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Antacida ©  

Was sind Antacida, wie wirken sie? 

„Antacida“ heißt „gegen die Säure“. Die Antacida stammen aus der Zeit der Säure-Hypothese des Magengeschwürs. „Kein Geschwür ohne Säure“ lautete das damalige Dogma der Schulmedizin. Wir wissen heute, dass die Lehrmeinung von gestern oft der Kunstfehler von heute ist. Im Vordergrund der Diagnostik und der Therapie von Magen-Darm-Geschwüren steht nunmehr das Bakterium Helicobacter pylori, welches für etwa 50 % der Magengeschwüre und für nahezu 100 % der Dünndarmgeschwüre verantwortlich gemacht wird.

Unbestritten ist aber, dass es auch ohne dieses Bakterium zu Magengeschwüren kommen kann und hier die Säure-Hypothese nach wie vor gültig ist, zumal – Helicobacter hin oder her – bei einem pH-Wert von unter 3 im Magensaft (das ist saurer als Essig) die Schmerzen besonders intensiv sind. Auch in der antibiotischen Triple-Therapie des durch Helicobacter bedingten Geschwürs ist heute immer ein Protonenpumpenhemmer enthalten, welcher die Säurefreisetzung im Magen blockiert.

 Mit solchen pH-Wert-Messstreifen kann der Säure-Wert von Flüssigkeiten gemessen werden – je tiefer, desto saurer.

Die Antacida neutralisieren die in den Magen freigesetzte Salzsäure. Hierfür werden meist Aluminium-, Magnesium-, Kalzium- und Natriumverbindungen eingesetzt. Aus Gründen der Übersicht beschränken wir uns hier auf die Aluminium-Magnesium-Verbindungen. Diese binden und neutralisieren die Säure.

Tab. 1    Anzeigen für Antacida

Ø            Magengeschwür

Ø            Zwölffingerdarmgeschwür

Ø            Sodbrennen

Ø            Akute und chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung)

Ø            Hyperazidität des Magens (Übersäuerung des Magens durch vermehrte Sekretion von Salzsäure)

Tab. 2    Antacida in Deutschland (unvollständige Aufzählung)

Handelsname

Verbindung  

Gelusil Lac Pulver, Tbl., Liquid Susp.

Aluminium-Magnesium-Silicat

Mogalac Almasilat/-mint Susp.

Aluminiumoxid + Magnesiumoxid

Almag-CT Tbl., Susp.

Algeldrat + Magnesiumtrisilicat

Duoventrinetten N Kautbl.

Magnesiumhydroxid, Magnesiumtrisilicat, Aluminiumhydroxid-Magnesiumcarbonat

Maalox 70 mVal Susp.

Aluminiumhydroxid-Gel, Magnesiumhydroxid

Maaloxan 25 mVal Kautbl., Susp., Liquid, Soft Tabs Kautabl.

Algeldrat (Aluminiumoxid + Magnesiumhydroxid)

Progastrit Kautbl., Susp.

Algeldrat, Magnesiumhydroxid, Magnesiumtrisilicat

Tab. 3    Wichtige Gegenanzeigen für Antacida

Ø            Höhergradiger AV-Block (Erregungsleitungsstörung am Herzen, die durch Magnesium verstärkt werden kann)

Ø            Myasthenia gravis (eine schwere Muskelschwäche, die durch Magnesium verstärkt werden kann) 

Besondere Vorsicht bei Antacida ist gegeben bei:

Ø      Hypophosphatämie

Ø      Obstipation

Ø      Bekannte Dickdarmstenosen

Ø      eingeschränkte Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance <30 ml/Min.) 

Schwangerschaft: Berichte über schädliche Wirkungen während der Schwangerschaft und der Stillzeit sind nicht bekannt geworden. 

