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HABICHTSWALDKLINIK
Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde
Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz
34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Beta-Blocker
©
Der
Beta-Blocker ist geradezu das Symbol für eine leistungsorientierte Gesellschaft
geworden. Nahezu jeder Manager ist so stark im Stress, hat einen
Bluthochdruck
oder bereits seinen ersten
Herzinfarkt
hinter sich, dass er einen Beta-Blocker
zum Herzschutz benötigt (oder zu benötigen glaubt). Aber nicht nur Manager
leiden heute unter beta-blocker-pflichtigen Symptomen oder Erkrankungen, so dass
der Beta-Blocker zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Substanzklassen der
letzten Jahre geworden ist. Für die Einen ist er dabei ein Segen, da er die
schädlichen Auswirkungen von Belastungsspitzen kupiert und die Betroffenen
arbeits- und lebensfähig hält, für die Anderen ist er ein Teufelszeug, welches
nur die Symptome behandelt, die Erkrankten deshalb von der eigentlichen
Ursachenbewältigung abhält und dazu noch mit zahlreichen
Nebenwirkungen
behaftet
ist.
Wie wirken
Beta-Blocker?
An den
Gefäßen, am Herzen, aber auch in der Niere, an den Bronchien und anderen Organen
haben wir sogenannte
b-Rezeptoren
(sprich: Beta-Rezeptoren). Katecholamine (z.B. die
Stresshormone Adrenalin und
Noradrenalin) bewirken über diese Rezeptoren Änderungen der Organfunktion.
Werden wir beispielsweise von einem Tiger angegriffen (es kann auch der Chef
oder der Ehepartner sein), dann werden diese
Stresshormone freigesetzt, docken
an die b-Rezeptoren
an und entfalten ihre aktivierende Wirkung. Die Bronchien werden weit, das Herz
schlägt schneller, der Blutdruck steigt,
Zucker und
Fettsäuren gelangen vermehrt
ins Blut. All dies geschieht, weil der Körper auf Kampf oder Flucht vorbereitet
sein will. Leider (aus biologischer Sicht) kämpfen wir dann aber nicht
körperlich und bauen die angestauten Energien ab, sondern ärgern uns nur (was
noch mehr
Stresshormone freisetzt). Eigentlich müssten wir nach jeder stressigen
Situation einen 5km-Lauf absolvieren, um den Stress wieder körperlich
abzubauen.
Da wir
dies aber in der Regel nicht tun, beglückt uns die Pharma-Industrie mit ihren
Beta-Blockern, damit die
Stressreaktion eben nicht so stark auf die Organe
durchschlägt und
Bluthochdruck und Herzschäden vermieden werden. Ein körperlich
und seelisch ausgeglichener Mensch, der täglich meditiert und/oder Ausdauersport
betreibt, benötigt keinen Beta-Blocker!
Wann werden Beta-Blocker
eingesetzt?
Die
wichtigsten Anzeigen sind in der Tab. 1 aufgeführt. Beta-Blocker sind die
Standardmedikation bei stressbedingtem
Bluthochdruck
und nach
Herzinfarkt. Außerdem beeinflusst ein Beta-Blocker bestimmte
Herzrhythmusstörungen sehr gut, z.B. wenn sie stressbedingt oder im Rahmen einer
Schilddrüsenüberfunktion auftreten.
In
letzter Zeit hat man festgestellt, dass Beta-Blocker auch bei
Herzschwäche
lebensverlängernd wirken. Das ist erstaunlich, da sie die Herzkraft eher
vermindern. Bei
Herzschwäche werden aber auch vermehrt
Stresshormone
freigesetzt, die das Herz schneller und damit unwirtschaftlicher schlagen
lassen. Das langsamere Herzschlagen eines geschwächten Herzens bringt einen
größeren Nutzen als die geringe weitere Schwächung durch Minderung der
Herzmuskelkraft. Die Beta-Blockade des geschwächten Herzens war bis vor wenigen
Jahren streng kontraindiziert, heute beginnt sie sich mehr und mehr als sinnvoll
durchzusetzen. Diese Therapie muss natürlich unter engmaschiger Kontrolle eines
darin erfahrenen Arztes erfolgen. Gerade am Beispiel des Beta-Blockers bei der
Herzschwäche zeigt sich, dass in der Schulmedizin nicht selten der Kunstfehler
von gestern die heutige Standardtherapie ist – und umgekehrt.
Beta-Blocker schützen vor
Herzinfarkt
In
zahlreichen Studien haben Beta-Blocker bei Patienten nach dem
Herzinfarkt einen
lebensverlängernden Effekt gezeigt. Beta-Blocker sind daher zur
Standard-Therapie nach
Herzinfarkt geworden (wenn keine Gegenanzeigen bestehen).
