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ACE-Hemmer ©  

Was sind ACE-Hemmer, wie wirken sie? 

ACE-Hemmer sind blutdrucksenkende Mittel wie Diuretika, Beta-Blocker und Kalziumantagonisten Sie werden vor allem dann bevorzugt, wenn neben dem hohen Blutdruck eine Herzschwäche oder ein Diabetes besteht. Die Liste der unerwünschten Wirkungen ist lang, jedoch tritt nur eine von ihnen wirklich häufig auf: der Reizhusten.

ACE steht für Angiotensin-Converting-Enzym. Dieses Enzym verwandelt den Botenstoff Angiotensin I in seine wirksame Form Angiotensin II. Angiotensin heißt wörtlich übersetzt „Gefäßspanner“, und so wirkt das Hormon auch: es verengt die Blutgefäße. Außerdem regt es die Nebenniere zur vermehrten Bildung von Aldosteron an. Aldosteron wiederum verringert die Wasser- und Salzausscheidung über die Niere. Beide Mechanismen – erhöhte Gefäßspannung und verringerte Wasser- und Salzausscheidung – helfen dem Organismus, seinen normalen Blutdruck aufrecht zu erhalten. Bei erhöhtem Blutdruck tragen sie aber auch dazu bei, dass zu hohe Blutdruckwerte schlechter zu senken sind.

ACE-Hemmer blockieren das Angiotensin-Converting-Enzym, es wird weniger aktives Angiotensin II hergestellt. Dadurch bleiben die Gefäße weit gestellt, und es kann mehr Salz und Wasser ausgeschieden werden. In der Folge muss das Herz nicht mehr gegen einen so starken Gefäßwiderstand arbeiten. Der Blutdruck sinkt, und das Herz wird entlastet. Dies erklärt die beiden wichtigen Anzeigen für ACE-Hemmer: Hypertonie (Bluthochdruck) und Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche). Es konnte mittlerweile nachgewiesen werden, dass bei Patienten mit einer Herzschwäche, etwa nach einem Herzinfarkt, die Lebenserwartung durch ACE-Hemmer beträchtlich erhöht wird – die Sterblichkeit innerhalb von fünf Jahren lag um ca. 30% unter den Raten bei Nicht-Behandlung. 

Tab. 1    Anzeigen für ACE-Hemmer

Ø      Bluthochdruck          Ø      Herzmuskelschwäche

Die „Rote Liste“, das von der Pharmaindustrie herausgegebene Arzneimittelverzeichnis, enthält rund 90 verschiedene ACE-Hemmer. Dazu kommen mehr als 40 Kombinationen mit Diuretika (Entwässerungsmittel) oder Kalziumantagonisten. Unter Berücksichtigung verschiedener Dosierungen gibt es mehrere hundert verschiedene Präparate.

Tab. 2    ACE-Hemmer in Deutschland (unvollständige Aufzählung)

Substanz Handelsname  
Captopril  z.B. Lopirin®, Tensobon®
Enalapril z.B. Pres®, Xanef®
Lisinopril z.B. Acerbon®, CORIC®
Quinapril z.B. Accupro®
Benazepril z.B. Cibacen®
Ramipiril z.B. Delix®, Vesdil®
Fosinopril z.B. Fosinorm®

Gegenanzeigen für ACE-Hemmer

Weil ACE-Hemmer so stark in das Geschehen des Angiontensin-Aldosteron-Stoffwechsels und in die Kreislaufregulation eingreifen, gibt es einige Gegenanzeigen: Bei der Nierenartierenverengung gelangt zu wenig Blut in die Niere und damit zur Reinigung. Und bei der Verengung der Herzklappe ist es schwerer für das Herz, das Blut in den Kreislauf zu pumpen. Unter ACE-Hemmer-Einnahme könnte die Versorgung der Niere und des Kreislaufes bei diesen Erkrankungen nochmals verschlechtert werden und so zu einem Nierenversagen oder einem Kreislaufzusammenbruch führen. Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung ist die Einnahme von ACE-Hemmern zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, sie bedarf aber einer sehr guten Überwachung durch einen darin erfahrenen Arzt.

Tab. 3    Wichtige Gegenanzeigen für ACE-Hemmer

      Ø      Angioödem (Schwellungen der tieferen Gewebe von Haut oder Schleimhaut)
Ø      Nierenarterienverengung
Ø      Zustand nach Nierentransplantation
Ø      bedeutsame Verengung der Aorten- oder Mitralklappe im Herzen
Ø      Hypertrophe Kardiomyopathie (bestimmte, seltene Herzmuskelerkrankung mit Verdickung
         der Herzwände)
Ø      Primärer Hyperaldosteronismus (Stoffwechselerkrankung mit erhöhtem Spiegel des
         Botenstoffes Aldosteron)
Ø      Kinder (mangels Therapieerfahrung)
Ø      Schwangerschaft und Stillzeit
Ø      Gleichzeitige Desensibilisierungstherapie mit Insektengiften

