Logo der Habichtswald-Klinik     HABICHTSWALDKLINIK
           Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde                  Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz

                      34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe

                  Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links - speziell auch von
                                    
der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik -  klicken Sie hier

Antiarrhythmika ©

Sie können Leben retten - beinhalten aber auch Gefahren

Wie wirken Antiarrhythmika? 

Vor etwa 20 Jahren sorgte eine Studie zu Herzrhythmusstörungen für große Aufregung: Patienten nach Herzinfarkt, die Rhythmusstörungen hatten, bekamen ein Antiarrhythmikum. Nur wenn es nachweislich die Rhythmusstörungen bei ihnen deutlich reduzierte, wurden sie in die Studie aufgenommen. Die Teilnehmer erhielten entweder ein Mittel der wirksamen Antiarrhythmika oder ein Placebo (Scheinmedikament). Ergebnis: Die Studie musste aus ethischen Gründen abgebrochen werden. Die mit dem „richtigen“ Medikament behandelten Patienten hatten zwar weniger Rhythmusstörungen, starben aber häufiger. Seitdem ist man auch in der konventionellen Kardiologie mit der Verordnung von Antiarrhythmika zurückhaltender geworden. Herzrhythmusstörungen sollten nur noch dann medikamentös behandelt werden, wenn die Rhythmusstörungen sehr gefährlich sind oder subjektiv sehr stark belastend sind. 

Was sind eigentlich Antiarrhythmika?

Antiarrhythmika sind Medikamente, die in der Lage sind, Herzrhythmusstörungen in der Häufigkeit oder der Wertigkeit zu senken. Bei den Rhythmusstörungen, die ihren Ursprung in der Herzkammer haben (ventrikuläre Rhythmusstörungen) unterscheiden wir harmlose (z.B. einzelne Extraschläge) von komplexen Rhythmusstörungen (z.B. Doppel- oder Dreifachschlägen, gefährlichen Salven oder sogar lebensgefährliche Tachykardien). Daneben gibt es aber noch supraventrikuläre (aus dem Vorhof kommende) Herzrhythmusstörungen und die absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern (es gibt keine geregelten Vorhofaktionen mehr und die Kammer schlägt daher völlig aus dem Takt). Dies sind nur die allerwichtigsten und häufigsten Rhythmusstörungen.

Zwei einzelne ventrikuläre Extrasystolen (Zusatzschläge mit Ursprung in der Kammer)
Quelle: http://www.grundkurs-ekg.de/rhythmus/ves.htm

Lebensgefährliche ventrikuäre Tachykardie („schnelles Herzschlagen mit Ursprung in der Kammer“) Quelle: http://www.grundkurs-ekg.de/rhythmus/ventrikulaere_tachycardie.htm

Harmlose supraventrikuläre Extrasystolen (Zusatzschläge mit Ursprung im Vorhof) Quelle: http://www.grundkurs-ekg.de/rhythmus/sves.htm

Kompliziert wird das Ganze noch dadurch, dass es ganz verschiedene Arten von Antiarrhythmika gibt. So unterscheiden wir Antiarrhythmika der Klasse Ia, Ib, Ic, II, III und IV. Klasse II sind die Beta-Blocker, Klasse IV sind die Kalziumantagonisten, die schon im Rahmen dieser Serie besprochen wurden. Aus Gründen der Übersichtlichkeit soll hier ein Vergleich der am häufigsten verordneten und bedeutsamsten Antiarrhythmika durchgeführt. Ich möchte mich daher auf die Klasse Ic (z.B Propafenon) und Klasse III (z.B. Amiodaron, Sotalol) beschränken. 

