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Betablocker ©


Der Betablocker ist geradezu das Symbol für eine leistungsorientierte Gesellschaft geworden. Nahezu jeder Manager ist so stark im Stress, hat einen
Bluthochdruck oder bereits seinen ersten Herzinfarkt hinter sich, dass er einen Betablocker zum Herzschutz benötigt (oder zu benötigen glaubt). Aber nicht nur Manager leiden heute unter Betablocker -pflichtigen Symptomen oder Erkrankungen, so dass der Betablocker zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Substanzklassen der letzten Jahre geworden ist. Für die Einen ist er dabei ein Segen, da er die schädlichen Auswirkungen von Belastungsspitzen kupiert und die Betroffenen arbeits- und lebensfähig hält, für die Anderen ist er ein Teufelszeug, welches nur die Symptome behandelt, die Erkrankten deshalb von der eigentlichen Ursachenbewältigung abhält und dazu noch mit zahlreichen Nebenwirkungen behaftet ist.

Wie wirken Betablocker? 

An den Gefäßen, am Herzen, aber auch in der Niere, an den Bronchien und anderen Organen haben wir sogenannte b-Rezeptoren (sprich: Beta-Rezeptoren). Katecholamine (z.B. die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin) bewirken über diese Rezeptoren Änderungen der Organfunktion. Werden wir beispielsweise von einem Tiger angegriffen (es kann auch der Chef oder der Ehepartner sein), dann werden diese Stresshormone freigesetzt, docken an die b-Rezeptoren an und entfalten ihre aktivierende Wirkung. Die Bronchien werden weit, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, Zucker und Fettsäuren gelangen vermehrt ins Blut. All dies geschieht, weil der Körper auf Kampf oder Flucht vorbereitet sein will. Leider (aus biologischer Sicht) kämpfen wir dann aber nicht körperlich und bauen die angestauten Energien ab, sondern ärgern uns nur (was noch mehr Stresshormone freisetzt). Eigentlich müssten wir nach jeder stressigen Situation einen 5km-Lauf absolvieren, um den Stress wieder körperlich abzubauen. 

Da wir dies aber in der Regel nicht tun, beglückt uns die Pharma-Industrie mit ihren Betablockern, damit die Stressreaktion eben nicht so stark auf die Organe durchschlägt und Bluthochdruck und Herzschäden vermieden werden. Ein körperlich und seelisch ausgeglichener Mensch, der täglich meditiert und/oder Ausdauersport betreibt, benötigt keinen Betablocker! 

Wann werden Betablocker eingesetzt? 

Die wichtigsten Anzeigen sind in der Tab. 1 aufgeführt. Betablocker sind die Standardmedikation bei stressbedingtem Bluthochdruck und nach Herzinfarkt. Außerdem beeinflusst ein Betablocker bestimmte Herzrhythmusstörungen sehr gut, z.B. wenn sie stressbedingt oder im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten. 

In letzter Zeit hat man festgestellt, dass Betablocker auch bei Herzschwäche lebensverlängernd wirken. Das ist erstaunlich, da sie die Herzkraft eher vermindern. Bei Herzschwäche werden aber auch vermehrt Stresshormone freigesetzt, die das Herz schneller und damit unwirtschaftlicher schlagen lassen. Das langsamere Herzschlagen eines geschwächten Herzens bringt einen größeren Nutzen als die geringe weitere Schwächung durch Minderung der Herzmuskelkraft. Die Beta-Blockade des geschwächten Herzens war bis vor wenigen Jahren streng kontraindiziert, heute beginnt sie sich mehr und mehr als sinnvoll durchzusetzen. Diese Therapie muss natürlich unter engmaschiger Kontrolle eines darin erfahrenen Arztes erfolgen. Gerade am Beispiel des Betablockers bei der Herzschwäche zeigt sich, dass in der Schulmedizin nicht selten der Kunstfehler von gestern die heutige Standardtherapie ist – und umgekehrt. 

