregationshemmung durch
ASS
plus Clopidogrel. Nach einer
Stentimplantation in eine Koronaarterie (Herzkranzgefäß) oder nach
einem akuten Koronarsyndrom (Beinahe-Herzinfarkt)
sollten, wenn nichts dagegen spricht, beide
Medikamente
für einen gewissen Zeitraum genommen werden. Die Dauer der Doppeleinnahme liegt
dabei zwischen einem Monat und einem Jahr und ist derzeit Gegenstand der
wissenschaftlichen Diskussion. Danach geht es dann mit
ASS
allein weiter. Bei einer Unverträglichkeit von
ASS
kann auch auf Clopidogrel als „Reservemittel“ zurückgegriffen werden.
Handelspräparate von
Clopidogrel:
Name
Inhalt
Iscover® Filmtbl. ~ 75 mg Clopidogrel
Plavix® Filmtbl. ~ 75 mg Clopidogrel
Anwendung
von
Clopidogrel:
Vorbeugung von Gefäßgerinnseln bei Patienten
♥ mit
Herzinfarkt
(wenige bis 35 Tage zurückliegend)
♥ mit
Schlaganfall
aufgrund einer Durchblutungsstörung (7 Tage bis 6 Mon. zurückliegend
♥
mit nachgewiesener
peripherer arterieller Versschlusskrankheit
♥
mit akutem
Koronarsyndrom in Kombination mit
Acetylsalicylsäure.
Gegenanzeigen
von
Clopidogrel:
♥
schwere
Leberfunktionsstörung
♥ akute
pathologische Blutung wie bei
Magen-Darm-Geschwüren oder
intrakraniellen Blutungen
♥
Schwangerschaft und
Stillzeit
Anwendungsbeschränkungen
von
Clopidogrel:
♥
akuter, wenige Tage
zurückliegender „richtiger“
Herzinfarkt
♥
akuter ischämischer
Schlaganfall
(weniger als 7 Tage zurückliegend)
♥
gleichzeitige Anwendung
von Warfarinen oder Cumarinen
♥
Nierenfunktions- und
Leberfunktionsstörungen mit Neigung zu Blutungen
♥
Überwachung hinsichtlich
Blutungszeichen (z. B. Blutbildkontrolle) bei erhöhter Blutungsneigung
z. B. nach einer Verletzung
♥
bei gleichzeitiger
Anwendung von
ASS,
nichtsteroidalen Antiphlogistika, Heparin oder anderen
Medikamenten,
die die Gerinnung beeinflussen
♥
Kinder und Jugendliche
unter 18 Jahren (Sicherheit und Wirksamkeit nicht untersucht)
Nebenwirkungen
von
Clopidogrel:
Blutungen:
♥
häufig:
Magen-Darm-Blutungen, andere Blutungen (Purpura, blaue Flecken, Blutergüsse,
Nasenbluten)
♥
weniger häufig:
Hämatome, Hämaturie und Augenblutungen (vor allem Bindehaut); gelegentlich:
intrakranielle Blutungen
♥
In Kombination mit
ASS:
signifikant erhöhtes Risiko für leichte, schwere und andere Blutungen
♥
Wenn die Medikation fünf
Tage vor einem operativen Eingriff abgesetzt wird, ist das
Blutungsrisiko nicht erhöht –
ansonsten schon
Sonstige
Nebenwirkungen
von
Clopidogrel:
♥
häufig: Dyspepsie,
Bauchschmerzen,
Durchfall
♥
selten:
Schwindel
♥
gelegentlich:
Kopfschmerzen,
Benommenheit und Parästhesien (Gefühlsstörungen der Haut),
Übelkeit, Gastritis,
Blähungen,
Verstopfung,
Erbrechen, Ulcus ventriculi und duodeni,
Blutungszeit verlängert und
Thrombozytenzahl vermindert, Ausschlag und Juckreiz,
Leukopenie
(verminderte weiße Blutkörperchen)
♥
sehr selten: tödliche
Blutungen, schwere
Bildungsstörungen
von roten, weißen Blutkörperchen
und/oder Blutplättchen
Wechselwirkungen
bei
Clopidogrel:
Begleitbehandlung mit anderen die Blutungsneigung fördernden
Medikamenten,
z. B. mögliche Blutungsverstärkung mit Warfarin/Cumarin, erhöhtes Blutungsrisiko
durch
ASS,
Heparin oder andere die Gerinnung hemmende
Medikamente
Nichtsteroidale Antirheumatika:
Magen-Darm-Blutungen gehäuft.
Hinweise
bei
Clopidogrel:
Clopidogrel ist 7 Tage vor einem operativen Eingriff abzusetzen, wenn keine
Thrombozytenaggregationshemmung gewünscht ist.