Relativ wenige Nebenwirkungen bei Antacida

Die Hauptnebenwirkung von Aluminiumsalzen ist die Verstopfung, die Hauptnebenwirkung von Magnesiumsalzen ist der Durchfall. Durch geschickte Kombination dieser beiden Verbindungen versuchen die Hersteller Präparate zu konzipieren, bei denen sich diese beiden Nebenwirkungen gegenseitig aufheben. Das klappt auch meistens, bei dem einen oder anderen kann aber auch die eine oder andere Nebenwirkung dominieren. Bei Erkrankungen, bei denen eine hohe Magnesiumzufuhr nicht erwünscht ist (bestimmte Herzrhythmusstörungen sowie die Muskelerkrankung Myasthenia gravis) sollten magnesiumhaltige Antacida vorsichtshalber nicht eingesetzt werden. Bei säurehaltigen Getränken kann die Aufnahme von Aluminium in den Körper erhöht sein. Bei deutlicher Einschränkung der Nierenfunktion können das aufgenommene Aluminium und Magnesium nicht gut wieder ausgeschieden werden und sich anreichern (Aluminium) bzw. Nebenwirkungen (Magnesium) entfalten.

Antacida binden nicht nur Magensäure, sondern können auch manche Medikamente und bestimmte Mineralstoffen an der Aufnahme über den Darm hindern, was natürlich nicht erwünscht ist. Hier sind insbesondere manche Antibiotika sowie Eisen und Fluorverbindungen zu nennen. Bei einer Therapie der Herzschwäche oder von Vorhofflimmern kann die gleichzeitige Einnahme von Antacida und Digoxin fatale Folgen haben, wenn dadurch zuwenig Digoxin (siehe auch meinen Beitrag: Digitalis) in den Körper gelangt.

Fazit 

Antacida haben relativ wenige bzw. seltene Gegenanzeigen, Anwendungsbeschränkungen und Nebenwirkungen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können durchaus relevant sein, zumal Antacida rezeptfrei erhältlich sind. Wenn der Patient seinem Arzt daher nicht sagt, dass er Antacida einnimmt und sich auch die Beipackzettel der Medikamente nicht aufmerksam durchliest, können die Wechselwirkungen dem Arzt bzw. dem Patienten durch die Lappen gehen, was die Wirksamkeit einiger Antibiotika negativ beeinflussen kann oder aber (beim Digoxin) gefährliche Herzzwischenfälle provozieren könnte. Auch bei ansonsten „harmlosen“ Mitteln wie den Antacida ist also Aufmerksamkeit geboten!

Tab. 4    Nebenwirkungen von Antacida

    Obstipation (insbesondere bei hoher Dosis)

    Ileus (Darmverschluss, Einzelfälle)

    Phosphatverarmung (bei Niereninsuffizienz und langfristiger Einnahme in hohen Dosen)

Ø      breiige Stühle, Obstipation, Blähungen und Völlegefühl

Ø      Aluminiumeinlagerung vor allem in Nerven- und Knochengewebe (bei Niereninsuffizienz und bei langfristiger Einnahme in hohen Dosen)

Ø      Hypermagnesiämie bis hin zur Magnesiumintoxikation (zentralnervöse Störungen, Muskelschwäche, Atemdepression, Reflexausfälle, Müdigkeit, Paresen, Koma, Herzrhythmusstörungen) bei langfristiger Einnahme sehr hoher Dosen und eingeschränkter Nierenfunktion

Tab. 5    Wechselwirkungen von Antacida mit anderen Medikamenten

Klinisch relevante Wechselwirkungen treten durch eine veränderte Resorption der aufgeführten Substanzen durch Salz- bzw. Komplexbindung auf:

S Tetracycline, Ciprofloxazin, Ofloxacin (Antibiotika)
S Chenodexocycholsäure (Gallensäure)
S Natriumfluorid
S Eisen
S Isoniazid (TBC-Mittel)
S Chlorpromazin (Psychopharmakon)
S Digoxin (Herzmittel) 

Entsäuernde Maßnahmen finden Sie auch unter: Ernährung bei Kopfschmerzen. Und denken Sie daran: Sauer macht lustig – aber nicht den Magen!

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de 

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Aktualisiert: Juni 2010

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