Betablocker schützen vor Herzinfarkt 

In zahlreichen Studien haben Betablocker bei Patienten nach dem Herzinfarkt einen lebensverlängernden Effekt gezeigt. Betablocker sind daher zur Standard-Therapie nach Herzinfarkt geworden (wenn keine Gegenanzeigen bestehen). Da Bluthochdruck einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung eines Herzinfarktes ist, entfaltet der Betablocker eine Minderung des Risikos, einen Herzinfarkt zu bekommen. Betablocker werden also in der primären und in der sekundären Vorbeugung des Herzinfarktes eingesetzt (bevor ein Infarkt eingetreten ist bzw. auch danach). 

Der Nachteil solcher Studien ist, dass alle „über einen Kamm geschoren werden“. Es wird nicht differenziert, ob eine bestimmte Gruppe deutlicher und eine andere vielleicht gar nicht profitiert. In den Studien haben eben im Durchschnitt alle profitiert, für das Individuum lässt sich eine Schutzwirkung jedoch nicht sicher vorhersagen. 

Aus den Stress abschirmenden Wirkungen lässt sich herleiten, dass der Manager unter Zeitdruck oder die genervte Hausfrau vermutlich eher von einem Betablocker profitieren wird, als der gemütliche Übergewichtige, der sich seinen Herzinfarkt mit Eisbein und Flaschenbier eingebrockt hat. 

Tab. 1    Anzeigen für Betablocker

      ♥ Bluthochdruck
Koronare Herzkrankheit
Bestimmte Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre und supraventrikuläre Extrasystolie,
  
Vorhofflimmern, Vorhofflattern, Sinustachykardie)
Funktionelle Herz-Kreislaufbeschwerden
(Herzinsuffizienz)

Tab. 2    Betablocker in Deutschland (unvollständige Aufzählung)

Substanz Handelsname
Atenolol z.B. Atehexal®, Atenolol STADA®, Tenormin
Bisoprolol z.B. Bisobloc®, Concor®
Metoprolol z.B. Beloc-zok®, Lopresor®, Prelis®
Celiprolol z.B. Selectol®
Pindolol z.B. Visken®
Propanolol z.B. Dociton®, Propabloc®
Carvedilol z.B. Querto®, Dilatrend® 

Die Rote-Liste enthält 122 verschiedene Betablocker. Unter Berücksichtigung verschiedener Dosierungen gibt es mehrere hundert verschiedene Präparate! 

Tab. 3   Wichtige Gegenanzeigen für Betablocker 

      ♥ Hochgradige Herzinsuffizienz
Bestimmte Herzrhythmusstörungen (höhergradiger AV- oder SA-Block, Sinusknotensyndrom)
Bradykardie (langsame Herzfrequenz unter 50/min)
Niedriger Blutdruck
Krankheiten mit verengten Bronchien (z.B.
Asthma bronchiale)
Arterielle Durchblutungsstörungen der Beine

Zahlreiche Nebenwirkungen sind möglich

Wer die Nebenwirkungsliste liest, möchte vor lauter Angst den Betablocker schon gar nicht mehr einnehmen. Glücklicherweise sind die meisten Nebenwirkungen nur sehr selten oder treten nur bei bestimmten Risikogruppen auf. 

Der Betablocker „bremst den Patienten etwas aus“. Wer vorher 150% Leistung zeigte, bringt es jetzt vielleicht nur noch auf 90%. Es kann bei vorher „überaktiven Leistungsträgern“ durchaus sinnvoll sein, auf ein vernünftiges Maß gestutzt zu werden. „Normale“ Leistungen sind bei entsprechender optimierter Dosierung ohne weiteres möglich, aber eben nicht die Belastungsspitzen. Das merken am ehesten Sportler, deren Herzfrequenz nicht mehr so hoch kommt, dass Spitzenleistungen – etwa beim Jogging – möglich sind. Aber moderate Ausdauerleistungen sind für den Koronarpatienten oder Hypertoniker ohnehin empfehlenswerter. 