Dosierung
bei
Clopidogrel:
Erwachsene und ältere Patienten erhalten täglich 1 Filmtbl., unabhängig von den
Mahlzeiten.
Bei
Patienten mit akutem Koronarsyndrom mit einer einmaligen Aufsättigungsdosis von
300 mg (loading dose), langfristig Gabe von 75 mg.
Optimale
Thrombozytenaggregationshemmung oder nur besonders teures Aspirin®?
Da
Clopidogrel noch unter Patentschutz steht, ist eine
Thrombozytenaggregationshemmung fast 100mal so teuer wie eine Therapie mit
ASS.
In der Praxis kann dieser enorm hohe Preis zu folgenden Konsequenzen führen.
Zum
einen könnte es aus Kostengründen zu einer Verschreibung des billigen
ASS
kommen, wenn eigentlich eine Therapie mit Clopidogrel allein oder die
Kombination angezeigt wäre. Der verordnende Arzt möchte vielleicht sein
Arzneimittelbudget schonen, da ihm bei Überschreitung desselben ein Regress
seitens der kassenärztlichen Vereinigung mit viel Scherereien und möglicherweise
finanziellen Einbußen droht. Merkwürdigerweise wird im Rahmen der Diskussion
über das Gesundheitswesen kaum in der Öffentlichkeit darüber diskutiert, dass
der Kassenarzt ein finanzielles Risiko trägt, wenn er viele oder besonders teure
Medikamente verordnet.
Kosten für
Thrombozytenaggregationshemmung:
|
Iscover® |
100 Tabl. |
256,97 € |
|
Plavix® |
100 Tabl. |
256,97 € |
|
ASS-CT 50 mg
|
100 Tabl. |
2,55 € |
Das preiswerteste
ASS-Präparat
kostet weniger als 1 % des Clopidogrels. Nebenbei ist es schon ein merkwürdiger
Zufall, dass beide Clopidogrel-Präparate auf den Cent genau denselben Preis
aufweisen. Was sagt eigentlich das Bundeskartellamt hierzu?
Zum
anderen könnten Ärzte und Patienten dem Trugschluss anheim fallen, dass was
besonders teuer ist, auch besonders gut sein müsse. Es könnte daher zu einer
Überverordnung mit Clopidogrel führen, wo gar kein Nutzen (oder sogar eine
nachteilige Wirksamkeit bzw. mehr
Nebenwirkungen)
nachgewiesen sind. Diese Tendenz wird sicher durch eifrige Pharmareferenten in
den Praxen verstärkt, die den Arzt zu einer Verordnung von Clopidogrel bewegen
wollen. Für das „alte, billige
ASS“
macht inzwischen kein Unternehmen mehr Werbung mit Pharmareferenten, da die
Kosten für dieses Marketing überhaupt nicht wieder hereinkämen.
Clopidogrel verhindert also keine Arteriosklerose, es vermindert das Risiko für
ein Gefäßgerinnsel bei arteriosklerotischen Erkrankungen ein wenig. In einigen
Fällen ist das bewährte
ASS
besser, in anderen das moderne Clopidogrel und in bestimmten Fällen sollte für
eine bestimmte Zeit eine Kombination beider Medikamente erfolgen. In der Hand
des Arztes, der sich mit der Gerinnungshemmung bei
Arteriosklerose
gut auskennt, Risiken und Nutzen sorgsam gegeneinander abwägt und die möglichen
Gegenanzeigen,
Nebenwirkungen
und Wechselwirkungen bedenkt, ist Clopidogrel ein neues Therapieprinzip, welches
einen (kleinen) Therapiefortschritt darstellt, den es im Einzelfall nicht zu
verachten gilt.
Eine
Therapie auch mit dem besten Thrombozytenaggregationshemmer enthebt den
betroffenden Patienten mit
Arteriosklerose
jedoch nicht seiner Verantwortung, selbst etwas gegen das Fortschreiten seiner
Erkrankung zu tun. Die Optimierung der
klassischen
Risikofaktoren
Übergewicht,
Rauchen,
Cholesterin,
Bluthochdruck
und
Diabetes
bringt nachweislich eine wesentlich bessere (und kostengünstigere) Risikosenkung
als die beste medikamentöse Therapie. Für neue
Risikofaktoren
wie
Homocystein, Lipoprotein(a), hsCRP und Fibrinogen trifft das vermutlich
ebenfalls zu, wird aber noch kontrovers diskutiert. Tun Sie also Ihren Gefäßen
zuliebe das Eine, ohne das Andere zu lassen!
Dieser
Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Naturarzt“
www.naturarzt-access.de abgedruckt.
Viel Erfolg dabei
wünscht Ihnen
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte
- von Abnehmen bis Zöliakie -
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