Propafenon (z.B. Rytmonorm®, Cuxafenon®, Propafenon-ratiopharm®):

Gegenanzeigen:

 Ø      Manifeste Herzschwäche
 Ø      Sehr langsames Herzschlagen
 Ø      3 Monate nach Herzinfarkt
 Ø       Höhergradige Erregungsleitungsstörungen am Herzen
 Ø      Ausgeprägter niedriger Blutdruck
 Ø      Schwere Lungenerkrankungen
 Ø      Myasthenia gravis
 Ø      Manifeste Störungen des Elektrolythaushaltes
 Ø       Strenge Indikationsstellung in Schwangerschaft und Stillzeit 

Nebenwirkungen:
 Ø      Allergische Hauterscheinungen
 Ø      Schwindel
 Ø      Müdigkeit, Kopfschmerz, Angst, Verwirrtheit, Unruhe
 Ø      Brechreiz, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Verstopfung
 Ø      Alpträume, Schlafstörungen
 Ø      Proarrhythmische Wirkung bis zum Herzstillstand
 Ø      Kammerflimmern (sehr selten)
 Ø      Verschlechterung einer Herzschwäche
 Ø      Verengung der Bronchien
 Ø      Potenzstörungen (Einzelfälle, reversibel) 

Wechselwirkungen:

Lokalanästhetika (z.B. Procain) Wirkung verstärkt
Betablocker   Wirkung verstärkt
Trizyklische Antidepressiva Wirkung verstärkt
Propanolol, Metoprolol, Ciclosporin, Digoxin,            Theophyllin Erhöhung der Blutspiegel dieser Substanzen
 Cimetidin, Chinidin Erhöhung des Propafenonspiegels
Phenobarbital, Rifampicin     Verminderung des Propafenonspiegels
Orale Antikoagulation (z.B. Marcumar) verminderte Blutgerinnung 

Amiodaron (z.B. Cordarex®, Cornaron®, Amiodaron Sandoz®): 

Gegenanzeigen:

 Ø     
Sehr langsames Herzschlagen
 Ø      Alle Formen von Erregungsleitungsstörungen am Herzen
 Ø      Schilddrüsenerkrankungen
 Ø      QT-Verlängerung (bestimmter Wert im EKG)
 Ø      Niedriger Blutkaliumwert
 Ø      Jodallergie
 Ø      Behandlung mit MAO-Hemmern (bestimmte Antidepressiva), Chinidin, Sotalol
 Ø      Schwangerschaft oder Stillzeit 

Nebenwirkungen:
 Ø     
Vor Behandlung: Untersuchung von Schilddrüsen- und Lungenfunktion, Röntgenaufnahme des
          Brustkorbes!
 Ø      Sonnenbestrahlung, UV-Licht, Solarium meiden! Im Sommer Sonnenschutz mit hohem
          Lichtschutzfaktor verwenden! Regelmäßige Kontrollen von: Auge, Lunge, Leber und
          Schilddrüse!
Photosensibilisierung (Empfindlichkeit gegen Sonne)
 Ø      Hautverfärbungen
 Ø      Haarausfall
 Ø      Muskelschwäche, -zittern
 Ø      Müdigkeit, Kopfschmerz, Schlafstörungen, Alpträume, Schwindel, Koordinationsstörungen,
        
 Sehstörungen
 Ø      Geschmacksveränderungen, Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Bauchschmerz, Verstopfung,
                  
Appetitlosigkeit
 Ø      Erhöhung der Leberwerte, Leberentzündung, Leberzirrhose
 Ø      Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse
 Ø      Langsames Herzschlagen und andere EKG-Veränderungen
 Ø      Herzstillstand, Kammerflimmern (Einzelfälle)
 Ø      Atypische Lungenentzündung
 Ø      Veränderungen des Blutbildes
 Ø      Verminderte Libido 

Wechselwirkungen:

Glykoside (bestimmte Herzmittel) Langsames Herzschlagen
Digoxin, Phenytoin, Cyclosporin, Chinidin, Procainamid, Fleacainid Erhöhung der Blutspiegel dieser Substanzen

Orale Antikoagulation (z.B. Marcumar)

erhöhtes Blutungsrisiko
Andere Arrhythmika, Diuretika, Laxantien, Kortikoide Gefahr von Herzrhythmusstörungen
Verapamil, Diltiazem, Betablocker Langsames Herzschlagen
 Simvastatin Muskelschäden möglich