Besondere Vorsicht bei ACE-Hemmer ist gegeben bei:
     
Ø     
Nierenfunktionsstörungen
 
  Ø      Eiweißverlusten im Urin (über 1 g pro Tag)
     
Ø      Elektrolytstörungen (Ungleichgewichte der Blutsalze, vor allem Kalium)
     
Ø      Schwere Lebererkrankungen
     
Ø      Kollagenkrankheit (z.B. Lupus erythematodes oder Sklerodermie)
     
Ø      Therapie mit Kortikoiden, Zytostatika, Allopurinol oder Lithium
     
Ø      Dialyse 

Trotz seltener Nebenwirkungen der ACE-Hemmer ist bewusster Umgang wichtig

Die Liste mit Nebenwirkungen ist lang, doch glücklicherweise treten die meisten nur selten (bei weniger als jedem tausendsten Anwender) oder sogar nur in Einzelfällen auf, z. B. das lebensgefährliche Angioödem (auch Quincke-Ödem genannt), eine Schwellung von Haut und Schleimhaut, die meist allergisch auftritt. Für andere Störungen besteht ein erhöhtes Risiko, wenn der Patient ohnehin dafür veranlagt ist, z. B. erhöhte Lichtempfindlichkeit oder Raynaud-Symptomatik mit kalten, blauen Fingern durch Gefäßkrämpfe.

Eine weitere Gruppe von Nebenwirkungen stellt mitunter gar keine solchen dar, sondern ist nur ein Ausdruck der guten bzw. zu guten Wirkung des Medikamentes. Sinkt der Blutdruck nämlich zu rasch oder zu stark ab, so sind Symptome wie Schwindel, Müdigkeit, Benommenheit, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen die Folge. Durch Blutdruckmessung und Dosisanpassung lassen sich diese Symptome meist vermeiden. Die vorübergehende Müdigkeit und Leistungsschwäche sowie Schwindel durch den ungewohnten niedrigeren Blutdruck zu Beginn der Behandlung kann aber zur Beeinträchtigung z. B. des Fahrvermögens führen. 

ACE-Hemmer: Bei Reizhusten hilft nur eines: Absetzen (und Ersetzen)

Eine wirklich häufige und bedeutsame Nebenwirkung ist der trockene Reizhusten, der in etwa 5-10% der Behandlungen auftritt. Oftmals tritt er nicht sofort, sondern erst nach einigen Tagen bis Wochen auf. Daher kommen Patient oder Arzt oft nicht darauf, die Ursache in der Medikation zu suchen. Das Charakteristische an diesem quälenden Husten ist, dass er sich durch Hustenmittel, selbst solche mit Codein, praktisch nicht beeinflussen lässt. Die einzig richtige Lösung: ACE-Hemmer (in Absprache mit dem Arzt) absetzen und durch ein anderes Mittel ersetzen.

Gerade wenn Sie Medikamente einnehmen, die ähnliche Wirkungen oder Nebenwirkungen haben, so kann sich die Wirkung, aber auch die Nebenwirkung, potenzieren. Dies kann therapeutisch ausgenutzt werden, etwa wenn der Arzt eine Kombination aus Entwässerungsmittel und ACE-Hemmer verordnet. Es kann sich aber auch als fatal erweisen, wenn bei einem älteren Menschen wegen Rheuma ein Immunsuppressivum (unterdrückt die zu starke Immunabwehr) und wegen Bluthochdruck ein ACE-Hemmer verabreicht wird, so dass eine Verminderung der Blutbildung erfolgen kann.

Der blutdrucksenkende Effekt kann unerwünscht gemindert werden, z. B. durch gleichzeitige Einnahme von nicht-steroidalen Rheumamitteln (vom Typ des Diclofenac® oder Ibuprofen®) oder durch zu stark gesalzene Kost.

Bei Mitteln, die den Kaliumhaushalt beeinflussen, und bei gleichzeitiger Gabe von ACE-Hemmern ist der Kaliumspiegel – zumindest am Anfang – engmaschig zu kontrollieren, um mögliche gefährliche Erhöhungen rechtzeitig zu erkennen. Bei extremen Kaliumspiegeln kann Herzstillstand eintreten. 

Für Diabetiker mit Hochdruck ist eine gute Blutdruckeinstellung fast noch wichtiger als eine gute Blutzuckereinstellung. Viele von ihnen erhalten darum ACE-Hemmer. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass so behandelte Diabetiker später Nierenschäden bekommen als Unbehandelte. Zusammen mit blutzuckersenkenden Medikamenten können ACE-Hemmer aber zunächst zu einer Unterzuckerung führen.