Da
Bluthochdruck einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung eines
Herzinfarktes ist, entfaltet der Beta-Blocker eine Minderung des Risikos, einen
Herzinfarkt zu bekommen. Beta-Blocker werden also in der primären und in der
sekundären Vorbeugung des
Herzinfarktes eingesetzt (bevor ein Infarkt
eingetreten ist bzw. auch danach).
Der
Nachteil solcher Studien ist, dass alle „über einen Kamm geschoren werden“. Es
wird nicht differenziert, ob eine bestimmte Gruppe deutlicher und eine andere
vielleicht gar nicht profitiert. In den Studien haben eben im Durchschnitt alle
profitiert, für das Individuum lässt sich eine Schutzwirkung jedoch nicht sicher
vorhersagen.
Aus den
Stress abschirmenden Wirkungen lässt sich herleiten, dass der Manager unter
Zeitdruck oder die genervte Hausfrau vermutlich eher von einem Beta-Blocker
profitieren wird, als der gemütliche
Übergewichtige, der sich seinen
Herzinfarkt
mit Eisbein und Flaschenbier eingebrockt hat.
Tab. 1 Anzeigen
für Beta-Blocker
♥
Bluthochdruck
♥ Koronare Herzkrankheit
♥ Bestimmte
Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre und supraventrikuläre Extrasystolie,
Vorhofflimmern, Vorhofflattern, Sinustachykardie)
♥
Funktionelle
Herz-Kreislaufbeschwerden
♥ (Herzinsuffizienz)
Tab. 2
Beta-Blocker in Deutschland (unvollständige Aufzählung)
|
Substanz |
Handelsname |
| Atenolol |
z.B. Atehexal®, Atenolol STADA®, Tenormin |
|
Bisoprolol |
z.B. Bisobloc®, Concor® |
|
Metoprolol |
z.B. Beloc-zok®, Lopresor®,
Prelis® |
|
Celiprolol |
z.B. Selectol® |
|
Pindolol |
z.B. Visken® |
|
Propanolol |
z.B. Dociton®, Propabloc® |
|
Carvedilol |
z.B. Querto®,
Dilatrend® |
Die
Rote-Liste enthält 122 verschiedene Beta-Blocker. Unter Berücksichtigung
verschiedener Dosierungen gibt es mehrere hundert verschiedene Präparate!
Tab. 3 Wichtige
Gegenanzeigen für Beta-Blocker
♥ Hochgradige
Herzinsuffizienz
♥ Bestimmte
Herzrhythmusstörungen (höhergradiger AV- oder SA-Block,
Sinusknotensyndrom)
♥ Bradykardie (langsame
Herzfrequenz unter 50/min)
♥
Niedriger
Blutdruck
♥ Krankheiten mit verengten
Bronchien (z.B.
Asthma bronchiale)
♥
Arterielle
Durchblutungsstörungen der Beine
Wer die
Nebenwirkungsliste liest, möchte vor lauter Angst den Beta-Blocker schon gar
nicht mehr einnehmen. Glücklicherweise sind die meisten
Nebenwirkungen nur sehr
selten oder treten nur bei bestimmten Risikogruppen auf.
Der
Beta-Blocker „bremst den Patienten etwas aus“. Wer vorher 150% Leistung zeigte,
bringt es jetzt vielleicht nur noch auf 90%. Es kann bei vorher „überaktiven
Leistungsträgern“ durchaus sinnvoll sein, auf ein vernünftiges Maß gestutzt zu
werden. „Normale“ Leistungen sind bei entsprechender optimierter Dosierung ohne
weiteres möglich, aber eben nicht die Belastungsspitzen. Das merken am ehesten
Sportler, deren Herzfrequenz nicht mehr so hoch kommt, dass Spitzenleistungen –
etwa beim Jogging – möglich sind. Aber moderate Ausdauerleistungen sind für den
Koronarpatienten oder
Hypertoniker ohnehin empfehlenswerter.
Bei
Patienten mit Neigungen zu ekzematösen Hautveränderungen können solche unter
Beta-Blockern vermehrt auftreten. Nach dem Absetzen verschwinden diese rasch
wieder. Patienten mit Neigungen zu Verengungen der Bronchien (z.B.
Asthmatiker,
manchmal zeigt sich eine solche Neigung auch erst unter einem Beta-Blocker)
reagieren oft mit einer Verstärkung der Luftnot – die typischen
nicht-kortisonhaltigen Asthmasprays sind sogenannte Beta-Mimetika, sie bewirken
an den Bronchien genau das Gegenteil wie die Beta-Blocker. Bei Neigung zu
Depressionen sollte man mit Beta-Blockern eher zurückhaltend sein, da diese
verstärkt werden können.