Sotalol (z.B. Sotalex®, Glucor®, SotaHEXAL®): 

Gegenanzeigen:
 Ø     
Empfindlichkeit gegen Sulfonamide
 Ø      Kinder
 Ø      Schwere Herzschwäche
 Ø      Akuter Herzinfarkt
 Ø      Erregungsleitungsstörungen am Herzen
 Ø      Langsames Herzschlagen
 Ø      QT-Verlängerung
 Ø      Elektrolytstörungen (Kalium, Magnesium)
 Ø     Niedriger Blutdruck
 Ø      Verengungen der Bronchien
 Ø      Metabolische Azidose (Übersäuerung)
 Ø      Phäochromozytom (Nebennierentumor)
 Ø      Strenge Indikationsstellung in Schwangerschaft und Stillzeit

Nebenwirkungen:
 Ø     
Juckreiz, Rötung, Hautausschlag (häufig)
 Ø      Haarausfall
 Ø      Verschlechterung einer Schuppenflechte
 Ø       Muskelkrämpfe, -schwäche
 Ø      Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerz, Angst, Verwirrtheit, Halluzinationen, Schlafstörungen,
         
Depressionen, verstärkte Träume (häufig)
 Ø      Seh-, Hör- oder Geschmacksstörungen (häufig)
 Ø      Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen
 Ø      Ödeme
 Ø      Unterzuckerung (besonders beim Fasten oder bei Diabetikern)
 Ø      Fettstoffwechselstörungen (Triglyceride ↑, Cholesterin ↑, HDL ¯)
 Ø      Blutdruckabfall, langsames Herzschlagen, Verstärkung einer Herzschwäche
 Ø      Proarrhythmische Wirkungen bis hin zu Herzstillstand oder Kammerflimmern
 Ø      Verengung der Bronchien mit Luftnot
 Ø      Potenzstörungen
 Ø      Fieber

Wechselwirkungen:

Verapamil, Diltiazem, Betablocker, andere Antiarrhythmika Langsames Herzschlagen, Blutdruckabfall
MAO-Hemmer Überschießender Blutdruckanstieg
Trizyklische Antidepressiva, Barbiturate, Diuretika, Antihypertensiva Blutdruckabfall
Beta-Agonisten (z.B. Salbutamol) Höhere Dosierung des Beta-Agonisten erforderlich
Insulin, orale Antidiabetika Hypoglykämie (Symptome aber verschleiert)
Kaliumausschwemmende Diuretika Herzrhythmusstörungen
Alkohol, trizyklische Antidepressiva Risiko von Kammerflimmern

Die Nebenwirkungs- und Wechselwirkungslisten aller drei Antiarrhythmika sind ellenlang – ich habe mich dabei noch auf die wichtigsten beschränkt, die Listen sind unvollständig! Es muss allerdings angemerkt werden, dass die meisten Nebenwirkungen selten bis sehr selten vorkommen. Oftmals sind sie auch noch harmlos, manchmal aber sogar tödlich. Was immer wieder gern vergessen wird: Antiarrhythmika beseitigen zwar Herzrhythmusstörungen, sie können jedoch auch selbst welche provozieren (Warum bemerken die Kardiologen eigentlich nicht, dass hier ein homöopathisches Prinzip vorliegt?). Das Fatale ist, dass die provozierten Herzrhythmusstörungen dann sogar besonders gefährlich, mitunter tödlich sind. Das Risiko steigt, wenn Kalium- und/oder Magnesiummangel vorliegt oder Medikamente eingenommen werden, die einen solchen Mangel verstärken (z.B. Diuretika = Entwässerungsmittel). Leider wird viel zu selten daran gedacht, Kalium und Magnesium bei Herzrhythmusstörungen großzügig zuzuführen (dann wäre nämlich die Gabe manches Antiarrhythmikums sogar überflüssig). Leider werden auch viel zu selten die Elektrolytwerte im Blut gemessen – und wenn, dann die viel zu ungenauen Werte im Serum (da Kalium und Magnesium in den Zellen hochkonzentriert, im Serum jedoch kaum vorkommen, ist die Vollblutmineralanalyse hier viel aussagefähiger).