Bei Patienten mit Neigungen zu ekzematösen Hautveränderungen können solche unter Betablockern vermehrt auftreten. Nach dem Absetzen verschwinden diese rasch wieder. Patienten mit Neigungen zu Verengungen der Bronchien (z.B. Asthmatiker, manchmal zeigt sich eine solche Neigung auch erst unter einem Betablocker) reagieren oft mit einer Verstärkung der Luftnot – die typischen nicht-kortisonhaltigen Asthmasprays sind sogenannte Beta-Mimetika, sie bewirken an den Bronchien genau das Gegenteil wie die Betablocker. Bei Neigung zu Depressionen sollte man mit Betablockern eher zurückhaltend sein, da diese verstärkt werden können. Diabetiker, die ja häufig auch einen Bluthochdruck oder eine koronare Herzkrankheit haben, sollten unter einer Beta-Blockade besonders gut überwacht werden. Einerseits kann sich der Blutzucker verschlechtern, kommt es aber andererseits einmal zu einer Unterzuckerung, so wird diese subjektiv weniger gut bemerkt. 

Andere Nebenwirkungen – wie in Tab. 4 aufgeführt – sind eher selten. Hierzu zählen beispielsweise die Potenzstörungen. Treten solche Nebenwirkungen auf, so muss in Absprache mit dem Arzt Risiko gegen Nutzen gut abgewogen werden, wobei auch die Lebensqualität ausreichend berücksichtigt werden sollte. Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile sollte dann die Entscheidung pro oder contra Betablocker erfolgen. 

Auf die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten soll hier nicht näher eingegangen werden (s. Tab. 5). Der Arzt sollte diese eigentlich alle kennen und berücksichtigen. Die Vielzahl der Medikamente und der Wechselwirkungen untereinander machen es jedoch unmöglich, alle im Kopf zu haben. Die zunehmende Zeitknappheit der Ärzte lassen sie auch nicht jedesmal in den Arzneimittellisten oder Beipackzetteln nachlesen. Mitunter hat der Patient dem Betablocker verordnenden Kardiologen auch gar nicht angegeben, welche Medikamente er sonst noch einnimmt. Der mündige Patient tut also gut daran, den Beipackzettel kritisch auf solche Wechselwirkungen hin gegenzulesen.  

Fazit 

Bei richtiger Indikationsstellung kann ein Betablocker das Leben verlängern und die Lebensqualität erhöhen. Die nicht wenigen Gegenanzeigen sollten strikt beachtet werden. Geringe Nebenwirkungen müssen manchmal in Kauf genommen werden, wenn der Nutzen für die Lebensverlängerung massiv ist. Bei größeren oder gefährlichen Nebenwirkungen ist das Präparat hingegen – in Absprache mit dem behandelnden Arzt – abzusetzen. 

Tab. 4    Nebenwirkungen

      ♥ Auslösung oder Verstärkung einer Schuppenflechte
Andere (Haut)unverträglichkeitsreaktionen
Muskelkrämpfe, -schwäche, Leistungsminderung
Müdigkeit, Kopfschmerz,
Schwindel, Benommenheit, Schwitzen
Schlafstörungen (evtl. mit
Alpträumen)
Depressive Verstimmungen, Halluzinationen
Eingeschränkter Tränenfluss (Achtung bei Kontaktlinsen), Konjunktivitis
Mundtrockenheit,
Verdauungsbeschwerden
Verschlechterung einer diabetischen Stoffwechsellage, andererseits können
  
Unterzuckerungen aber symptomärmer verlaufen und schlecht erkannt werden
Unerwünschte Blutdrucksenkung
Verstärkung oder Auslösung bestimmter
Herzrhythmusstörungen  (s.o.)
Taubheitsgefühl, Durchblutungsstörungen in den Gliedmaßen
Verengung der Bronchien
Potenzstörungen 

Tab. 5    Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

      ♥ Antiarrhythmika (Mittel gegen Herzrhythmusstörungen): herzdämpfender Effekt verstärkt
Kalziumanatgonisten (Bestimmte Blutdruckmittel, z.B. Dilzem®): herzdämpfender Effekt
   verstärkt
Antidiabetika (Mittel gegen Blutzucker): Gefahr der Unterzuckerung sowie des Nicht-
   Erkennens der Unterzuckerung verstärkt
Antihypertonika (Mittel gegen
Bluthochdruck): blutdrucksenkende Wirkung, bei
   herzfrequenzsenkenden Mitteln auch diese Wirkung verstärkt

Literatur:
Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Bluthochdruck, Haug-Verlag
 

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. med. Volker Schmiedel
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.

Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen (dazu Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie) können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.

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Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de

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