Benzodiazepine
Was sind Benzodiazepine, wie wirken sie? "Tranquillantien" sind wörtlich übersetzt „Beruhiger“ (aus dem Lateinischen tranquilius = ruhig, friedlich, gelassen). Es gibt ihrer chemischen Struktur und ihrer Wirkung nach mehrere unterschiedliche Substanzklassen. Zur Vereinfachung wollen wir uns hier auf die Benzodiazepine beschränken, deren bekanntester Vertreter das Diazepam (Valium®) ist.
Die
Hauptwirkungen der Benzodiazepine sind Benzodiazepine docken an bestimmte Rezeptoren im zentralen Nervensystem an, wo sie die elektrischen Aktivitäten beeinflussen. Besonders stark wird das limbische System, das für das affektive Verhalten von entscheidender Bedeutung ist, verändert. Benzodiazepine sind keine Schlafmittel im eigentlichen Sinn, wirken aber durch die beruhigende und muskelentspannende Wirkung schlaffördernd. Oft werden sie auch als Schlafmittel gebraucht und nicht selten missbraucht. Durch die lange Halbwertszeit (Zeit in der die Hälfte eines Pharmakons ausgeschieden oder abgebaut wird) wirken Benzodiazepine meist auch noch am nächsten Morgen und verursachen so einen „hang over“, eine Schläfrigkeit am nächsten Tag (die Halbwertszeit von Diazepam beträgt 24-48 Stunden, d.h. nach 1-2 Tagen ist noch die Hälfte im Körper, nach 2-4 Tagen immerhin noch ein Viertel). Tab. 1 Wichtige Anzeigen für Benzodiazepine
Ø
Ein- und
Durchschlafstörungen Vorsicht: Abhängigkeit Bei der Behandlung ist zu beachten, dass sie nur symptomatisch und nicht ursächlich ist und auch nur vorübergehend sein sollte. Das Risiko der Abhängigkeit steigt mit der Höhe der Dosis und der Länge der Anwendungsdauer. Wenn Sie schon einmal Suchtprobleme mit Medikamenten, Alkohol oder anderen Drogen hatten, so sollte die Verordnung noch strenger als sonst hinterfragt werden. Auch ist zu beachten, dass die Reaktionsfähigkeit und damit die Verkehrsfähigkeit beeinträchtigt sein kann. Wenn Benzodiazepine nach längerer Einnahme abgesetzt werden, so sollte dies nicht abrupt geschehen, sondern es sollte ein allmähliches Ausschleichen erfolgen. Es können beim Absetzen nämlich genau die Störungen verstärkt auftreten (z.B. Schlafstörungen, Angst, Unruhe), die eigentlich behandelt worden sind (sogenanntes Rebound-Phänomen). Nach längerfristiger (das ist bereits bei einer Woche gegeben!) sollte gemeinsam mit dem Arzt unbedingt über eine Dosisreduktion nachgedacht werden. Leider ist es immer noch gängige Praxis, diese Mittel für mehrere Wochen zu verschreiben. Ohne Schwierigkeiten ist dann ein Absetzen kaum noch möglich. Benzodiazepine sollten daher nie ohne genaue ärztliche Kontrolle eingesetzt, die Dosis erhöht oder das Medikament eigenmächtig abgesetzt werden. Tab. 2 Benzodiazepine in Deutschland (unvollständige Aufzählung)
Die Rote-Liste 2002 enthält allein 107 verschiedene Benzodiazepin-Präparate. Dabei sind verschiedene Darreichungsformen (Tropfen, Tabletten, Zäpfchen, Ampullen) und Dosierungen sowie andere Benzodiazepine noch nicht einmal berücksichtigt. Dann gibt es sogar mehrere hundert verschiedene Präparate, was die Größe des „Marktes“ für diese Mittel veranschaulicht. Alle Substanzen, die auf –zepam oder –zolam enden, sind Benzodiazepine. Tab. 3 Wichtige Gegenanzeigen für Benzodiazepine
Ø
Vergiftungen
mit
Besondere Vorsicht ist gegeben bei: Zahlreiche
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| Psychopharmaka | gegenseitige Wirkungsverstärkung |
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gegenseitige Wirkungsverstärkung |
| Muskelrelaxantien | Verstärkung der Muskelrelaxantien |
| Lachgas | Verstärkung des Lachgases |
| Schmerzmittel | Verstärkung der Schmerzmittel |
| Cimetidin (Magenmittel) | Verstärkung der Benzodiazepinwirkung |
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Art und Umfang der Wechselwirkung nicht vorhersehbar |
| Antikoagulantien | Art und Umfang der Wechselwirkung nicht vorhersehbar |
Aus
Gründen der Übersichtlichkeit und des mangelndes Platzes wurden nur die
Gegenanzeigen,
Vorsicht bei Einnahme anderer Medikamente
Insbesondere Medikamente, die auch in irgendeiner Weise auf die Psyche wirken, sollten in Kombination mit Benzodiazepine nur sehr zurückhaltend und unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Älteren Menschen werden diese Medikamente oft zur Beruhigung oder als Schlafmittel verschrieben. Dies ist in vielerlei Hinsicht bedenklich. Zum einen ist das Abhängigkeitspotential nicht zu unterschätzen, zum anderen können Beschwerden, unter denen gerade ältere Menschen leiden, durch Benzodiazepine verstärkt werden, z.B. Schwindel oder depressive Verstimmung. Die morgendliche Schläfrigkeit wird oft auf die schlechte Nacht und weniger auf die Benzodiazepine zurückgeführt, die durch ihre lange Wirkdauer häufig auch zu einer Benommenheit am nächsten Tage führen. Keiner hat je untersucht, wie viele Knochenbrüche auf Stürze durch Benzodiazepine bedingt zurückzuführen sind.
Fazit
Wenn
Ihnen Ihr Arzt Benzodiazepine verordnet, so fragen Sie beharrlich nach, warum. Sie
sollten diese nur bei wirklich begründeter Notwendigkeit einnehmen. Besprechen
Sie nach einer Woche, wann die Medikation abgesetzt oder reduziert werden kann.
Bei leichten Erregungszuständen,
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
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