Die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind so zahlreich, dass kaum ein Arzt diese alle im Kopf haben kann. Es ist darum wichtig, dass der Patient mit darauf achtet, ob er eines der Medikamente einnimmt, die zu Wechselwirkungen führen können (Beipackzettel gut durcharbeiten!)

Mehr noch als bei anderen Medikamentengruppen kommt es bei den Antiarrhythmika auf eine sehr gute Abwägung von Nutzen und Risiko an. Nehmen Sie Antiarrhythmika nur dann ein, wenn der Arzt (im Zweifel eine Zweit- oder Drittmeinung einholen!) wirklich sehr vom Nutzen dieses Mittels gerade in Ihrem Fall überzeugt ist, weil die Rhythmusstörungen entweder wirklich sehr bedrohlich oder für Sie subjektiv sehr belastend sind. Schulmedizinische Alternativen wie die weniger nebenwirkungsbehafteten Betablocker oder eine chirurgische Therapie der Herzrhythmusstörungen sollten gut erwogen werden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt auch, ob diese Medikamente lebenslang genommen werden müssen oder ob in absehbarer ein Auslassversuch werden kann. In Zweifelsfällen sollte immer ein Kardiologe und hier manchmal sogar der Rhythmologe (kardiologischer Spezialist für Herzrhythmusstörungen) hinzugezogen werden. Antiarrhythmika können Leben retten. Sie beinhalten aber auch einige Gefahren. Eine Verordnung dieser Mittel will gut überlegt sein. Auf gar keinen Fall dürfen Sie aber Antiarrhythmika eigenmächtig ohne ärztliche Zustimmung in der Dosis verändern oder gar absetzen!

Von Herzen alles Gute

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte - von Abnehmen bis Zöliakie -  finden Sie hier.

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.

Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
http://www.habichtswaldklinik.de/Die_Abteilung_Innere_Medizin.html

Informationen über ambulante Diagnostik und Therapie:
http://www.habichtswaldklinik.de/Naturheilk_Ambulanz.html
Hier finden Sie weitere Gesundheitstipps:
http://www.gesundheitstipps.wicker-kliniken.de/

Die aktuellen und archivierten Naturheilkundlichen Newsletter finden Sie hier:
http://www.habichtswaldklinik.de/Naturlheilkundlicher_Newsletter.html

Sie möchten wieder fit für den Alltag werden? Profitieren Sie von unserem speziellen Gesundheitsangebot für Selbstzahler, Privatversicherte und Beihilfeberechtigte. Oder nutzen sie unsere speziellen Angebote bei Bauchbeschwerden, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder einer koronaren Herzkrankheit.
Zu allen Angeboten der Inneren Abteilung für Selbstzahler ohne Kostenübernahme eines offiziellen Kostenträgers für einen stationären Aufenthalt (z. B. Beihilfe und/oder PKV oder andere Kostenträger) bieten wir zusätzlich äußerst attraktive Rabatte.
                                                                                                         Wir behandeln keine Krankheiten
                                                                                                                       wir behandeln Menschen

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei",
dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Textübersicht unnötiges Papier.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie uns Ihre Fragen...
und klicken Sie hier...

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Die Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert.

Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail)

Weitere Fragen?
Schicken Sie uns eine Email

Telefon +49 (0) 56 1- 31 08  - 102 oder - 622
Telefax 31 08 - 104

Habichtswaldklinik

· Impressum· Anfahrt

Wigandstraße 1 · 34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe (Germany)
Telefon +49 (0) 56 1-3108-0 · Telefax 31 08 - 128

Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.