Diabetiker, die ja häufig auch einen
Bluthochdruck oder
eine koronare Herzkrankheit haben, sollten unter einer Beta-Blockade besonders
gut überwacht werden. Einerseits kann sich der Blutzucker verschlechtern, kommt
es aber andererseits einmal zu einer Unterzuckerung, so wird diese subjektiv
weniger gut bemerkt.
Andere
Nebenwirkungen – wie in Tab. 4 aufgeführt – sind eher selten. Hierzu zählen
beispielsweise die Potenzstörungen. Treten solche
Nebenwirkungen auf, so muss in
Absprache mit dem Arzt Risiko gegen Nutzen gut abgewogen werden, wobei auch die
Lebensqualität ausreichend berücksichtigt werden sollte. Unter Abwägung aller
Vor- und Nachteile sollte dann die Entscheidung pro oder contra Beta-Blocker
erfolgen.
Auf die
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten soll hier nicht näher eingegangen
werden (s. Tab. 5). Der Arzt sollte diese eigentlich alle kennen und
berücksichtigen. Die Vielzahl der
Medikamente und der Wechselwirkungen
untereinander machen es jedoch unmöglich, alle im Kopf zu haben. Die zunehmende
Zeitknappheit der Ärzte lassen sie auch nicht jedesmal in den Arzneimittellisten
oder Beipackzetteln nachlesen. Mitunter hat der Patient dem Beta-Blocker
verordnenden Kardiologen auch gar nicht angegeben, welche Medikamente er sonst
noch einnimmt. Der mündige Patient tut also gut daran, den Beipackzettel
kritisch auf solche Wechselwirkungen hin gegenzulesen.
Fazit
Bei
richtiger Indikationsstellung kann ein Beta-Blocker das Leben verlängern und die
Lebensqualität erhöhen. Die nicht wenigen Gegenanzeigen sollten strikt beachtet
werden. Geringe Nebenwirkungen müssen manchmal in Kauf genommen werden, wenn der
Nutzen für die Lebensverlängerung massiv ist. Bei größeren oder gefährlichen
Nebenwirkungen ist das Präparat hingegen – in Absprache mit dem behandelnden
Arzt – abzusetzen.
Tab. 4
Nebenwirkungen
♥ Auslösung oder Verstärkung einer
Schuppenflechte
♥ Andere (Haut)unverträglichkeitsreaktionen
♥ Muskelkrämpfe, -schwäche,
Leistungsminderung
♥ Müdigkeit, Kopfschmerz,
Schwindel, Benommenheit, Schwitzen
♥
Schlafstörungen (evtl.
mit
Alpträumen)
♥
Depressive Verstimmungen,
Halluzinationen
♥ Eingeschränkter
Tränenfluss (Achtung bei Kontaktlinsen), Konjunktivitis
♥ Mundtrockenheit,
Verdauungsbeschwerden
♥ Verschlechterung einer
diabetischen Stoffwechsellage, andererseits können
Unterzuckerungen aber
symptomärmer verlaufen und schlecht erkannt werden
♥ Unerwünschte
Blutdrucksenkung
♥ Verstärkung oder
Auslösung bestimmter
Herzrhythmusstörungen (s.o.)
♥ Taubheitsgefühl,
Durchblutungsstörungen in den Gliedmaßen
♥
Verengung der Bronchien
♥
Potenzstörungen
Tab. 5
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
♥
Antiarrhythmika (Mittel
gegen Herzrhythmusstörungen): herzdämpfender Effekt verstärkt
♥
Kalziumanatgonisten
(Bestimmte Blutdruckmittel, z.B. Dilzem®): herzdämpfender Effekt
verstärkt
♥
Antidiabetika (Mittel
gegen Blutzucker): Gefahr der Unterzuckerung sowie des Nicht-
Erkennens der
Unterzuckerung verstärkt
♥
Antihypertonika (Mittel
gegen
Bluthochdruck): blutdrucksenkende Wirkung, bei
herzfrequenzsenkenden
Mitteln auch diese Wirkung verstärkt
Literatur:
Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Bluthochdruck, Haug-Verlag
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
©
Dr. med. Volker Schmiedel
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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ich
Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte
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Alle
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Echokardiographie) können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder
der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
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http://www.habichtswaldklinik.de/Die_Abteilung_Innere_Medizin.html
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Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt".
Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck.
www.naturarzt-access.de
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