Daher gilt: Wenn ein Diabetiker neu auf einen ACE-Hemmer eingestellt wird, sollte er in den ersten Tagen seinen Blutzucker noch engmaschiger als sonst kontrollieren. Für alle anderen gilt: mindestens einmal sollte nach der Neueinstellung eine Kontrolle

-          der Elektrolyte (Kalium, Natrium)

-          der Leberwerte (Gamma-GT, GOT, GPT)

-          der Nierenwerte (Kreatinin) und

-          des Blutbildes 

erfolgen, z. B. nach 2 Wochen.

Tab. 4    Nebenwirkungen von ACE-Hemmer n

      Ø      Hautreaktionen (z.B. Ausschlag, Nesselfieber, Juckreiz, Schuppenflechte, selten schwere
         Reaktionen wie Angioödem mit Schwellung von Kehlkopf, Rachen und Zunge mit
         Erstickungsgefahr)
Ø      Photosensibilität (erhöhte Lichtempfindlichkeit)
Ø      Haarausfall
Ø      Onycholyse (Lösen des Nagels)
Ø      Muskel-, Gelenkschmerzen
Ø      Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Verwirrtheit
Ø      Schwindel, Kopfschmerz, Müdigkeit, Benommenheit (zu gute Wirkung?
Ø      Sehstörungen
Ø      Ohrensausen, Gleichgewichtsstörungen
Ø      Geschmacksstörungen
Ø      Mundtrockenheit, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung
Ø      Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
Ø      Ileus (Darmverschluss)
Ø      Leberfunktionsstörungen (Hepatitis)
Ø      Ikterus (Gelbsucht, Achtung!)
Ø      Elektrolytstörungen (Kaliumanstieg, Natriumabfall)
Ø      Verstärkung einer Raynaud-Symptomatik (Gefäßkrämpfe der Finger)
Ø      Vaskulitis (Gefäßentzündung)
Ø      Bronchitis, Verkrampfung der Bronchien, trockener Reizhusten
Ø      Atemnot, Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung
Ø      Allergische Alveolitis (Entzündung der Lungenbläschen)
Ø      Blutbildveränderungen mit erniedrigten Blutplättchen, roten und weißen Blutkörperchen
Ø      Vermehrte weiße Blutkörperchen
Ø      Impotenz (gelegentlich), Gynäkomastie (Brustschwellung bei Männern, sehr selten)
Ø      Verschlechterung der Nierenfunktion (gelegentlich), Nierenversagen (Einzelfälle)

Tab. 5    Wechselwirkungen von ACE-Hemmern mit anderen Medikamenten

      Ø      Immunsuppressiva (erhöhtes Risiko von Blutbildveränderungen)
Ø      Allopurinol (erhöhtes Risiko von Blutbildveränderungen)
Ø      Zytostatika (erhöhtes Risiko von Blutbildveränderungen)
Ø      Kortikoide (erhöhtes Risiko von Blutbildveränderungen)
Ø      Nicht-steroidale Antirheumatika (verminderte Blutdrucksenkung)
Ø      Narkosemittel (verstärkte Blutdrucksenkung)
Ø      Kalium, kaliumsparende Entwässerungsmittel, Heparin (erhöhte Kaliumspiegel mit Gefahr
         des Herzstillstandes bei sehr hohen Kaliumwerten)
Ø      Alkohol (verstärkte Alkoholwirkung, Achtung: Autofahrer!)
Ø      Lithium (Lithiumausscheidung verlängert)
Ø      andere Blutdruckmittel (Verstärkte Blutdrucksenkung, besonders bei Entwässerungsmitteln
         -
Diuretika)
Ø      Insektengift zur Desensibilisierung (vermehrte allergische Reaktionen, Schock)
Ø      Insulin, blutzuckersenkende Tabletten (Blutzuckersenkung verstärkt)
Ø      Kochsalz (vermindert Blutdrucksenkung)

Welcher ACE-Hemmer ist der Richtige?

Unterschieden werden kurz wirksame (z. B. Captopril) mit mittellang wirksamen (z. B. Enalapril) und lang wirksamen (z. B. Lisinopril) ACE-Hemmern. Die Vorteile der kurz wirksamen: sie wirken rasch, z. B. bei einer Blutdruckkrise, und da ihre Wirkung und auch ihre mögliche Nebenwirkung relativ schnell wieder nachlassen, lassen sie sich „gut steuern“. Nachteil: sie müssen mindestens 3xtgl. eingenommen werden. Morgens 1 Tbl. Captopril 25 und danach keine mehr, das ist für die Katz’! Das Herz ist dann von 9.00-12.00 Uhr geschützt, aber danach nicht mehr.

Langfristig sollte daher auf länger wirksame Mittel eingestellt werden, die nur zweimal (z. B. Enalapril) oder gar nur einmal (z. B. Lisinopril) täglich genommen werden müssen, was die Einnahmezuverlässigkeit enorm erhöht. 

Drängen Sie auf die empfohlenen Kontrollen. Dann sind ACE-Hemmer unter Nutzen-Risiko-Abwägung relativ sichere und gut wirksame Medikamente.

 © Dr. med. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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